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Love is a Mixtape Teil 2: Die Songs

Every mix tape tells a story. Put them together, and they add up to the story of life.

aus Love is a Mix Tape

Die Vorbereitungen sind getroffen. Das Medium gewählt, ein Thema gefunden, aber die Arbeit am Mixtape beginnt damit erst so richtig. Wie ich schon im vergangenen Teil schrieb, nützt das beste Thema nichts, wenn man nicht auch geeignete Songs dazu findet. Im zweiten Teil dieser kleinen Mixtape-Schule soll es also um die Songs gehen. Die Auswahl und natürlich das Erschaffen eines Flows zwischen den Songs sind die wichtigsten Schritte zu einem wirklich tollen Tape.

Die Auswahl

Es gibt verschiedene Ansätze, wie man zu den richtigen Songs für das Tape kommt. Die einen gehen dabei von Song zu Song vor, wählen die Musik also direkt im Flow aus, die anderen suchen sich erst alle Wunschsongs heraus und kümmern sich erst danach um das Finetuning. Ich gehöre zu letzterer Kategorie. Man kann sich in erstgenannter Variante einfach zu schnell verrennen. Man versucht, einen perfekten Bogen zwischen Songs zu schaffen, um danach zu merken, dass das Tape bereits voll ist, bevor man auch nur annähernd den richtigen Abschluss gefunden hat. Außerdem ist die Gefahr zu groß, wirklich wichtige Songs für das Tape in dem Prozess zu vergessen.

Machen wir uns also lieber erst einmal Gedanken, welche Songs überhaupt drauf sollen. Das können auch gern erst mal zu viele werden. Aussortieren ist später immer noch möglich. Je nach gewähltem Thema fällt es natürlich leichter oder schwerer, die Songs zu finden. Einige hat man sicher direkt vor Augen, andere werden erst beim Stöbern entdeckt. Da ist es natürlich von großem Vorteil, eine gut sortierte und durchsuchbare Musik-Library zu haben. Mein Favorit ist da ja immer noch Foobar 2000, aber das ist jedem selbst überlassen.

Macht nicht den Fehler, einfach nach Schlüsselwörtern wie “Love”, “Party” oder was auch sonst zum Thema passt in Songtitel oder Bandnamen zu suchen und die Songs danach auszuwählen. Das geht in den seltensten Fällen gut. Zwar findet man so vielleicht schnell Songs, die inhaltlich das selbe Thema behandeln, aber je nach Diversität des eigenen Musikgeschmacks wird man am Ende mit einer Masse an musikalisch kaum zusammenpassenden Songs konfrontiert. Es wird eh kaum funktionieren, in einem fließenden Mixtape alle Genres unterzubringen, die man liebt. Mal ganz davon abgesehen, dass man mit reinen Schlüsselwörtern definitiv nicht alle wirklich zum Thema passenden Songs finden wird.

Viel sinnvoller ist da meines Erachtens das Durchstöbern der Musiksammlung nach Genre und/oder Stimmung. Je nach dem wie gut man seine Musik sortiert hat und wie genau man Genres eingrenzt oder gar Mood-Tags vergibt, erleichtert das die Auswahl ungemein, denn Musik aus dem gleichen Genre passt meist schon recht gut zusammen, Songs die die gleiche Stimmung transportieren sowieso. Das soll aber auch nicht heißen, dass man sich auf ein Genre beschränken soll. Es gibt immer wieder genreüberschreitende Songs, die tolle Übergänge ermöglichen, um eine abwechslungsreiche Zusammenstellung zu erreichen.

Wie ihr vermutlich schon merkt, sollte man bei der Auswahl der Songs natürlich auch ein wenig im Hinterkopf haben, wie man sein Tape beginnen, wie man es ausklingen lassen will und natürlich welche Übergänge man schaffen möchte. Das ergibt sich aber oft beim Durchstöbern der Musik von selbst, man muss sich also nicht sorgen, zu viel mit dem Nachdenken und zu wenig mit der eigentlichen Musik beschäftigt zu sein.

Der Flow

Im Idealfall hat man nun nach einer ausgiebigen Suche eine leicht zu hohe Anzahl an Songs für das Mixtape zusammen. Sind es viel zu viele, muss man sich je nach gewähltem Medium (CD, Online-Playlist o.ä.) von einigen trennen. Hier sollte man die Schere aber schlau ansetzen und nicht einfach nur die Songs weglassen, die auf den ersten Blick nicht so gut wie die anderen sind sondern gezielt solche nehmen, die am wenigsten in den Flow des Tapes passen würden.

