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Comic Round-Up #2von C-Helden, Vampirjägern und dem Ende der Welt

Seitdem ich Ende 2010 wieder zum richtigen Comic-Junkie wurde, hat mich das Thema noch lange nicht wieder losgelassen. Wie schon in meiner Jugend habe ich mich superheldentechnisch ins Marvel-Lager geschlagen, denn außer Batman konnte mich bisher nie wirklich ein DC-Held reizen. So las ich mich durch das ganze “Fear Itself”-Event und ließ auch Spider-Island nicht aus. Hier soll’s aber um andere Comics gehen, die ich die vergangenen Monate verschlang, denn da gab es so einige interessante, die sich lang nicht nur um die bekannten Marvel-Figuren drehen.

Nextwave: Agents of H.A.T.E.

Warren Ellis, Stuart Immonen
Nextwave: Agents of H.A.T.E.Den Anfang macht aber dennoch das Marvel-Universum, in dem Warren Ellis sein Helden-Team Nextwave ansiedelte. Zusammengesetzt aus einigen vergessenen Marvelhelden wie Monica Rambeau (ehemals Captain Marvel und Photon), Aaron Stack (Machine Man) oder Tabitha Smith (Meltdown) entdeckt das Team, dass ihr Arbeitgeber H.A.T.E. (Highest Anti-Terrorism Effort) eigentlich eine Abteilung einer Terroristengruppe ist. Um ihrem nun Ex-Arbeitgeber das Handwerk zu legen, müssen die fünf sich mit Gegnern wie dem lila Unterhosen tragenden Riesendrachen Fin Fang Foom oder einem zum Riesen-Samurai-Roboter mutierten korrupten Cop herumschlagen.

So durchgeknallt wie die Gegner ist die gesamte Story des Comics. Warren Ellis hatte verdammt viel Spaß, das Marvel-Universum satirisch auseinander zu nehmen und hat bewusst auf Charakter-Entwicklung verzichtet, um voll auf übertriebene Action zu setzen. Der tolle Zeichenstil von Stuart Immonen macht das ganze zum Fest. Lange habe ich keine so altmodische, spaßige Actionblödelei gelesen!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Powerless

Matt Chernis, Michael Gaydos, Peter Johnson
PowerlessWeit ernster nehmen Matt Chernis und Michael Gaydos ihre Marvel-Helden, versetzen diese aber ebenfalls in ein ungewohntes Setting. Psychiater William Watts lebt in einer Welt ohne Superhelden, wird aber von Visionen solcher Helden geplagt. Der Zufall will es, dass sich seine Wege mit dem hochbegabten, aber nach einem Spinnenbiss behinderten Teenager Peter Parker, dem blinden Anwalt Matt Murdock und dem als willenlosen Auftragskiller ausgebildeten und mit mechanischen Klingenhandschuhen bewaffneten Logan kreuzen und er deren Leben maßgeblich beeinflusst.

Die Idee, bekannte Superhelden als normale Menschen ohne besondere Kräfte darzustellen, ist sicher nicht ganz neu. In Powerless wurde sie aber genial umgesetzt und eine Kriminalgeschichte mit leichtem Noir-Einschlag darum gesponnen, die wirklich Spaß bringt. Vor allem die Cameos vieler bekannter Charaktere und auch die an sich ziemlich offensichtliche Aufdeckung, welchen Charakter der Protagonist William Watts darstellt, machen diesen Comic natürlich vor allem für Marvel-Fans lesenswert, Vorkenntnisse sind aber absolut nicht nötig!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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The Stand

Stephen King, Roberto Aguirre-Sacasa, Mike Perkins
The StandStephen Kings epischen Weltuntergangs-Roman las ich irgendwann mal als Jugendlicher und die Story ist für mich immer noch seine beste. Vor ein paar Jahren hatte Marvel sich an eine Comic-Umsetzung gemacht und diese bei Roberto Aguirre-Sacasa und Mike Perkins in gute Hände gegeben. In fünf jeweils mehrteiligen Kapiteln erzählt der Comic die Geschichte nach und bleibt dabei dem Original sehr nahe. Natürlich wusste ich längst vorher, wie alles ausgehen wird, hatte aber viel Spaß dabei, die Figuren, die ich mir beim Lesen des Romans vorstellte, toll umgesetzt zu sehen. Wer den Roman aber noch nicht kennt, wird die gesamten sechs Bücher vor Spannung nur so verschlingen!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Local

Brian Wood, Ryan Kelly
LocalIch ging als völliger Neuling in Sachen Brian Wood an “Local” heran, kann es nun aber kaum erwarten, weitere Bücher von ihm in die Finger zu bekommen. In zwölf Kurzgeschichten portraitiert Wood zwölf Lebensjahre der Portlanderin Megan McKeenan, die durch die USA reist, aber nirgends wirklich Fuß fassen kann. Mal als Protagonistin, mal nur ganz am Rande wird die Figur in kleine für sich abgeschlossene Storys um Musik, Liebe und das Erwachsenwerden eingewebt, um aus allen am Ende ein großes Ganzes zu machen. Wunderbar poetisch und auch visuell ein Fest, ist “Local” eine der besten Graphic Novels, die ich bisher kenne.

