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Lichtblick im Musik-Streaming-EntwicklungslandBITKOM/GEMA-Deal macht Spotify den Weg frei!

Es ist ja an sich ein Armutszeugnis. Da gehört Deutschland zu den modernsten Ländern der Welt und nur wenige Länder können mit so einer guten Netzstruktur aufwarten wie wir und dennoch stellen wir uns im Gegensatz zu vielen anderen extrem schwer an, dieses tolle Internet auch zu legalem und bezahltem Musikstreaming, der Zukunft des Musikkonsums, nutzen zu können. Es ist ja nicht so, dass sich nicht schon diverse Firmen dran versucht hätten, aber wer stellte sich bisher immer quer? Die GEMA!

Sicher, die in Deutschland ansässigen Simfy und Napster haben irgendwie einen Vertrag aushandeln können, der allerdings für jeden gespielten Song einzelne Gebühren vorsieht und ein ziemliches Risiko für die Firmen bedeutet – ein Risiko, dass die großen internationalen Player wie Spotify nicht auf sich nehmen wollten. Da die GEMA sich aber trotz Kritik der Plattenlabel selbst nie auf pauschale Beträge je Abonnenten einlassen wollte, machte Spotify sich eben in den USA und so ziemlich allen unseren Nachbarländern breit, in denen die Verwertungsgesellschaften aufgeschlossener und moderner auftraten als die alteingesessenen Bürokraten hierzulande.

Jetzt scheint sich das Blatt aber endlich zu wenden. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (kurz BITKOM) hat es geschafft, die GEMA von einem pauschalen Abo-Modell zu überzeugen! Dieser ausgehandelte Gesamtvertrag gilt für alle auf dem deutschen Markt agierenden Online-Musik-Anbieter und schließt auch eindeutig Streaming-Angebote mit ein. Die Anbieter müssen dabei nur noch etwa einen Euro je User und Monat zahlen, egal wie viel Musik derjenige konsumiert hat. Wer Mitglied der BITKOM ist, bekommt sogar zusätzlich einen Rabatt!

Damit steht Spotify soweit nichts mehr im Wege. Wenn die Schweden mit den ausgehandelten Konditionen einverstanden sind (was ich sehr stark annehme, da sie im Endeffekt genau das bedeuten, was Spotify immer verlangte), könnte der Dienst theoretisch jederzeit bei uns starten und endlich auch allen, die nicht wie ich das Glück hatten, vor einigen Jahren noch aus Deutschland heraus Premium-Mitglied zu werden und den Dienst seitdem nutzen können, die Möglichkeit geben, den Dienst zu verwenden.

Was bedeutet das nun für Deutschland und die ansässige Konkurrenz? Es bleibt natürlich erst mal offen, ob und wann Spotify nach diesem Durchbruch wirklich in Deutschland startet und wie die schon in Deutschland agierenden Dienste auf die neuen pauschalen Kosten reagieren werden. Spotify hat bewiesen, dass sie sich sehr schnell auf einen neuen Markt vorbereiten können und überraschten immer wieder mit unerwartet schnellen Markteinführungen in anderen Ländern. Zudem waren sie ja kurzzeitig schon bei uns am Start und haben dank Einführung in Österreich auch endlich eine deutschsprachige Version ihrer Software in Petto. Man kann nur mutmaßen, aber ich stimme Martin von Netzwertig zu und denke, die Schweden werden spätestens im zweiten Quartal 2012 bei uns angekommen sein.

Die Konkurrenz muss sich dann warm anziehen. Spotify bietet in Sachen Musik-Auswahl, Zuverlässigkeit des Online-Dienstes und sozialer Komponenten Quali- und Quantität, die Simfy und Napster einfach nicht bieten können. Erstere halten sich in Deutschland ja eh vor allem deshalb, weil das große Vorbild, bei dem anfangs ja sogar Aussehen und Funktionen der Software und Mobile Apps kopiert wurden, in Deutschland bisher nicht verfügbar waren. Um die ja jetzt schon nicht unbedingt riesigen Mengen zahlender Kunden zu halten oder erhöhen, müssen die Dienste einiges auffahren und eventuell auch an den Preisen schrauben, was die jetzt verhandelten pauschalen Abgaben ja ganz gut ermöglichen sollten.

Egal, wie sich die Musik-Streaming-Landschaft jetzt weiter entwickelt, es wird definitiv spannend und dürfte eindeutig zum Vorteil von uns, den Hörern ausgehen! Ich bin gespannt! Ein kleiner Wermutstropfen am Rande bleibt aber: der Gesamtvertrag deckt keine ausschließlich kostenlosen, werbefinanzierten Dienste ab. Wir werden also erst mal weiterhin mit den nervenden Meldungen bei in Deutschland gesperrten Videos auf Youtube leben müssen!

[via]

Kommentare

1

Das wurde ja auch mal Zeit! 🙂

geschrieben von Gondorff
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2

Das gilt also auch für Grooveshark, die ich ausdrücklich weiterhin empfehlen werde, da Spotify diesen Facebookscheiß voraussetzt.

geschrieben von tux-
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3

@tux–: Mich persönlich stört die Facebook-Integration nicht, da ich dort eh angemeldet bin, aber die Tatsache, dass es verpflichtend vorausgesetzt ist, ist wirklich etwas schade.

Grooveshark hatte bisher ja seltsamerweise keine Probleme mit der Gema, eventuell weil die Seite denen zu unwichtig ist und vielleicht auch, weil die Betreiber sich von vorn herein schon nicht so gründlich um die Rechte für die dort hörbaren Songs kümmern und gar nicht erst auf dem Schirm der Gema gelandet waren. Leider hat Grooveshark durch sein ziemliches Grauzonen-Modell auch ganz andere Schwierigkeiten, denn die haben ja meines Wissen auch die Labels nicht wirklich hinter sich und erst vor kurzem auch eine schwerwiegende Klage an den Hals bekommen. So sehr ich den Dienst auch mag und vor allem für’s Blog nutze, befürchte ich, dass die keine so rosige Zukunft wie Spotify haben werden.

geschrieben von beetFreeQ
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4

@beet­FreeQ: Nach der Logik ist auch die Zuknft von YouTube “ungewiss”, weil da jeder alles hochladen kann.

geschrieben von tux-
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5

@tux–: Mit dem Unterschied, dass Youtube Google im Rücken hat und die finanziell sicher ganz andere Möglichkeiten haben, sich mit Labels und Verwertungsgesellschaften zu einigen. Mittlerweile gibt es ja aber auch schon ein Angebot seitens der GEMA für kostenlose Streaming-DIenste. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

geschrieben von beetFreeQ
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Every mix tape tells a story. Put them together, and they add up to the story of life.

Rob Sheffield

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