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Klassiker des RockTomorrow Never Knows

Turn off your mind, relax
and float down stream
It is not dying
It is not dying

Obwohl die Band, von der “Tomorrow Never Knows” stammt, ist zwar sicher die bisher erfolgreichste in dieser Reihe, der Song aber vermutlich der unbekannteste. Von den Beatles gibt es viele Klassiker und man könnte die ganze Reihe problemlos mit unzähligen Coverversionen füllen. Meine Entscheidung fiel aber eben auf das wenig bekannte “Tomorrow Never Knows”, denn es markiert eine wichtige Entwicklung für die elektronische Musik und zeigt die Band von ihrer experimentellsten Seite. Ich habe zu dem Song wie immer einige interessante Fakten und ganze 14 tolle Coverversionen herausgesucht.

  • Der Titel des Songs taucht nirgends im eigentlichen Text auf. Er entstand während eines Interviews eher zufällig. Vorher trug er den Arbeitstitel “Mark I”. Einige Quellen nennen auch “The Void” als ursprünglichen Titel, was aber wohl nicht stimmen soll.
  • John Lennon, der zu der Zeit LSD konsumierte, zog seine Inspiration zu dem Song und einzelne Textpassagen aus dem Buch “The Psychedelic Experience: A Manual Based on the Tibetan Book of the Dead” von Timothy Leary, Richard Alpert und Ralph Metzner. Dieses schlägt den Konsum von LSD zur psychiatrischen Behandlung vor und gibt entsprechende Anleitungen. Dementsprechend wird der Song oft auch als Anleitung zum LSD-Konsum verstanden.
  • Der damals erst 20-jährige Toningenieur Geoff Emerick arbeitete für den Song das erste Mal mit den Beatles zusammen und brachte viele technische Ideen mit ein. Beispielsweise gehen einige damals revolutionäre Aufnahmetechniken, die heute Standard sind, auf sein Konto.
  • John Lennon wollte auf dem Song wie hundert tibetanische Mönche gleichzeitig klingen. Er stellte sich dazu vor, kopfüber von einem Seil zu hängen und daran nach einem ordentlichen Anstoß vor dem Mikro schwingend die Lyrics aufzunehmen. Geoff Emerick hatte dazu allerdings die Idee, Lennons Gesang durch den eigentlich für Hammond-Orgeln gedachten rotierenden Leslie-Lautsprecher und einen Flanger zu jagen, um den gewünschten Effekt zu erzielen, was dann auch umgesetzt wurde.
  • Der Song basiert stark auf größtenteils selbst eingespielten Samples. So wurden Schlagzeug und Bass als Loop hinter den Gesang gelegt und mit rückwärts laufenden Tonbandschleifen untermalt. Unter Anderem ist in dem Song auch ein von George Harrison eingespieltes Gitarrensolo rückwärts zu hören.
  • Die im Song verwendeten Tonbandschleifen wurden auf Anregung von John Lennon von den Bandmitgliedern zu Hause aufgenommen und bestehen allesamt aus sehr kurzen durch mehrfaches Overdubbing verzerrten Samples.
  • Wo übliche Rocksongs schon oft mit Akkorden geizen, ist das auf indischen Harmonien basierende “Tomorrow Never Knows” noch minimalistischer. Der Großteil des Songs wird mit nur einem Akkord bestritten, am Ende der Strophen wird aber noch in einen zweiten gewechselt.
  • Der Song war damals ein reines Studioprojekt und durchlief viele Entwicklungsphasen. In seiner Studioform hätte er so damals auch nie live aufgeführt werden können. Da die Beatles in den späteren Jahren ihrer Karriere nicht mehr so stark auf Live-Konzerte setzten, hatten sie im Studio mehr Freiheiten, da eben nicht alles auch live funktionieren musste.

