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Musica Obscura Vol. 16 Good Old Nu Jazz

Jazz war ja schon immer eines der modernsten und wegweisendsten Musikgenres. Auch wer keinen Jazz mag, muss eingestehen, dass er viele moderne Genres maßgeblich mit beeinflusst hat und unsere Musikwelt heute sicher nicht da wäre, wo sie ist, hätte es nie den Jazz gegeben. Einen besonderen Einfluss aber hatte das Genre in der elektronischen Musik. Während Legenden wie Herbie Hancock oder Miles Davis schon in den 70ern massiv mit Synthesizern und anderer elektronischer Klangerzeugung experimentierten und damit ja auch einen wichtigen Grundstein für elektronische Musikgenres legten, machten sich vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er elektronische Künstler daran, ihre eigene Version von Jazz zu kreieren.

Als Gegenpol zum typisch-nervigen Cafe-Del-Mar-Gedudel machte sich vor allem die Compilation-Reihe “The Future Sound Of Jazz” vom deutschen Compost-Label daran, anspruchsvollere Stücke des gemeinhin unter NuJazz zusammengefassten Genres an die geneigten Hörer zu bringen. Aber auch andere Labels und Einzelkünstler trugen zu einem vielschichtigen Genre bei, das im Gegensatz zu einigen anderen “Nu”-Genres ihrem Ursprung respektvoll Tribut zollt. Drum habe ich mal wieder einige tolle Songs aus eben dieser Ära des NuJazz ausgegraben, die allesamt auch mehr als 10 Jahre später noch nach dem Jazz der Zukunft klingen.

[DirectPlaylist]

4hero – Planeteria (A Theme From A Dream)

4hero waren schon eine ganze Weile im Drum & Bass unterwegs und hatten sich einen Namen gemacht, als sie 1998 mit “Two Pages” einen neuen Weg einschlugen. Das Doppelalbum setzte sich zur einen Hälfte aus organischen, oft mit akustischen Instrumenten eingespielten Jazz-Songs und zur anderen aus technoiden Electronic-Tracks zusammen und war wegweisend für das ganze Genre. Planetaria war das Herzstück der ersten Hälfte des Albums.

Extended Spirit – Solid Water

Als Seitenprojekt der weiter unten noch folgenden Berliner von Jazzanova bedienen Extended Spirit seit 1995 die Bars und Clubs mit ihren Tracks. Einen Namen machten sie sich als Remixer diverser anderer Künstler, ihre eigene Musik kann sich aber auch sehr hören lassen.

Carl Craig – Basic Math

Carl Craig werden einige vermutlich als legendären Techno-Produzenten kennen. 1998 veröffentlichte er unter dem Projektnamen “Innerzone Orchestra” ein Album, auf dem er Techno mit Jazz zu einer verstörenden und spannenden Melange verwebt. “Programmed”, so der Name des Albums, gilt als absoluter Klassiker.

Black Jazz Chronicles – Dope Stuff

Auch hinter den Black Jazz Chronicles verbirgt sich ein nicht ganz unbekannter Produzent. Ashley Beedle ist aber auch unter seinem richtigen Namen schon in Jazz-beeinflussten Genres unterwegs. Für dieses Projekt hat er aber versucht, afrikanische Traditionen mit modernem Jazz zu vermischen, was ihm sehr gut gelungen ist.

Ian O’Brien – Dayride

Ian O’Brien stammt wie Carl Craig auch eher aus der Technoszene, hat aber schon immer einen gewissen Anteil Jazz in seine Musik einfließen lassen und damit einen ganz eigenen Stilmix erschaffen.

Rainer Trüby Trio – Donaueschingen

Rainer Trüby ist im Genre natürlich ein großer Name. Während er sich auch mal für wirklich lahme Fahrstuhlmusik hergibt, stammen aber auch einige wahre Klassiker des Genres wie eben “Donaueschingen” aus seiner Feder.

A Forest Mighty Black – Everything

Bernd Kunz’ A Forest Mighty Black ist ein ganz ähnliches Kaliber wie das Rainer Trüby Trio. Auch von ihm stammen absolute Klassiker, alles würde ich mir aber auch wieder nicht von ihm anhören.

Jazzanova – Coffee Talk

Die schon erwähnten Jazzanova haben auch einen Namen, der bei Genrefans sicher sofort gewisse Stücke im Ohr erklingen lässt. Ihre stilprägenden Songs und Remixe sind immer sehr willkommen.

Akasha – Spanish Fly

Mit einem sehr organischen, drogengeschwängerten Lounge-Jazz wartet das Brightoner Duo Akasha auf und verzückte die Szene in den späten 90ern. Neben einer ungewöhnlichen Coverversion des Guns & Roses-Songs “Sweet Child Of Mine” mit Neneh Cherry am Mikro blieb mir aber vor allem “Spanish Fly” in Erinnerung.

The Mighty Bop – Feeling Good

Wo wir grad schon ein Cover erwähnten, gibt’s jetzt auch gleich mal eins auf die Ohren. “Feeling Good” ist allerdings selbst im Jazz entstanden und somit nicht all zu ungewöhnlich, wird aber von The Mighty Bop hier spannend umgesetzt.

The Clifford Gilberto Rhythm Combination – Ms. Looney’s Last Embrace

Beeinflusst von alten Jazzklassikern, den wilden Breakbeats von Squarepusher und den verrückten Ideen seiner Kollegen vom Ninja Tune-Label veröffentlichte diese One-Man-Band 1998 ihr meines Wissens leider einziges Album und verschwand dann wieder so ziemlich von der Bildfläche. Schade drum!

The Cinematic Orchestra – Diabolus

Dem Cinematic Orchestra ereilte glücklicherweise nicht das selbe Schicksal. J. Swinscoe und seine Mannen wandelten sich im Laufe der Jahre von einem ambitionierten Jazz-Sample-Projekt zu einer mittlerweile hoch angesehenen Liveband, die sowohl in Jazz- als auch Electronic-Kreisen einen kaum wegzudenkenden Namen hat.

Ian Simmonds – Jet

Ian Simmonds kommt stilistisch aus einer ganz ähnlichen Ecke wie J. Swinscoe, gibt aber noch eine Ladung Dub hinein und spielt seinen oft düsteren Jazz größtenteils doch elektronisch ein.

Flanger – Studio Tan

Hinter dem Namen Flanger verbergen sich Uwe Schmidt (aka Atom Heart) und Bernd Friedmann (aka Burnt Friedman), die zusammen eine dubbige, minimalistische Kombination aus experimenteller Elektronik, akustischen Instrumenten und improvisiertem Jazz auf die Beine stellen. Anstrengend, aber lohnend!

Gescom – Keynel 1

Zum Abschluss noch ein Track, der auf den ersten Blick fast gar nichts mehr mit Jazz zu tun hat, aber doch seine Einflüsse daraus zieht. Sean Booth’ Projekt Gescom ist aber generell mit etwa 20 wechselnden Musikern ein Schmelztigel unterschiedlichster Stile.

I smell sex and candy

Marcy Playground

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