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Scrobbeldiekatz warum nutze ich Last.fm?

Nico warf gestern auf seinem Blog eine interessante Frage auf: Warum scrobbeln wir eigentlich? Was bringt es mir, dass ich tagtäglich meine Hörgewohnheiten auf die Server von Last.fm schaufele und ich drauf und dran bin, auch im Auto nur noch per Handy Musik zu hören, weil mein Autoradio naturgemäß nicht scrobbeln kann?

Nun, da ist natürlich erst mal die direkteste und offensichtlichste Antwort: Wie viele Menschen liebe auch ich Statistiken und Listen. Da kommt ein Dienst wie Last.fm natürlich nur recht mit seinen Charts, die mir sagen, wann ich was wie oft gehört habe. Außerdem sind da ja auch die Social-Features. Freunde finden, Geschmäcker vergleichen. Aber Last.fm ist unter der Haube noch so viel mehr, vor allem für mich als Blogger, der hauptsächlich über Musik schreibt.

Last.fm und ich

In diesem Moment habe ich seit meiner Registrierung am 15. Januar 2006 genau 86018 Songs gescrobbelt. Ich habe 136 loved Tracks, 84 Posts (wobei meine in den Foren aktivere Zeit lang zurück liegt), eine Playlist und 14 Shouts auf meiner Seite. Wie man sieht, nutze ich also neben dem Scrobbeln die Funktion, einen Song zu “lieben” (Der Grund dafür wird noch erläutert), lege aber kaum Playlisten an und kommuniziere über die Seite auch wenig. Dennoch bin ich sehr oft auf Last.fm unterwegs, vor allem zur Recherche für meine Musikbeiträge.

Last.fm als Nachschlagewerk

MySpace hat seinen Höhenflug ja längst hinter sich. Diente die Plattform zu einer Zeit, in der sie mit ihrem Design in Geisterbahnen auftreten konnte, noch als Anlaufpunkt Nummer 1, wenn man etwas über Bands erfahren und in ihre Musik hineinhören wollte, ist das nun so langsam endgültig vorbei. Last.fm ist da sicher auch kein Allheilmittel, vor allem nicht, wenn es um News zu den Bands geht, aber der Dienst vereint einige wirklich nützliche Funktionalitäten in sich.

Durch die eingebaute Wiki können Fans Biographien, Infos zu Alben und Songs, Fotos, Weblinks, verlinkte Videos, Konzertdaten und so weiter eintragen und so nach und nach ein umfassendes Nachschlagewerk erstellen. Während das im englischsprachigen Bereich und bei Bands mit 5000 Hörern aufwärts auch schon ganz gut klappt, hat man natürlich generell nicht ganz die Qualität einer gut gepflegten Wikipedia-Seite, aber es ist sehr nützlich, um sich einen Überblick zu verschaffen und für mich als Musikblogger erster Anlaufpunkt, wenn ich Infos zu einer frisch entdeckten Band suche. Artist-Bio, Links zu weiterführenden Seiten, klassifizierende Tags, Videos – im besten Fall alles da und verwendbar, wenn man über eine Musikentdeckung bloggt.

Last.fm als Entdeckungswerkzeug

Natürlich bin ich auch immer auf der Suche nach interessanten Bands, die ich noch nicht kenne. Dafür gibt es mittlerweile massenhaft Werkzeuge, die meistens versuchen, basierend auf Genres oder Stilelementen von geliebten Bands ähnliche zu finden. Selten funktioniert das wirklich perfekt. Bei Last.fm gibt es dafür natürlich auch verschiedene Wege, allen voran die direkt auf den Hörer zugeschnittenen Empfehlungen, ähnliche Bands zu den gern gehörten oder einfach die Portalseiten zu Genre-Tags. Erstere Möglichkeit nutze ich an sich selten, denn oft sind das Bands, die ich teils schon kenne, aber nicht mag, obwohl sie an sich zu den schon von mir gehörten Bands passen.

Die Anzeige “ähnlicher” Bands auf einem Band-Profil ist da schon ergiebiger, wenn man sie auch als das versteht, was sie eigentlich ist: Die empfohlenen Bands sind nicht zwangsläufig sehr “ähnlich”, allerdings sind es die Bands, die anderen Hörern der Band gefallen und sie teilen sich einige Tags. Erwartet man also nicht direkt Bands, die exakt den selben Stil haben sondern teilweise schon extrem unterschiedlich sein können, kann man da absolut großartige Entdeckungen machen.

Die Tag-Portale sind vor allem dann interessant, wenn man ein Genre neu für sich entdeckt hat, aber eher selten für alte Hasen. Dort sind natürlich hauptsächlich die bekanntesten Bands des Genres gelistet und je nach Popularität scheiden sich auch mal die Geister, wie gut sich die Schubladen denn wirklich füllen lassen, aber ein Anhaltspunkt ist es allemal! Nett auch die Möglichkeit anhand von Länder-Tags Bands aus bestimmten Nationen zu finden, wie ich es für meinen Vorentscheid zum GSC 2011 (in dem übrigens immer noch sehr gern abgestimmt werden darf!) gemacht habe.

Last.fm als Schnittstelle

Ein weiteres, riesiges Feld an Anwendungen erschließt sich durch Last.fms API[1]. Beispielsweise nutze ich in meinem Musikplayer Foobar 2000 ein paar Plugins, mit denen sich neben dem Scrobbeln selbst auch Fotos, Plattencover und Biografien direkt ins Programm laden lassen, um sie beim Abspielen anzeigen zu lassen. Ich veröffentliche über den Dienst Tweekly.fm wöchentlich meine meist gehörten Bands der Woche auf Twitter und Facebook. Außerdem empfehle ich meine liebsten Songs über den “LastFM Love/Twitter Mashup” auf Twitter. Es gibt noch viele weitere Dienste, die sich der Last.fm-Daten bedienen und diese verarbeiten und mit weiterem Nutzwert versehen. Bei Interesse schreibe ich noch mal einen detaillierteren Beitrag darüber, denn das würde den Rahmen des sowieso schon viel zu langen Beitrags sprengen!