Rating: ★★★★★★★★★½ 

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Girls

Joshua Luna, Jonathan Luna
GirlsAuch von den Luna Brothers hatte ich nie etwas gelesen, als ich mich an ihre 24-teilige Sci-Fi-Serie Girls heranwagte. Ethan Daniels hat so seine Probleme mit dem anderen Geschlecht bis er plötzlich eine nackt umher irrende Frau aufgabelt, die nichts lieber als mit ihm ins Bett will. Überrumpelt merkt er erst später, dass die Frau außerirdischen Ursprungs ist und nach dem Sex Eier legte, um weitere ihrer Art auszubrüten, die nach und nach das ganze Städtchen in Angst und Schrecken versetzen.

Was wie die Story eines B-Movies klingt, wurde von den Luna Brothers als intelligente, düstere Sci-Fi-Vision umgesetzt, in der das Übernatürliche im Hintergrund steht und die interessanten Charaktere und ihre Probleme untereinander und der Überlebenskampf miteinander zum eigentlichen Plot wird.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Wanted

Mark Millar, JG Jones
WantedAn Mark Millar habe ich ja spätestens seit “Old Man Logan” einen Narren gefressen, denn wenn jemand vollkommen abgefahrene, überdrehte Storys schreiben kann, ohne dabei substanzlos zu bleiben, dann ist es Mark Millar. Ein wenig Zweifel hatte ich aber bei seiner Miniserie “Wanted”, denn nach dem Filmdebakel um einen Webstuhl, der eigenmächtig die Namen der Mordopfer einer Killergruppe zurecht webt, hatte ich nicht so wirklich große Hoffnung, dass der zu Grunde liegende Comic wirklich gut sei.

Glücklicherweise wurde ich schnell eines besseren belehrt. Außer der Tatsache, dass der Protagonist aus seinem Durchschnittsleben gerissen wird, als sein Vater, seines Zeichens geheimer Auftragskiller, ermordet wird und er in seine Fußstapfen treten soll, hat der Film nicht mehr viel mit seiner Vorlage zu tun. Millar lässt statt einem hanebüchenen Webstuhl mit Bewusstsein eine Organisation aus Superbösewichten, die die Helden schon lange vom Erdboden getilgt hat, auf den Leser los und bastelt eine genial durchgeknallte Geschichte darum. Mir ist es ein Rätsel, warum Hollywood die wirklich spitzenmäßige Vorlage völlig ignoriert hat, denn wenn schon verrückte Ideen, dann doch bitte die von Mark Millar selbst!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

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Kick-Ass

Mark Millar, John Romita Jr.
Kick-Ass“Kick-Ass” wurde schon lange vor der achten und damit letzten Ausgabe des Story-Arcs zum Kult und Hollywood riss sich um die Rechte zur Verfilmung. Glücklicherweise wurde der Kinofilm in diesem Fall wirklich großartig und mir fiel es um einiges leichter, mich auf den zu Grunde liegenden Comic einzulassen. Im Gegensatz zu Wanted ist Kick-Ass auch weitaus bodenständiger, zumindest soweit das mit einer zehnjährigen Killermaschine mit Zöpfen möglich ist.

Die Story um einen gelangweilten Comic-Nerd, der sich entschließt, Superheld zu werden und dabei zwischen die Fronten gerät, mag brutal und durchgeknallt sein, im Vergleich zu einigen von Millars anderen Geschichten ist sie aber überraschend zahm. Dennoch weiß der Comic sehr zu überzeugen und macht auch klar, wieso der Film so gut gelungen ist, denn dieser hält sich extrem nah an die Vorlage. Sehr empfehlenswert!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

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Fray

Joss Whedon, Karl Moline
FrayIch würde mich ja schon als Fan von Joss Whedon bezeichnen. Firefly ist einfach göttlich, sein X-Men-Run war ebenfalls absolut großartig und ich ärgere mich sehr, dass ich es immer noch nicht zu den Avengers ins Kino geschafft habe. Dennoch wurde ich mit Buffy nie so wirklich warm. So war mir auch nicht wirklich klar, dass Whedons SCi-Fi-Comic “Fray” eigentlich ins Buffy-Universum gehört.

Hunderte Jahre nach den Geschehenissen in Buffy hat Manhattan sich zu einem riesigen Slum entwickelt, in dem das Mädchen Fray sich mit kleinen Gaunereien über Wasser hält. Wie es das Schicksal will, ist sie die letzte einer langen Linie von Vampirjägern und muss sich alsbald mit Horden von futuristischen Blutsaugern herumschlagen. In diesem Setting, das sich auch als Neuling in Sachen Buffy gut verstehen lässt, kommen Whedons Stärken wieder mal perfekt zur Geltung: Toll ausgearbeitete Charaktere und punktgenaue Dialoge soweit das Auge reicht. Nur die Story-Twists waren ein wenig offensichtlich, was aber leicht zu verschmerzen ist, wenn der Rest so gut passt!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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  1. Der Link führt zu Band 1 von 6. Eine Omnibus-Variante erscheint im September []
Got to be a chocolate Jesus
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