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Origins#21: Apache

Lange ist es her, dass ich mit dem “Amen Break” mal einem Drumloop eine ganz eigene Origins-Ausgabe spendiert habe. Zeit, das zu ändern, denn es gibt noch so einige wirklich tolle Drumloops, die Unmengen von Songs zu dem richtigen Beat verholfen haben. Drum kümmern wir uns heute einfach mal um den “Apache”!

Michael Viner’s Incredible Bongo Band war in den 70ern an sich nicht viel erfolgreicher als die Winstons, die uns den legendären Amen Break schenkten. Als Musik für den Film “Das Ding mit den zwei Köpfen” benötigt wurde, gründete Metro-Goldwyn-Mayer-Produzent Michael Viner kurzer Hand die Incredible Bongo Band und spielte Songs ein. Überraschender Erfolg führte 1973 zu einem Debut-Album, das ein Jahr später durch das zweite und letzte fortgesetzt wurde. Wie der Name schon andeutet, waren es vor allem die Bongos, die den Sound der aus ständig wechselnden Musikern bestehenden Band ausmachten. Teils wurden mehrstündige “Drum Wars” abgehalten, die man später auf songverträgliche Länge schnitt. Interessanterweise wirkten unter anderem sogar Ringo Starr, John Lennon und Harry Nilsson bei den instrumentalen Stücken mit.

Den eigentlichen Hype erlebte die Band erst nach ihrer Zeit. 1975 begann Hip-Hop-Pionier Kool Herc damit, per Turntables Drumbeats zu loopenden Breakbeats auszudehnen, was seine Premiere mit “Bongo Rock” dem ersten Hit der Bongo Band hatte. In den frühen 80ern wurde vor allem der Song “Apache”, seines Zeichens eine Interpretation des alten Hits von den Shadows, zu einer extrem beliebten Breakbeat-Quelle für Hip-Hop-Produzenten, was Kool Herc sogar dazu bewegte, ihn als “Nationalhymne des Hip Hop” zu bezeichnen. Die Anzahl der Songs, die den einleitenden von Jim Gordon gespielten Break verwenden, dürfte mindestens in den vierstelligen Bereich gehen, lässt sich aber kaum noch feststellen. Ein paar Highlights habe ich euch aber als Playlist zusammen gestellt!


[Direktlink]

  1. Incredible Bongo Band – Apache
    Den Anfang macht natürlich das Original, das ja wie gesagt selbst bereits ein Cover ist. Aber wenn die Shadows auch kein so bombiges Drumsolo an den Start packen, müssen sie sich auch nicht wundern, wenn sie nicht gesamplet werden!
  2. Sugar Hill Gang – Apache
    Vermutlich der erste wirklich bekannte Song, der sich schon 1981 stark beim Original bediente. Hier wurde an sich der ganze Song an den Turntables remixed und drüber gerappt. Entstanden ist ein Hip-Hop-Klassiker.
  3. Grandmaster Flash and The Furious Five – The Adventures of Grandmaster Flash on the Wheels of Steel
    Grandmaster Flash ist ein Gott an den Turntables. Seine 1981er Adventures On The Wheels Of Steel sind ein legendärer Mix aus diversen heute mehr als bekannten Samples.
  4. Double Dee & Steinski – Lesson 3 (History of Hip Hop Mix)
    Auch Double Dee & Steinskis drei 1985 erschienene Lessons gelten als legendäre Turntable-Kunst und in allen drei wurde – neben natürlich ebenfalls tonnenweise anderen bekannten Samples – der Apache-Break verwendet.
  5. Aphex Twin – Heliosphan
    Eine ganz andere Richtung schlägt Aphex Twin 1992 mit diesem Ambient-Track ein, hat den Loop dabei aber auch etwas weniger gut erkennbar im ganzen Stück verteilt.
  6. Mick Jagger – Sweet Thing
    Mick Jagger ist überraschend der einzige, normal eher nicht im elektronischen Bereich auftauchende Musiker, von dem ich einen Song mit Apache-Sample finden konnte. Dafür ist sein Solo-Ausflug “Sweet Thing” von 1992, auf dem Apache sich die Drums mit “Impeach the President” von den Honey Dippers teilen muss, auch eins der bekanntesten Stücke dieser Liste.
  7. Goldie – Inner City Life
    Ein Drumloop, der im Hip-Hop schon beliebt war, findet sich natürlich auch intensivst im in den 90ern aufkommenden Drum & Bass / Jungle wieder. Goldie’s 94er Pionier-Arbeit “Inner City Life” ist da wohl das bekannteste Beispiel!
  8. Shy FX – This Style
    Auch die etwas drückenderen Bassmonster ließen sich gut mit dem Apache unterlegen. Shy FX machten 1995 vor, was viele wiederholten: Sie kombinierten die eher fragilen Apache-Drums mit dem härteren Amen Break!
  9. Busta Rhymes – What The Fuck You Want!!
    Ende der 90er griff sich der Apache so langsam aber sicher etwas ab. Busta Rhymes gab sich in seinem 98er Hit dann auch nicht so lang mit den Drums ab, sondern holte mal wieder einen Teil der Melodie aus der Versenkung hervor.
  10. The Roots – Thought @ Work
    Auf ihrem legendären Album “Phrenology” von 2002 holten die sonst ja eher für handgemachte Beats bekannten Roots den Drumloop aus der Mottenkisten und hauchten ihm neues Leben ein.
  11. DJ Shadow and Cut Chemist – Funky
    Die alten Turntable-Haudegen DJ Shadow und Cut Chemist liessen wieder ein gutes Stück des ganzen Songs in ihrem Mix “Funky” zur Geltung kommen und weckten 2008 damit nostalgische Gefühle.
  12. Jay-Z and Kanye West – That’s My Bitch
    Bis heute ist der Drumloop aber auch echt nicht tot zu kriegen und so schmückten Jay-Z und Kanye West vergangenes Jahr noch einen insgesamt allerdings recht oldschooligen Song mit dem Loop
Got to be a chocolate Jesus
Good enough for me

Tom Waits

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