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Remembering The 90s
1996

In dieser Reihe möchte ich mal ein wenig mit dem schlechten Ruf der 90er aufräumen. Dabei geht’s mir in erster Linie um die Musik und Filme der einzelnen Jahre, die ich in den Beiträgen genauer beleuchten will. Kommen wir damit nun also zum Jahr…

1996

Weltgeschichtlich gesehen hatte 1996 nicht all zu viel zu bieten. Es war das Jahr des Klonschafs Dolly, der Scheidung von Prinzessin Diana und Prinz Charles und des stark verbreitenden Computervirus “Michelangelo”. Es war aber auch das Jahr, in dem sich Take That auflösten und zumindest für einige Jahre den Boyband-Boom stoppte. Glücklicherweise konnte das Jahr aber auch mit allerlei wirklich guter Musik und einigen wahren Filmklassikern aufwarten!

Musik


[Direktlink zur Grooveshark-Playlist]

Ani DiFranco – Shameless

1996 veröffentlichte Ani DiFranco mit “Dilate” ihr achtes und bisher erfolgreichstes Album. Sowohl die Kritiker als auch die Fans liebten es, was nicht zuletzt auch an so tollen Songs wie “Shameless” liegt.

Tori Amos – Professional Widow

Mit “Boys For Pele” krempelte Tori Amos ihren Sound gehörig um, nachdem sie vorher vor allem für recht leicht bekömmliche Songs bekannt war. “Professional Widow” wurde sogar von Armand Van Helden remixt, was Tori dazu brachte, auf zukünftigen Werken vermehrt auf komplexe Rhythmen wert zu legen. Die Version in der Playlist ist allerdings das Original.

Fiona Apple – Criminal

Die dritte Frau im Bunde war 1996 noch ein totaler Neuling. Ihr Debut “Tidal” sahnte reihenweise tolle Kritiken ab und konnte sich auch in den US-Charts als Ganzes und mit sechs Singles behaupten. “Criminal” sorgte sogar für einen kleinen Skandal, da die damals 19-Jährige in ihrem Video dürftig bekleidet in äußerst lasziven Posen zu sehen war, was in der Prä-Britney-Ära noch nicht alltäglich war.

Nick Cave & The Bad Seeds – Where The Wild Roses Grow (feat. Kylie Minogue)

Nick Cave war nie der typische Charts-Mensch. Seine Musik erreichte eine treue Fangemeinde, blieb dem Mainstream aber generell fern. Mit “Where The Wild Roses Grow” brachte er aber mit Unterstützung von Kylie Minogue einen wunderschönen Song in die Charts, wie sie doch gern öfter dort auftauchen dürften. Vielen wird der Song mittlerweile auf die Nerven gehen, ich mag ihn immer noch.

Modest Mouse – Exit Does Not Exist

Ihr Status als erfolgreichste Indieband lag 1996 noch in weiter Ferne, als sie ihr Debut-Album “This Is A Long Drive For Someone With Nothing To Think About” aufnahmen. Die Zutaten waren aber alle schon da und machen die Scheibe auch heute noch genial.

Eels – My Beloved Monster

Auch die Eels veröffentlichten 1996 ihr Debut “Beautiful Freak”, konnten aber direkt dank des Hits “Novocaine for the Soul” ihren Durchbruch feiern. “My Beloved Monster” kam zu späteren Ehren, als der Song im Film Shrek prominent auftauchte.

Cake – The Distance

Cake lieferten 1996 bereits ihr zweites Album ab und konnten sich damit in den USA sehr gut platzieren. Ihr Cover von “I Will Survive” ist kult und “The Distance” als einer ihrer größten Hits auch ein Dauerohrwurm.

Soul Coughing – Super Bon Bon

Die Band Soul Coughing blieb zu ihrer aktiven Zeit eher ein Insider-Tipp. Ihr zweites Album “Irresistible Bliss” landete immerhin in den unteren Rängen der US-Charts, ihr Song “Super Bon Bon” konnte aber zu einem kleinen Kulthit avancieren.

