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Projekt Hörsturz Rezension Runde 44

So ein vollgepacktes Osterwochenende hab ich auch noch nie erlebt. Dabei war nicht mal so ein üblicher familiärer Osterbraten dabei, wie man ihn sonst so kennt. Vielmehr drehte sich mein Ostern um angerostete Winterräder, die sich nicht wechseln ließen, überfüllte Waschstraßen passend zu meiner wahnwitzigen Idee, den Wagen noch vor Ostern gewaschen zu kriegen, Tankstellen, die nur noch Bargeld annehmen und immerhin auch die eine oder andere Feier, zu viel gutes Essen und zu viel Rumgelaufe an Strandpromenaden bei praller Sonne.

Wo ich jetzt also ausgelaugt zu Hause sitze und froh bin, dass die Gardinen die zu viel genossene Sonne etwas draußen halten, gibt es doch nichts schöneres, als die vier Tage durch ein wenig gute Musik ausklingen zu lassen. Hoffentlich lassen mich eure Vorschläge zur aktuellen Hörsturz-Runde dabei nicht im Stich!

Pflichtsongs

De Drangdüwels – Överfahrt

(von Michael)
Au weia – ich muss ja sagen, dass dieser Song irgendwas hat, was mich entgegen aller Deutsche-Folklore-Abneigung zum Mitwippen bewegt. Vielleicht liegt’s doch am Lokalpatriotismus, denn die Jungs singen auf Plattdeutsch und nicht Niederländisch oder dänisch, wie ich andernorts schon gelesen habe. Der Text ist aber halt doch nicht mehr als lustige Seemansgeschichte. Dennoch bei weitem besser als was man so als Volksmusik geboten bekommt.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Opeth – Burden

(von Tenza)
Opeth ist so ziemlich die einzige Black-Metal-Band, die ich an mich ran lasse, denn durch ihre Mischung mit Progressive Metal und später auch Jazz kommen oft wirklich tolle Songs zustande. Leider übernehmen sie aber auch einen Teil des Schmalzes, den der Progressive Rock/Metal dummerweise so mit bringt. “Burden” bewegt sich da leider zu sehr auf den Schmalzschiene, als dass ich es wirklich mögen würde. Da hat die Band eindeutig viel besseres zu bieten, auch wenn sie dann gern mal ins Growling übergeht! “Burden” ist IMO sowieso der schwächste Song von “Watershed”.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Q and not U – Soft Pyramids

(von Kristin)
Ich mag ja Songs mit ungewöhnlicher Percussion und frickeliger Rhythmik. Da können Q and not U vollkommen auftrumpfen. Auch sonst bietet der auf den ersten Blick an sich recht fluffige Indiesong so einige kleine Details zu entdecken. Haut mich noch nicht gleich ganz so um, wie viele von Kristin’s Vorschlägen, aber die Band werde ich auf alle Fälle im Auge behalten!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

The Naked And Famous – All Of This

(von Freddi)
Es gibt so Songs, die machen sich bei mir gleich mit den ersten Sekunden unbeliebt und schaffen es nicht mehr, wieder in meiner Gunst zu steigen. Ich dachte ja schon, dass diesen Song mit seinem viel zu generisch-langweiligen Beginn einer aus der Kategorie sein würde. Glücklicherweise stellt sich nach und nach doch noch sowas wie Gefallen ein. Am Ende bleibt ein ganz netter Ohrwurm, der mit anderem Drumbeat und Intro vielleicht noch richtig spitze werden könnte.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Middle Class Rut – New Low

(von LemonHead)
Der Zitronenkopf schafft es ja genau wie die Kristin oft, die genialsten Bands rauszuhauen, von denen ich absolut noch nie etwas gehört habe. Middle Class Rut reiht sich nahtlos in die Reihe dieser Bands ein. Ich mag die Stimme des Sängers in Kombination mit dem fast konventionellen Alt.-Rock, der es irgendwie doch schafft, absolut mitreißend und nicht abgegriffen zu klingen.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Alestorm – Keelhauled

(von Graval)
Alestorm könnte mir mit ihrem Piratenmetal ja an sich sehr gefallen, wenn sie dabei nicht so grausam synthetisch klingen würde. Das hatte ich ja in Runde 7 bemängelt, wo die Band bereits einmal dran war. Das muss viel rauher und unsauberer klingen, die Instrumente müssen echt und akustisch sein, außer den Gitarren, die man aber auch durch Celli ersetzen könnte. Immerhin macht “Keelhauled” seine Sache schon einen Ticken besser als der Song aus Runde 7. Wirklich super ist es aber leider nicht.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Coheed And Cambria – A Favor House Atlantic