  1. The Beatles
    Das Original war seiner Zeit weit voraus und trotz der vertrackten Samples und Strukturen halten sich viele der Cover ziemlich nah an die Vorlage.
  2. Jimi Hendrix
    Drei Jahre nach Erscheinen des Originals spielte Jimi Hendrix diese Version live und machte sie mehr zu einem psychedelisch improvisierten Instrumental. Leider konnte ich keine wirklich vollständige Fassung finden. Eventuell gehört das auch so.
  3. 801
    Während einer kurzen Schaffenspause der Band Roxy Music in den späten 70ern gründeten Lead-Gitarrist Phil Manzanera und Keyboarder Brian Eno kurzerhand die Progressive-Rock-Formation 801. Ihr letztes Werk war ein Live-Album, auf dem auch diese schicke Coverversion zum Besten gegeben wurde.
  4. Phil Collins
    Es gab mal eine Zeit, zu der Phil Collins noch nicht der weichgespülte Poponkel von Nebenan war und Genesis auch noch als cool galten. Aus dieser Ära, genauer gesagt dem Solo-Debut von Herrn Collins stammt auch diese feine Coverversion.
  5. Blackmail
    Auch die deutsche Band Blackmail zeigte sich auf ihrem Debut in den 90ern noch etwas experimenteller als später und packte ebenso ein sehr hörenswertes Cover von “Tomorrow Never Knows” auf die Scheibe.
  6. Living Colour
    Die Hardrocker von Living Colour machten es ein wenig anders. Bei Ihnen durfte das erste Album nach der Reunion als Vehikel für das Beatles-Cover dienen. Passend zu dem experimentellen Song war die Scheibe auch trotz guter Kritikerwertungen die erste der Band, die nicht großartig in den Charts landete.
  7. Gov’t Mule
    Die Jamrocker von Gov’t Mule nahmen den Song zwar meines Wissens nie als Studioversion auf, haben ihn aber doch des öfteren als toll improvisierte, teils ausufernde Live-Version im Programm. Passend dazu wollte ich euch eigentlich auch ein fast 18 minütiges tolles Jam-Cover von Oysterhead präsentieren, nur hat das leider nur Handyaufnahme-Qualität, weshalb ich davon absah.
  8. Pedro Aznar
    Angenehm aus dem Rahmen der bisherigen Cover fällt die Fassung von Pedro Aznar. Der argentinische Jazz-/Folk-Progressive-Rock-Musiker verwurzelte den Song stärker in den orientalischen Einflüssen, die ja schon das Original hatte und macht ein extrem tolles Stück Weltmusik draus.
  9. Billy Idol
    Auch Billy Idol vergriff sich – zusammen mit ein paar Gastmusikern – im Rahmen des Hardrock-Tribut-Albums “Butchering The Beatles – A Headbashing Tribute” an dem Song und gab ihm seine typische Note.
  10. Noel Gallagher & Friends
    In welchem Tribut-Konzert-Rahmen dieses Live-Cover entstand, weiß ich leider nicht genau, aber irgendwie hätte auch was gefehlt, wenn nicht zumindest ein Teil von Oasis diesen Song neu interpretiert.
  11. Beatallica – Tomorrow Never Comes
    Eine eher persiflierende Version muss natürlich auch sein, hier in Form der Beatles-Metallica-Mash-Up-Coverband Beatallica. Der Song ist daher wie der Name schon andeutet auch kein reines Cover sondern wurde mit dem Metallica-Song “The Day That Never Comes” verquirlt.
  12. Tangerine Dream
    Die deutschen Krautrocker Tangerine Dream wurden interessanterweise 1967, also etwa ein Jahr nach Erscheinen des Songs gegründet. Ihr Cover entstand aber erst 2009 im Rahmen von “Appey Road”, einem der unzähligen Tribut-Alben zu den Beatles.
  13. Dweezil Zappa
    Für selbiges Tribut-Album nahm auch der Song von Legende Frank Zappa ein Cover des Songs auf. Nicht so durchgeknallt wie sein Vater, aber dennoch sehr hörenswert! Übrigens ist auch er einer mehrerer Künstler in dieser Auswahl, die erst nach Erscheinen des Originals auf die Welt kamen.
  14. Herbie Hancock feat. Dave Matthews
    Während Herbie Hancock fast zeitgleich mit den Beatles seine Karriere startete, gehört auch Dave Matthews knapp zu den “Spätergeborenen”. Nichts desto trotz spielten die beiden eine wirklich geniale Coverversion ein.
  15. Allison Mossheart & Carla Azar
    Wenn der Film “Sucker Punch” etwas richtig gemacht hat, dann war das der Soundtrack, der komplett aus speziell für den Film aufgenommenen Cover verschiedenster Songs besteht. Passend zu dem traumweltlerischen Filmthema ist natürlich auch ein Cover von “Tomorrow Never Knows”, intoniert von der genialen Allison Mossheart und der Autolux-Frontfrau Carla Azar, dabei.

Kommentare

1

Tomorrow Never Knows kannte ich nur von Phil Collins und fand es immer sehr verstörend. Mit den entsprechenden Hintergrundfakten erklärt sich das auch, seine Version ist ja sehr nah am Original… Bei Nummer 13 meinst du “Sohn”, nicht “Song”, oder?

Die Cover sind echt hörenswert. Es lohnt sich doch immer, deine vielen Blogposts irgendwann zu lesen…

geschrieben von Konzertheld
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2

@Kon­zert­held: Hehe, danke! Ist auch schön zu hören, dass nicht alle immer nur die neuesten Beiträge überfliegen sondern auch mal die Folgeseiten durchgucken 😉

geschrieben von beetFreeQ
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Danger! Danger!
High Voltage!

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