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Origins#19: Verschlagerung

Ein Großteil der deutschen Musiklandschaft steht schon seit vielen Jahrzehnten unter dem Einfluss dessen, was über den großen Teich herüberschwappt. So gehörte es gerade in den 60ern bis 80ern sogar fast zum guten Ton eines deutschen Schlagersängers, mindestens ein – natürlich eingedeutschtes – Cover eines großen amerikanischen Hits im Repertoire zu haben. Meist suchte man sich dazu auch den damaligen Chartspop als Opfer heraus, aber es gibt doch so ein paar solche Cover, die aus unerwarteten Genres stammen und mehr als eine Augenbraue nach oben jagen. In dieser Runde hören wir, wie Schlagerstars sich an unnahbaren Klassikern wie “Paint It Black” oder “Paranoid” vergehen und dabei überraschend hörbar klingen. Viel Vergnügen!

Karel Gott – Rot und schwarz / Rolling Stones – Paint It Black



Die Rolling Stones wurden unzählige Male gecovert und es ist sicher auch die eine oder andere kuriose Version darunter. Den Vogel schoss aber eindeutig Karel Gott ab, der sich hier “Paint It Black” vorknöpfte und eine eigene leicht orchestrale Version draus machte, die textlich natürlich nicht mehr viel mit dem Original zu tun hatte. Einen gewissen Charme kann man seiner Interpretation aber definitiv nicht absprechen, nicht zuletzt durch die unfreiwillig komischen Andeutungen von wilden Schreien.

Cindy & Bert – Der Hund von Baskerville / Black Sabbath – Paranoid



Ende der Sechziger hatten die damals noch völlig unbekannten Cindy und Bert ihren ersten Plattenvertrag. Ohne schon genau zu wissen, wohin sich das Duo mal orientieren würde, drückten ihnen die Produzenten kurzerhand ein Cover zu Black Sabbath’ “Paranoid” auf und Bert schrieb persönlich den blöden Text dazu. Abgesehen von eben diesem erinnert dieser Song noch so rein gar nicht daran, dass die beiden später ein Mal zu großen Schlagerstars werden würden. Der Erfolg blieb damals allerdings auch noch aus.

Howard Carpendale – Es weht der Wind der neuen Zeit / Sonny & Cher – The Beat Goes On



Auch der letzte Song im Bunde wurde unzählige Male gecovert und hat dabei diverse Genres besucht, wie auch den deutschen Schlager. Die Version von Howard Carpendale lädt dabei wunderbar zum Fremdschämen ein, denn sowohl textlich als auch musikalisch tut dem Song seine Verwurstung alles andere als gut. Mit einem Augenzwinkern kann man den Song aber dennoch als Kuriosität gut hören.

Kommentare

1

HILFE! Wie schrecklich.
Vor allem Howard Carpendale. Der geht echt nicht mal mehr mit ‘nem Augenzwinkern.

geschrieben von Sascha
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2

Der Hund von Baskerville ist ja fast schon selbst ein Klassiker :-) . Karel Gott´s “Paint in Black” hat was und Howie hüllen wir besser in den Mantel des Schweigens…

geschrieben von Michael
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3

Oh je! Mir wird gerade richtig schlecht. Da bluten einem nicht nur die Ohren. Ich hoffe die Originale haben diese Schändungen geahndet.

geschrieben von dasI
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4

@Sascha: Hehe, da kommt’s wahrscheinlich einfach auf die Höhe der Schmerzgrenze an. Und da bin ich als Kind einer fleißigen Schlagerhörerin ziemlich abgehärtet. 😉

@Michael: Ja, der Hund hat mich auch erst auf die Idee zum Thema gebracht. Ich war dann am Ende aber überrascht, dass doch gar nicht sooo viele ungewöhnliche Cover im Schlagerbereich zu finden waren. Meist wird da dann doch nur Kram gecovert, der schon im Original fieser Schmonz war…

@dasI: Na zumindest besteht bei diesen Versionen nicht die Gefahr, dass die Jugend nur noch die grausamen Cover kennt und für’s Original hält, wie’s in den Charts heutzutage ja oft der Fall ist!

geschrieben von beetFreeQ
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