(von Konna)
Coheed And Cambria ist so eine Band, die beweist, dass Progressive Rock leider ein Genre auf sehr dünnem Eis ist. Es gibt da viel Genialität, aber eben auch viel zu viel Schmalz oder generische Langweiler. Coheed And Cambria gehören leider zur dritten Kategorie. Unangenehme weibliche Gesangsstimme, viel zu austauschbare Gitarrenriffs und Aufbau. An sich hat die Band das Label Progressive Rock nicht wirklich verdient. Das ist Alt. Rock von der Stange.

Rating: ★★★★☆☆☆☆☆☆ 

A Backward Glance On A Travel Road – Regular Barbary

(von beetFreeQ)
So muss sich Genialität anhören. A Backward Glance On A Travel Road, die ja ein Nebenprojekt einer eher langweiligen Progressive-Metal-Band namens Hypno5e sind, ergehen sich hier in absolut genialen Kopfkino-Soundtracks. Schade, dass die Band außer ihrem kurzen Debut-Album bisher nichts neues veröffentlicht hat. Aber immerhin gibt es dieses Album nach wie vor zum kostenlosen Download, den ich nicht oft genug empfehlen kann!

Rating: ★★★★★★★★★★ 

And So I Watch You From Afar – Set Guitars To Kill

(von Khitos)
Witzig, dass Khitos anscheinend recht zeitgleich mit mir diese Band entdeckt hat und sie nun im Projekt Hörsturz vorschlägt. Das hätte ich vermutlich demnächst auch noch getan. Wer mit so einer brachialen Mischung aus Post-Rock und Math-Rock um die Ecke kommt, kann aber auch gar nicht anders als meinen Geschmack zu treffen. Meine Wertung fällt daher auch noch mal um ein paar Punkte besser aus als die von Khitos selbst! Hammer!

Rating: ★★★★★★★★★★ 

Sens Unik – Charlie

(von maloney8032)
Das Intro macht ja an sich Lust auf mehr. Dann kommt aber doch ziemlich gähnender Rap-Pop um die Ecke und liefert noch ein Beispiel für eine Sprache, die sich einfach mal nicht zum Rappen eignet. Die weibliche Sängerin im Chorus kann es da auch nicht mehr retten sondern macht’s an sich nur noch schlimmer. Ne, definitiv nicht meine Tasse Tee!

Rating: ★★★★☆☆☆☆☆☆ 

6,8 Punkte sind doch eine ziemlich ordentliche Durchschnittswertung für diese Runde, aber es waren auch ein paar echte Highlights dabei. Mal sehen, wo sich die Bonussongs dazwischen einordnen können!

Bonussongs

Blur – Hey Magpie

(von Mars)
Huch, einen Mashup hatte ich ja direkt von Blur jetzt nicht erwartet, aber ein wenig Gegoogle verschafft Klarheit: Der Song stammt von einer Remix-Scheibe, die wohl auch Mashups beinhaltet. Leider kann mich die Mischung mit den Black Eyed Peas nicht wirklich vom Hocker reißen, auch wenn ich Blur selbst ganz gern mag.

Rating: ★★★★★☆☆☆☆☆ 

In Extremo – Zauberspruch No. VII

(von cimddwc)
Oh Graus, hatten wir die nicht erst letztens? Der Song hier bestätigt mein Urteil – In Extremo passt genau so in die grausame Goth-Schlager-Ecke wie Unheilig. Brrr…

Rating: ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 

John Grant – Sigourney Weaver (Strongroom Session)

(von JuliaL49)
Dass man einen Song über Sigourney Weaver schreibt und dabei auch noch ganz witzig ihre Filmrollen einbaut, ist ja an sich nichts schlechtes, aber warum muss man so was nur immer mit so strunzlangweiligen Klaviergeklimper unterlegen? Das hab ich mich ja damals schon bei der textlich ansonsten tollen Kollaboration zwischen Neil Gaiman und Ben Folds gefragt. Wobei die beiden ja gerade zusammen mit Amanda Palmer und einem Mitglied von OK Go ein Ninja-Album aufgenommen haben. Aber das ist ne andere Story!

Rating: ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 

Malcolm Shuttleworth – Imagine

(von Sorkin)
Klingt wie ne semi-okaye Lennon-Interpretation auf nem Talentabend in ner Kneipe und sieht auch nicht nach viel mehr aus. Langweilig!