Beck – Devil’s Haircut

Beck war in den 90ern natürlich einer der angesagtesten Künstler. Als man sich noch nicht so sehr mit seiner Scientology-Mitgliedschaft aufhielt und einfach die tollen Songs hörte, die er auf sein bereits fünftes Werk[1] “Odelay” gepackt hatte.

Aphex Twin – Girl/Boy Song

Aphex Twin war ebenfalls mitte der 90er auf seinem Popularitätshoch, das er trotz sehr experimenteller, verstörender Elektronik dank Videos wie “Come To Daddy” erreichte. Da besagter Kultsong aber von 1997 ist, gibt’s den ebenso tollen “Girl/Boy Song” in der Playlist.

Underworld – Pearl’s Girl

Underworld, in Electronic-Kreisen längst ein Begriff, hatten mitte der 90er ebenso einen unerwarteten Chartsauftritt. Durch den Film Trainspotting erreichte “Born Slippy Nuxx” ziemlich hohe Chartsplatzierungen. Ein Jahr später sollte “Pearl’s Girl” zumindest in Groß Britannien einen weiteren kleinen Erfolg bedeuten.

Squarepusher – Squarepusher Theme

Nach einigen EPs veröffentlichte Tom Jenkinson 1996 sein Debut-Album “Feed Me Weird Things” auf Aphex Twins Rephlex-Label und konnte mit seinem Stil ein eigenes Genre begründen.

DJ Shadow – Stem / Long Stem / Transmission 2

DJ Shadow veröffentlicht nur selten ein Album. Sein im Guinness-Buch als erstes rein aus Samples anderer Songs bestehendes Album gelistetes Debut “Endtroducing…..” von 1996 traf mit seinem cinematischen Instrumental-Hip-Hop den Nerv der Zeit und erreichte überraschend hohe Chartsplatzierungen und fantastische Kritiken. Das an sich recht sperrige Stück “Stem” erreichte in Irland sogar Platz 9 und diente seit seinem Erscheinen in unzähligen Filmen und sonstigen Clips als musikalische Untermalung.

Orbital – The Box (Edit)

Auch Orbital hatten 1996/97 ihre überraschende Chartszeit. Sowohl ihre Version des Titelsongs des Films “The Saint” als auch die Kurzfassung des in der längsten Version fast 30 minütigen “The Box” erreichten hohe Platzierungen. Letzteres heimste sogar einige Preise als herausragendes Instrumentalstück ein.

Red Snapper – Fatboy’s Dust

Red Snapper hatten vor 1996 auch nur drei kleine EPs veröffentlicht, bevor sie auf dem Warp-Label ihre Heimat fanden und ihr noch sehr vom Surf Rock und Dub beeinflusstes Debut “Prince Blimey” veröffentlichten.

dEUS – Theme From Turnpike

Die Belgier von dEUS hatten mit “In a Bar, Under the Sea” immerhin schon ihr zweites Album im Feuer, waren zu Hause aber längst Superstars. So langsam setzten sie sich aber auch international durch, obwohl sie so ungewöhnliche tolle Songs wie “Theme From Turnpike” drauf gepackt hatten.

Squirrel Nut Zippers – Hell

Die in Deutschland leider weiterhin kaum bekannten Squirrel Nut Zippers waren 1996 ebenfalls mit ihrem zweiten Album unterwegs und hatten mit Hell einen großen Hit, der es auch über den Teich geschafft hatte.

Firewater – Bourbon & Division

Firewater hatten Anfangs ein ähnliches Schicksal wie die Zippers, veröffentlichten 1996 aber auch erst ihr Debut “Get Off the Cross, We Need the Wood for the Fire”.