Fazit

Unschwer zu sehen ziehe ich also sehr viel Nutzwert aus dem Scrobbeln bei Last.fm und den durch die große Community zusammengestellten Informationen, die es in so einem Rahmen und Umfang nirgends sonst im Web gibt. Ich würde nur noch sehr ungern darauf verzichten und habe mich sehr dran gewöhnt, diesen Dienst immer zur Verfügung zu haben. Das Scrobbeln selbst und der Schwanzvergleich sowie das Zeigen, was ich gerade genau höre, ist dabei nach dem anfänglichen Hype etwas in den Hintergrund gewandert und hat Platz für den wirklichen Nutzwert gemacht.

  1. Application Programming Interface – also eine Schnittstelle für andere Programme und Webseiten, um auf die Last.fm-Daten zuzugreifen []

Kommentare

1

Schön, dass du nochmal alle Stärken von last.fm aufgegriffen hast.
Wirklich ein genialer Web Service. Ich könnte auch nicht ohne.
So viele neue Bands habe ich auf dieser Seite entdeckt 🙂

geschrieben von Basti
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2

Nun ja, ich weiß nicht, wie viele deiner Twitter-Follower auf die automatischen Tweets reagieren, aber ich filtere diese Dienste (wie auch “Ich mag ein YouTube-Video” etc.) lieber zwecks Timeline-Übersichtlichkeit raus. 🙂 Du stellst ja auch auf dem Blog eh viele Songs/Bands vor…

(Übrigens heißt API “Application Programming Interface”, nicht “Advanced…”)

geschrieben von cimddwc
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3

@Basti: Ja, geht mir genau so. Ich glaube es kommt auch einfach auf einen offenen Musikgeschmack an, damit man mit den Bandempfehlungen der Seite was anfangen kann. Viele schreiben ja, dass die absolut nix taugen. Das kann ich aber echt nicht nachvollziehen.

@cimddwc: Och hin und wieder bekomme ich schon mal ne positive Rückmeldung zu solchen Tweets. Stört aber auch keinen wirklich, habe ich das Gefühl.

Hmm, ich hätte mal lieber doch nachschlagen sollen, als ich mir nicht mehr 100%ig sicher war, wofür die Abkürzung steht 😀

geschrieben von beetFreeQ
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4

Gute Sache, ich kann auch nicht mehr ohne. 😉 Manchmal habe ich gar das Gefühl, ein bisschen zu viel auf Last.fm zu stöbern, aber man entdeckt eben doch einiges.

geschrieben von Dr. Borstel
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5

Schöner Artikel! Ich habe erst kürzlich auch die Frage nach dem Sinn des Scrobbelns gestellt. Ich gehe noch einen Schritt weiter und blende sogar die Cover der letzten 4 gehörten Stücke im Blog ein. Das wird das Blog langsamer machen und schafft wohl kaum einen Mehrwert für die Leser. Mir gefällt es aber. Und das reicht. ^^

Bin übrigens seit Feb 2006 dabei und habe auch schon über 70.000 gespielte Titel auf dem Zähler. Da ist man echt platt. Aber bei mir läuft immer Musik. Manchmal sogar am Arbeitsplatz. Über Last.fm mache ich kaum was. Allerdings sehe ich mir auch die Statistiken regelmäßig an. Das ist wirklich immer wieder interessant.

geschrieben von Horst
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6

Hihi, ich hab fast 100.000 gescrobbelte Titel!

Aber eine wichtige Funktion hast du vergessen: Konzerte finden!
Zwar nutzt mir das während der meisten Zeit nichts (wenn man im Hinterland wie Greifswald oder Konstanz wohnt), aber für meine Urlaube in England hat mir das immer sehr geholfen. Ich gebe einfach meinen Standort entsprechend an und abonniere den Feed. Bisher hat es immer geklappt, dass ich für die Zeit des Urlaubs tolle Konzerte gefunden habe.

geschrieben von juliaL49
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7

Schöne Übersicht.
In den meisten deiner Ausführungen kann ich mich deutlich wiedererkennen.

Ich bin z.B. seit dem 17. Sep. 2007 dabei. Habe aber “erst” (atm) 6493 Songs gescrobbelt. Der Grund dafür ist nicht, dass ich so wenig Musik höre. Eher im Gegenteil. Aber eine Zeit lang habe ich fast ausschließlich über meinen alten iPod (8 GB) Musik gehört. Nachträgliches scrobbeln ist ein ewiges Problem des Plugins und wollte nie so recht. Da ging natürlich enorm viel flöten.
Seit ich jedoch ein Abo bei simfy habe und so mittels Handy auch unterwegs/im Auto selbst zusammengeschneiderte Musik konsumieren (und scrobbeln) kann, geht es endlich mal aufwärts mit meinen Statistiken.

Da kommt für mich auch die Funktion des “Titel liebens” ins Spiel.

Die geliebten Tracks wandern sofort in die Sammelplaylist “My favourite songs” und diese landet synchronisierenderweise sofort auf meinem Handy. Für Autofahrten brauche ich keine zig neue Alben (diese hebe ich mir für zuhause auf), sondern bekannte Hits zum mitgröhlen. 🙂

geschrieben von LemonHead
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