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gelesen Neil Gaiman - American Gods

Gods die. And when they truly die they are unmourned and unremembered. Ideas are more difficult to kill than people, but they can be killed, in the end.

Shadow sitzt in Erwartung eines ehrlichen Lebens mit seiner Frau die letzten Tage im Gefängnis ab. Als er unerwartet einige Tage früher entlassen wird, ahnt er schlimmes. Seine Frau ist bei einem Unfall ums Leben gekommen und für ihn bricht all seine Hoffnung zusammen. Auf dem Weg zur Beerdigung lernt er Mr. Wednesday kennen, einen zwielichtigen Mann mit Glasauge, der überraschend viel über Shadow weiß und ihm Arbeit anbietet. Nach und nach erfährt Shadow, dass sich hinter Wednesday eigentlich der alte nordische Gott Odin verbirgt, der die anderen fast vergessenen Götter für eine entscheidende Schlacht zusammen trommelt – eine Schlacht gegen die neuen Götter der multimedialen Welt.

Neil Gaiman versteht sich darauf, in unserer Realität andere Welten zu verstecken, die nicht selten auf Mythologien basieren, um aus diesen einen spannenden Mix aus Fantasy und Moderne zu erschaffen. Das gelingt ihm auch in “American Gods” blendend. Prämisse des Romans ist, dass Götter und Fabelwesen entstehen und existieren, weil Menschen an sie glauben. Bei der Besiedelung Amerikas brachten die Europäer ihre Götter mit und diese manifestierten sich auf dem neuen Kontinent. Doch nach und nach gerieten sie in Vergessenheit und fristen nun ein bemitleidenswertes Dasein unter den Menschen. Auf der anderen Seite sind durch Technologien und kulturelle Entwicklungen immer neue Götter entstanden, die sich nun augenscheinlich gegen die alten Götter auflehnen.

Gaiman malt aber kein reines Schwarz-Weiß-Bild und ist sicher der letzte, der pauschal gegen die Moderne wettern würde. Vielmehr regt der Roman zum Nachdenken an, über Glauben, Medienmacht und Menschlichkeit. Nicht selten stellen sich gerade die mythologischen Wesen des Romans als die menschlichsten heraus. Dabei schafft Gaiman es, trotz wahrer Flut an Figuren, allen genügend Luft zum Entfalten zu geben, die der Geschichte glücklicherweise nichts von seiner Spannung nimmt.

Allein die Masse an Mythologien, die Gaiman hier immer zu ihrer Herkunft passend einwebt und oft erst später im Buch als diejenigen offenbart, die sie sind, macht “American Gods” zu einem Fest und lädt zum mehrfachen Lesen ein. Neben offensichtlicheren Figuren wie Wednesday (Odin) oder die Bestattungsunternehmer Ibis (Thot) und Jackal (Anubis) bekommen auch weniger bekannte Figuren wie der Ire Mad Sweeney (Shuibhne) oder Czernobog, Volkshelden und in Cameoform auch Charaktere aus Gaiman’s eigener Sandman-Reihe ihren Auftritt.

Dabei sei gesagt, dass der Fokus weniger auf die eigentliche Schlacht gelegt wird, sondern der Weg dahin mit kleinen Nebensträngen und eingestreuten, teils für die eigentliche Geschichte irrelevanten Erzählungen den Hauptteil des Buches ausmacht. “American Gods” ist damit weniger ein episches Fantasywerk sondern viel mehr ein Roadtrip mit vielen tollen Begebenheiten und Charakteren, der angenehm unaufgeregt erzählt wird.

Ich muss sagen, dass mir der Einstieg in das Buch ein wenig schwer fiel, denn in den ersten 2-3 Kapiteln ist noch nicht viel von der Übernatürlichkeit zu spüren und man hat noch wenige Anhaltspunkte, wohin sich die Story entwickeln wird. Wenn man sich aber eingelesen hat und sich der Umfang der Geschichte nach und nach entfaltet, will man “American Gods” nicht mehr weg legen. Seit langem hat mir kein Roman so viel Lesespaß bereitet wie dieser. Je weiter ich bereits gelesen hatte, desto mehr Schlaf raubte mir dieses Buch, weil ich immer längere Passagen wie hypnotisiert in mich hinein schlang. Ich kann den Roman jedem ans Herz legen, egal ob er Fantasy mag oder eher nicht. Wie gesagt darf man sich nur auf keinen Fall von der in den ersten Kapiteln nur langsam Fahrt aufnehmenden Geschichte entmutigen lassen!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Das Buch gibt’s u.a. bei Amazon auf deutsch[1] und natürlich im englischen Original! Von diesem Original gibt’s im Netz auch die ersten fünf Kapitel gratis zu lesen.