Rating: ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 

The Gaslight Anthem – The ’59 Sound

(von Dr. Borstel)
The Gaslight Anthem ist so eine Band, zu der man überall und nirgends von ihrer absoluten Genialität zu lesen bekommt, die mich aber so völlig kalt lässt. Austauschbar und schnell wieder vergessen.

Rating: ★★★★★☆☆☆☆☆ 

The Rakes – The world was a mess but his hair was perfect

(von Konzertheld)
Ah, die Rakes. Schade, dass sie sich aufgelöst haben. “The world was a mess but his hair was perfect” gehört zwar zum nur halbguten zweiten Album der Band, ist aber immerhin einer der besseren Songs der Scheibe. Nächstes Mal nen Song vom Debut oder dem dritten Album vorschlagen und es gibt volle Punktzahl!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Durch einige wirklich schlechte Songs reißen die Bonussongs die Gesamtwertung so weit runter wie noch nie. 5,69 sind für meine Verhältnisse mal echt niedrig. Aber die kommende Runde könnte eine werden, die diese Wertung noch unterbietet, denn es wird zum Sonderthema “Guilty Pleasure” gebeten und jeder ist angehalten Songs vorzuschlagen, die er mag, aber selbst für etwas peinlich hält. Vielleicht ist ja aber doch einiges tolles dabei, mal abwarten.

Mein Vorschlag für Runde 45

Ich habe natürlich auch einen Song für diese Sonderrunde parat, musste aber lang überlegen, was ich denn nehme. So wirklich richtig peinlich ist mir an sich nur wenig aus meiner Musiksammlung, aber es gibt dann doch so ein zwei Genres, die nicht ganz so zum restlichen Geschmack passen und so ein kleines Guilty Pleasure darstellen. Da mir The Prodigy hier zu abgegriffen und nicht tief genug in die Richtung gehend erschien, habe ich mich dann für andere Breakbeat-Verhackstückler entschieden.

Noisia sind der Inbegriff des Dicke-Eier-Drum&Bass und damit nicht nur durch ihre niederländische Herkunft so ein wenig geistige Nachfahren von Charlie Lownoise & Mental Theo in meinem Geschmack, zwar ohne die cheesigen Kirmestechno-Einlagen, dafür aber mit anders klischeebeladenem Stil. Bei so genialen Bass-Elementen wie in “Shellshock” kann ich aber einfach mal nicht anders, als diese Musik toll zu finden. Witzigerweise ist der Song gerade taufrisch mit einem Video versehen worden und von der Band zum kostenlosen Download bereit gestellt worden.

Noisia – Shellshock

Kommentare

1

Vielleicht sind es einfach meine guten Erinnerungen an den Track, die mich “Charlie” gut finden lassen, denn deine Kritikpunkte haben ja schon ein bisschen Wahres. ;) Egal, meine 10 Punkte bleiben. :P

Und Keelhauled klingt eben gerade so dreckig und rauh, wie ich das von einem Piraten-Lied erwarte. :)

geschrieben von Graval
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2

Du solltest Dir auf jeden Fall noch andere Tracks von Q and Not U anhören, die haben echt eine ganze Bandbreite an unterschiedlichem Kram (Genres: Post-hardcore, Dance-punk, Math rock, Experimental). Ich hatte nur den rausgesucht, der am tauglichsten ist für das Projekt. Ich stehe sehr auf X-Polynation, Wonderful People und A Line in the Sand. Auch gut: So Many Animal Calls und Collect the Diamonds. Einfach mal bei YouTube gucken.

Gehören übrigens zur Dischord-Familie.

geschrieben von Kristin
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3

@Graval: Klar, dafür hat ja jeder seinen eigenen Geschmack und seine eigene Meinung. Das macht das Projekt doch erst so spannend!

@Kristin: Ich hab mir die Band auch schon als Playlist in Spotify angepinnt, damit ich sie mir in Ruhe mal genauer durchhören kann! Weiß ja bei deinen Vorschlägen, dass das selten Bands sind, zu denen man sich nach nur einem Song schon ein klares Bild machen kann. Das macht sie ja gerade so interessant. ;)

geschrieben von beetFreeQ
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4

Haha, ja, das Lied ist schon fetzig, musste mich aber erstmal reinhören, hab ihn ja, bevor ich ihn vorschlug, nur einmal gehört :D
Aber gefällt mir, da haben wir auf jeden Fall eine tolle Band gefunden ;)

geschrieben von Khitos
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