Jon Spencer Blues Explosion – Chicken Dog

Die mittlerweile nur noch unter “Blues Explosion” firmierende Band haute bereits ihr sechstes Album raus, bewegten sich damit aber erstmals weg von den all zu sperrigen Noise-Attacken hin zu ebenso dreckigem, aber eingängigem Schweine-Blues.

Rage Against The Machine – Bulls On Parade

RATM brauchten vier Jahre, um nach dem Debut ihr Zweitwerk “Evil Empire” zu veröffentlichen. Zwar wird das Album gern als ihr schwächstes genannt, hat aber eben so vor genialen Riffs strotzende Songs im Angebot.

Tool – Stinkfist

Tool erlebten mit dem zweiten Album “Ænima” 1996 ihren großen Durchbruch, landeten mit ihrem sperrigen Progressive Metal sogar auf Platz 2 der US-Albumcharts. Für Top-10-Ehren in Deutschland sollte es noch bis zum dritten Werk dauern, aber Songs wie “Stinkfist” bleiben unerreicht.

Film

http://www.youtube.com/view_play_list?p=F9F2C182B0D3D782
[Direktlink zur Youtube-Playlist]

The English Patient (Der englische Patient)

Die melodramatische Literatur-Verfilmung war 1996 natürlich prädestiniert, um ordentlich bei den Oscars abzusahnen und so reichte es dann auch für ganze 9 Auszeichnungen bei 12 Nominierungen. Der Film selbst wird diesen Ehren aber auch gerecht und gehört zum Pflichtprogramm selbst für uns Männer.

Fargo

Der Kultklassiker der Coen-Brüder muss vermutlich auch nicht mehr vorgestellt werden. Auch er wurde für ganze 7 Oscars nominiert, darunter auch die wichtigsten. In vier Kategorien musste er sich dann aber dem englischen Patienten geschlagen geben, einen weiteren gab er an einen anderen Film ab, bekam aber verdient den für die Coens ersten Drehbuch-Oscar sowie den für die beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand).

The Frighteners

Peter Jacksons Mainstream-Horror-Komödie ist ein unterschätztes Kleinod, das man einmal gesehen haben sollte. Immerhin ebnete er ihm auch den Weg auf den Regiestuhl des Mammut-Projekts “Lord Of The Rings”.

From Dusk Till Dawn

Bleiben wir im Horrorfach. Robert Rodriguez’ Roadmovie-turns-Vampirsplatter hat dank vieler denkwürdiger Szenen und der Musik Kultstatus erreicht. Es folgten noch zwei weitere Filme in dem Franchise, über die man aber lieber wissend schweigt.

Mars Attacks!

Tim Burton hatte 1996 auch einen genialen Film in Petto und ließ herrlich überzeichnete Aliens im B-Movie-Stil auf die Erde los. Der vor Stars nur so platzende Streifen wurde zwar von Kritikern eher mittelmäßig bewertet und blieb auch im Kino hinter seinen Erwartungen zurück, ist für mich aber immer noch einer seiner besten Filme.

Trainspotting

Zu guter Letzt kommen wir zu noch einem Kultfilm. Das britische Drogendrama wurde zu einem popkulturellen Phänomen wie kaum ein anderer Film und landete in diversen britischen Listen der besten Filme auf dem ersten Platz.

  1. die meisten halten “Mellow Gold” für das Debut, weil die zwei vorher und ein nachher erschienenes Album nur in Kleinstauflagen erschienen. []

Kommentare

1

Da hat sich wohl ein kleiner Tippfehler eingeschlichen: Der Englische Patient hat neun Oscars bekommen, und ist nicht leer ausgegangen.

geschrieben von Schorsch
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2

@Schorsch: Ah danke – stimmt. Ist korrigiert. Schon blöd, dass die Null direkt neben der Neun ist – zumindest, wenn man wie ich meistens die Ziffernleiste oben und nicht den Nummernblock verwendet! 😉

geschrieben von beetFreeQ
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Every mix tape tells a story. Put them together, and they add up to the story of life.

Rob Sheffield

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