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Facebook vs Waterkant

Vermutlich habt ihr ja auch längst davon gehört, so wie es bereits durch die Medien gegangen ist. Vergangenen Freitag gab das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz bekannt, dass in Schleswig-Holstein ansässige Betreiber von Webseiten bis Ende September ihre Facebook-Like-Buttons und Fanseiten bei Facebook löschen müssen, da diese verboten werden. Bei Zuwiderhandlung muss mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 € gerechnet werden. Das ist natürlich harter Tobak und trifft mich als Schleswig-Holsteiner direkt.

Die Begründung für dieses Verbot von Facebook-Funktionen ist die Tatsache, dass Facebook in einem Maße Daten sammelt, das nach deutschen Gesetzen nicht rechtens ist. Zudem bietet Facebook keine Möglichkeit an, dieser Datensammelei zu widersprechen. Auf der einen Seite kann ich nur begrüßen, dass sich Regierungseinrichtungen für Datenschutz einsetzen, auf der anderen Seite halte ich die Wege das zu tun für völlig unsinnig.

Als technisch nicht so versierter Mensch fragt man sich erst mal, wie ein einfacher Facebook-Like-Button Daten sammeln kann, ohne geklickt zu werden. Das ist ganz einfach, denn der Code, mit dem der Button eingebunden wird, greift direkt auf Daten zu, die auf den Servern von Facebook liegen und ermöglicht dem Social Network so, die Schritte der Benutzer mitzuschneiden. Mit dem Hintergrund kann man das Verbot dieser Buttons an sich verstehen. Mich selbst soll das auch nicht wirklich stören, da ich solche Buttons auf meinem Blog bisher nie verwendet habe.

Weit unverständlicher ist allerdings das Verbot von Facebook-Fanseiten. Diese Seiten liegen ja nicht auf dem Webspace der Webseitenbetreiber wie mir sondern direkt und auch unmissverständlich erkennbar bei Facebook selbst. Wer zu diesen Seiten surft, weiß genau, dass er dabei auf Facebook landet und da kann ich selbst als Betreiber einer solchen Fanseite weder etwas dran ändern noch in meinen Augen dafür haftbar gemacht werden. Was ist in deren Argumentation denn der Unterschied zwischen einen privaten Facebook-Profil, das ja noch erlaubt bleiben soll, und einer Fanseite? Wieso ist das eine OK, das andere aber nicht?

Das ULD schreibt, es gäbe ja Alternativen, die man nutzen könne. Haben die sich überhaupt mal andere Social Networks angesehen? Zum Einen sammeln diese fast ausnahmslos ebenfalls Daten ihrer Benutzer, zum anderen gibt es nun mal nichts vergleichbares wie Facebook-Fanseiten auf anderen Networks. Google+ ist da noch nicht ganz so weit, die VZ-Netzwerke kommen auch nicht an den Service von Facebook heran und sind genau wie MySpace sowieso längst auf dem absteigenden Ast. Xing ist dagegen direkt für berufliche Kontakte zwischen Einzelpersonen ausgelegt, kommt damit wohl für die meisten ebenso nicht wirklich in Frage. Und damit war’s das dann schon.

Was mich aber am meisten an diesen Verboten stört, ist die Tatsache, dass sie vollkommen am Ziel vorbei schießen und am Ende nur die Symptome zu lindern versuchen, anstatt die Ursache anzugehen. Facebook kratzt so ein kleines Bundesland wie Schleswig-Holstein doch absolut nicht und ist auf uns paar Tausend User nicht angewiesen. Und wir Schleswig-Holsteiner werden auf der anderen Seite gegenüber anderen benachteiligt, denn Facebook ist mittlerweile nun mal ein wichtiges Standbein, um seine Website zu vernetzen, ob man’s nun mag oder nicht. Warum die Regierung nun gegen uns Nutzer von Facebook vorgeht, aber nicht gegen Facebook selbst, welche ja diejenigen sind, die mit ihrer Datensammelung gegen deutsches Recht verstoßen, bleibt ein Rätsel.

Ich für meinen Teil werde wohl nicht anders können, als nach Ablauf der Frist Ende September meine Facebook-Fanseite zu löschen, wenn sich an der Situation nichts ändert. Zum Glück habe ich die Möglichkeiten der Fanseiten eh noch nicht so weitgehend genutzt und würde stattdessen mit dem Posten meiner Beiträge auf meinem eigenen Profil vermutlich genau so gut fahren. Zwar wurde gesagt, dass man erst mal nicht klagen sondern die Webseitenbetreiber nur auf die neue Gesetzeslage hinweisen wolle, aber das ist mir ehrlich gesagt zu wage.