  1. Wie gut die Übersetzung gelungen ist, kann ich leider nicht sagen, da ich nur die englische Fassung gelesen habe. Den Bewertungen nach dürfte der Roman aber auch auf deutsch sehr empfehlenswert sein. []

Kommentare

1

Hm, so langsam fand ich das gar nicht am Anfang. Liegt vielleicht daran, dass das mein erstes Gaiman-Buch war und ich das im Zusammenhang mit #1b1t gelesen habe, als nur ein Kapitel pro Woche dran war.

geschrieben von juliaL49
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2

Das wollte ich auch schon lange lesen, Good Omens konnte mich aber nicht wirklich von Gaiman überzeugen. Gaiman ist doch irgendwie auch so einer der Leute, die nur beliebt sind, weil sie im Internet aktiv sind. Ist zumindest mein Eindruck. So der Wil Wheaton der Bücherszene.
Good Omens hat ja eine ähnliche Thematik, wenn ich nicht irre, Götter in Amerika und so 😛 (Lese lieber mal Sandman zum richtigen Gaiman-Einstieg, vielleicht packt es mich dann ja auch)

geschrieben von David
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3

Neil Gaiman ist ja ungeheuer fleissig und man fragt sich wie der typ SO viel in so kurzer Zeit zustande bringt. Die “Sandman” Comics von ihm gefallen mir persönlich ja am besten.

geschrieben von maloney8032
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4

Das Review kann ich so unterschreiben. Wobei ich den Einstieg in das Buch etwas anders in Erinnerung habe; ich finde, der eher langsame Aufbau wird der Story sehr gut gerecht, da Gaiman im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren kontemporärer Fantasy darauf verzichtet, seinen Protagonisten von einem Moment auf den anderen in diese “andere Welt” zu werfen, sondern dem Zuschauer die Chance gibt, gemeinsam mit Shadow nach und nach in all die Mythen und Geheimnisse einzutauchen. Meiner Meinung nach sehr gut gelungen, das.

geschrieben von Dr. Borstel
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5

@juliaL49: Es passiert zwar schon einiges am Anfang, aber ich fand eben dein Einstieg in das Übernatürliche etwas langatmig. Das könnte gerade einige Leser, die entsprechend Fantasy erwarten, abschrecken, denke ich.

@David: Och, Good Omens hab ich schon geliebt, da war er noch gar nicht groß im Internet aktiv. Und bisher hat mich noch keins seiner Bücher enttäuscht, wovon ich jetzt inkl. Comics immerhin schon 5 kenne.

@maloney8032: Die stehen bei mir immer noch auf der ToDo-Liste. Hab mich aber bisher irgendwie noch nicht an diese lange Reihe herangewagt!

@Dr. Borstel: Naja, wie ich grad auch Julia schrieb, könnte eben dieser langsame Einstieg in Fantasy-Gefilde Leser abschrecken. Im Nachhinein denke ich aber auch, dass es gut zur Story gepasst hat.

geschrieben von beetFreeQ
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6

Ist das Review Spoiler-frei? Kann ich das lesen? :)

geschrieben von Kristin
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7

@Kristin: Na kommt drauf an, was für dich ein Spoiler ist. Also ich verrate zumindest keine Twists oder wichtige Storyabschnitte. In der Einleitung schreibe ich aber schon ein wenig, worauf das Buch hinarbeitet und einige Charaktere werden auch angeschnitten, die man sonst erst später im Buch kennen lernt. Von der Spannung sollte das aber hoffentlich nichts nehmen.

geschrieben von beetFreeQ
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