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Projekt HörsturzRezension Runde 56

Wieso ist eigentlich wieder mal der Herbst die sonnige Jahreszeit und nicht der Sommer? Immerhin geben einem die Temperaturen trotzdem einen Grund, nicht zu lang draußen herumzulaufen und stattdessen mal die neue Runde im Projekt Hörsturz zu bewerten – neben der Tatsache, dass es mittlerweile schon ordentlich dunkel ist, natürlich. Also legen wir direkt mal los!

Pflichtsongs

Kettcar – Verraten

(von Dr. Borstel)
Au weia, das fängt ja gleich nervig an. Kettcar finde ich zwar nicht ganz so grausam wie Tomte oder Tocotronic, aber dennoch ist so eine Musik für mich der Inbegriff der Langeweile. Dieses ganze Hamburger Schule-Gequirle ist mir ähnlich unsympathisch wie Apple, einfach weil der Kram so arrogant auf hippe, poetische Studentenmucke getrimmt ist, dass ich’s schon allein deswegen nicht gut finden kann.

Rating: ★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 

The Lost Lyrics – Frau Brandes

(von Michael)
In ersten Moment schallt mir angenehmer Gypsy-Ska entgegen, dann wird man durch den stimmlich öden Gesang auf den Boden der Tatsachen geholt. Ein wenig später knüppeln dann noch nervige Punk-Gitarren den letzten Rest “mag ich” aus dem Song. So wird das leider nix, zumal deutsche Lyrics bei mir – vermutlich dank Schlagern und Hamburger Schule einen sehr schlechten Stand haben…

Rating: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 

Almah – Trace Of Trait

(von cimddwc)
Ich weiß ja nicht. Gegen Luftgitarre ist ja nix einzuwenden, aber wenn man sich dabei so ernst nimmt, wie der Sänger da im Video, ist das doch echt peinlich, oder? Apropos Sänger: Bevor der mit seinem Genöhle einsetzte, war der Song ja noch ganz ordentlicher Metal nach 2000er Machart. Aber irgendwie kriegen solche Bands es selten hin, Sänger zu finden, die eben nicht nöhlig klingen. Aber auch ohne den Gesang ist das nix wirklich Besonderes, muss ich sagen.

Rating: ★★★★☆☆☆☆☆☆ 

Feist – The Bad In Each Other

(von beetFreeQ)
Ein Lichtblick! Aber der Vorschlag stammt ja auch von mir. “The Bad In Each Other” ist der Opener des aktuellen Album “Metals” und hat mich gleich mit dem ersten Hören absolut weggeblasen. Wie man mit so einem so folkig-sparsamen, balladesken Song so episch klingen kann, ist mir schleierhaft, aber Feist schafft es. Absolut grandioser Song. Vielleicht sogar einer für meine imaginäre Top 10 der besten Songs aller Zeiten!

Rating: ★★★★★★★★★★ 

Nickelback – Bottoms up

(von Konzertheld)
Gaaanz schlechte Reihenfolge! Nickelback sind ja so oder so schon ganz langweiliger Chartsrock. Aber wenn man so einen Song direkt nach Feist hört, die ja interessanterweise mit ihrem anspruchsvollen Folk auch in die deutschen Album-Top-10 gekommen ist, klingen Nickelback gleich noch um einiges öder. Die müssten sich echt mal einen neuen Riff-Baukasten besorgen, aus dem sie ihre Songs zusammenschustern…

Rating: ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 

Sleepytime Gorilla Museum – Formicary

(von Kristin)
Ah, auf Kristin ist Verlass, wobei ich dieses Mal zur Abwechslung mal Band und Song kenne. Sleepytime Gorilla Museum sind eine Band, die man sicher nicht immer hören kann, da sie einen oft ziemlich anstrengenden, durchgeknallten Stil haben. Mit “Formicary” hat Kristin zwar keinen der besten Songs der Band rausgesucht, aber sicher einen der leichter bekömmlichen. Für “The Donkey Headed Adversary of Humanity Opens The Discussion” hätt’s die volle Punktzahl gegeben, aber der wäre bei den anderen vermutlich ziemlich durchgefallen! 😉

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

EELS – Spectacular Girl

(von Mars)
Die Eels, ursprünglich mal eine meiner liebsten Bands. Leider hat E sich nach und nach immer mehr den eher langweiligen Balladen verschrieben und nur stellenweise noch wirklich großartige Songs dazwischen gehabt. Spectacular Girl gehört zwar zu den besseren Songs der Eels der letzten Jahre, hätte aber auch ein wenig weniger süßlich klingen können.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Beerjacket – Eggshells

(von JuliaL49)
Klingt ja nach einer praktischen Angelegenheit, so ne Jacke mit integriertem Biernachschub… Musikalisch gibt’s allerdings keine Sauflieder, sondern, um’s mal mit Julias Worten zu sagen, ganz schnuffigen Indiepop/Folk. Unspektakulär, geht aber gut ins Ohr und sorgt für ein wohliges Gefühl. Mag ich!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Cashier No. 9 – Goldstar

(von Nummer Neun)
So, mit dem letzten Song wird abkassiert. Warum wir dazu aber eine gefühlte Reise zurück in die 80er machen müssen, weiß ich nicht. Ich hab schon schlechteres gehört, aber wirklich groß begeistern will mich der Song nicht, obwohl mich der Sänger ja irgendwie leicht an Elijah Wood erinnert.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Ein Schnitt von 5,556 Punkten zeigt, dass die Runde für meinen Geschmack nicht wirklich das Dollste war. Aber immerhin war für mich neben den wenigen gut bewerteten, aber mir auch schon bekannten Songs auch eine schicke Neuentdeckung dabei. Nächstes Mal fällt der Rest sicher auch wieder ein bisschen besser aus, denn es geht um Soundtracks!

Mein Vorschlag für Runde 57

Ich habe mich ja wieder schwer getan, einen wirklich guten Song heraus zu suchen, denn da gibt es einfach viel zu viele um Bereich der Soundtracks. Letztendlich habe ich dann aber doch den perfekten Vertreter gefunden, von dem ich bis vorhin gar nicht mal wusste, dass er eine Soundtrack-Arbeit ist! Tom Waits’ Album “Blood Money” besteht nämlich genau wie das zeitgleich erschienene “Alice” aus Songs, die er für Theaterstücke geschrieben hat. Während “Alice” den Sountrack zu einem Stück um die verbotene Liebe zwischen Lewis Carroll und Alice Liddell (für die er Alice im Wunderland schrieb) darstellt, fasst Waits auf “Blood Money” eine freie Neuinterpretation von Georg Büchners “Woyzeck” in Musik. Beide Stücke stammen von Robert Wilson, der mit Waits und William S. Burroughs auch schon das auf dem Freischütz basierende Musical “The Black Rider” erschuf. Aber genug der Musiklehre. Ich habe mich hier für das Herzstück aus “Blood Money” entschieden: “God’s Away On Business”, das übrigens, um die Soundtrack-Vorgabe perfekt zu machen, auch noch in der Doku “Enron: The Smartest Guys in the Room” verwendet wurde!

Tom Waits – God’s Away On Business

http://www.youtube.com/watch?v=MJW7KmIs590

Every mix tape tells a story. Put them together, and they add up to the story of life.

Rob Sheffield

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