Hier noch schnell ein paar weiterführende Links zum Thema. Mal sehen, vielleicht lenken die Leute vom ULD ja doch noch ein. Immerhin gibt es auch nicht wenige staatliche Einrichtungen und Personen, die eigene Facebook-Fanseiten betreiben, darunter auch das Land Schleswig-Holstein selbst…

Kommentare

1

Aha. Und wer löscht dann wirklich auch sein ‘Like’ dinges auf der Webseite? Für kleine Webseiten gilt, wo Kläger da kein Richter. Grösser Webseiten werden wohl sich als ‘Nicht Schleswig-​​Holstein Webseite’ deklarieren.

Was wäre dann eine Wirkung volle Massnahme? So lange Facebook kein deutschen Ableger hat kann man dagegen nicht richtig klagen. Höchstens vielleicht die .de Domain entziehen. Oder doch ein lustiges Stop-Schild einführen wie schon vorgeschlagen für andere Inhalte.

geschrieben von Gamlor
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2

Kleinere Websites bleiben ja von diversen anderen Sachen auch nicht verschont.
Ich habe die FB-Lile-Diskussion nur am Rande mitbekommen, werde es aber etwas genauer verfolgen. Schließlich geht es mich periphär ja auch an. Und sei es bislang nur passiv.

geschrieben von Zeitzeugin
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3

Hört das denn nie auf… immer schön alles verbieten, was unschön ist. Dass diese Facebook-Buttons Daten sammeln, hat sich doch inzwischen herum gesprochen, so dass einige die gar nicht erst einbauen und andere (auf Besucher-Seite) sich Blockierungs-Plugins für ihre Browser installieren. Wer sich also den Gründen des Verbotes bewusst ist, handelt ohnehin schon dagegen, falls er es für notwendig hält. Und der Rest wird das Verbot nicht verstehen. Also absolut nicht zielführend, ganz abgesehen davon, dass natürlich mal wieder nicht gegen die Ursache, sondern gegen die Symptome gekämpft wird, wie du schon selbst schriebst.

geschrieben von Konzertheld
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4

1. Laut Aussage von Facebook werden die Daten von nichteingeloggten Usern (sprich: IP-Adressen) innerhalb von 90 Tagen gelöscht. Kann man nicht glauben, aber dann wäre eh jede Diskussion sinnlos.

2. Von eingeloggten Usern holt sich Facebook vllt. Daten, aber wenn ich mich recht entsinne zeigt Facebook nur Statistiken über die Leute an, die auch geliket haben. Und wenn sie die Daten von visit-only/not-liked eh nicht verwenden (weil die für die Betreiber auch eher uninteressant sind) wären sie schön doof, wenn sie da groß was Speichern würden (das Liken gibt ihnen so gute Daten, dass auch Targeting kein Argument ist).

3. Bleibt also nur noch das “Jaha! Aber da werden ja ungefragt und im Geheimen Daten an Facebook geschickt! Und das dürfen Websitebetreiber nicht!”. Und da wird’s echt haarig. Denn das ist nichts Facebook-spezifisches. Hier unten auf der Seite wird ein .swf per HTTP GET von http://www.laut.fm geladen. Das heißt: Falls ich bei laut.fm eingeloggt bin, wissen die jetzt, dass ich diese Seite besuche. Auf jeden Fall aber kriegen die meine IP-Adresse. Falls jemand in seinem Blog nen GooglePlus-Widget einbaut, gilt das Gleiche. Und da hört es nicht auf (es reicht schon, ein Bild einzubinden per Hotlink oder ein Youtube-Video).

Fazit: In dem Fall, dass er damit durchkommt, sind sämtliche embeds/Hotlinks illegal, wenn nicht vorher die Einstimmung des Users geholt wurde. Willkommen in der Hölle.

geschrieben von Lino
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5

@Gam­lor: Ja, das schlimme wird vermutlich sein, dass viele unbedarfte Blogger von diesem Verbot vermutlich gar nichts mitbekommen werden und dann Ziel von windigen Klagen werden könnten. Als gäbe es nicht schon genug Möglichkeiten, uns Website-Betreiber in die Pfanne zu hauen.

Eine deutsche Niederlassung hat Facebook ja meines Wissens mittlerweile. Aber die kratzt das auch nicht wirklich!

@Kon­zert­held: Ja, das Verbot erreicht einfach mal wieder völlig die falschen.

@Lino: Welche Kreise so ein Verbot ziehen kann, will ich mir gar nicht ausmalen. Theoretisch kann uns das echt wieder in die Anfangszeit des Webs zurück katapultieren, wenn jeder nur für sich selbst steht und lieber gar nichts mehr verlinkt oder gar einbindet, weil ja IPs der Besucher in falsche Hände geraten könnten.

geschrieben von beetFreeQ
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