Um ein Tape zu etwas Besonderem zu machen, muss es zu Beginn das Interesse des Hörers wecken, ihn spätestens nach dem ersten Drittel mitreißen und am Ende mit einem wohligen Gefühl zurück lassen und nicht einfach abrupt enden. Um einen passenden Flow zu erschaffen, legt man das Augenmerk also auf drei wichtige Faktoren: Den Beginn, den würdigen Abschluss und einen dramaturgisch schönen Weg dazwischen.

Der Beginn

Es gibt keine strikten Regeln, wie ein guter Beginn eines Tapes auszusehen hat und das hängt natürlich auch vom gewählten Thema ab, aber es gibt ein paar Denkanstöße, die bei der Wahl helfen. Man sollte auf keinen Fall den besten Song des Tapes an den Anfang stellen, aber es sollte ein besonderes Stück sein, das sofort Interesse weckt. Idealerweise sollte es dabei auch den Charakter eines Intros haben und nicht gleich in die Vollen gehen, bevor der Hörer sich auf das Tape eingelassen hat.

Auf der sicheren Seite ist man da oft mit Songs, die schon auf dem Album, von dem sie stammen, an erster Stellen stehen. Man muss sich auch nicht schämen, ein wirklich nur als Intro gedachtes Stück zu verwenden, wenn es Interesse weckt und passt. Wie gesagt, es gibt keine festen Regeln. Überrascht eure Hörer, denn das weckt das Interesse am Besten!

Das Finale

Für den letzten Song des Tapes gelten gar nicht mal so andere Regeln. Auch hier sollte man nicht unbedingt den besten Song des Tapes setzen sondern die Musik viel mehr ausklingen lassen. Es kann nicht schaden, in der gleichen Stimmung zu Enden wie man begonnen hat. Eine andere Möglichkeit ist es aber auch, mit den letzten Songs eine Art Verlängerung des Höhepunkts zu schaffen und das Tape in einem musikalischen Feuerwerk enden zu lassen.

Ganz lahm sind meines Erachtens da allerdings Songs, die am Ende einfach ausfaden. Das ist nicht wirklich originell und vermiest ein wenig die Stimmung. Setzt lieber ein starkes Ende, eins das vielleicht nach mehr schreit, den Hörer aber begeistert zurück lässt. Oder wählt etwas beruhigendes, um den Hörer das erlebte Tape verdauen zu lassen. Je nach Thema kann aber auch gerade das unerwartete von beiden die richtige Entscheidung sein.

Der Weg

Der Weg, diese beiden Songs zu verbinden, ist idealerweise kein einfaches langsames Steigern, sondern ein kleines Auf und Ab. Der Hörer will unterhalten werden. Nichts wirkt ermüdender, als ein vorhersehbarer gleichmäßiger Anstieg. Der perfekte Flow darf eben nicht zu perfekt sein. Er braucht gerade seine Ecken und Kanten, um interessant zu sein. Überrascht den Hörer nach einigen weichen Übergängen mit einem Stilbruch. Tut dies aber nicht wahllos und oft, sondern gezielt und in Maßen!

Genial ist es auch, nach einem gleichmäßigen Übergang zwischen ähnlichen Songs, ein Stück zu wählen, das zwar ähnlich beginnt, dann aber völlig die Richtung wechselt, und die Möglichkeut bietet, mit einem völlig anderen Stil anzuschließen. Man sollte dabei aber auch immer vor Augen haben, was der anvisierte Hörer selbst mag und ihn nicht mit zu großen Stilwechseln konfrontieren, wenn ihm so etwas nicht liegt. Stellt euch euer Mixtape wie einen Lieblingsfilm vor. Welche Dramaturgie verfolgt dieser? Wo setzt er seinen Höhepunkt, gibt es vielleicht mehrere? Endet der Streifen in einem großen Twist oder gar völlig unerwartet in einem Cliffhanger? Versucht, eine ähnliche Dramaturgie mit euren Songs zu erreichen. Ihr seid der Regisseur!

Wenn alles glatt geht, habt ihr nun nach einer vermutlich langen, aber hoffentlich auch befriedigenden Zusammenstellungsphase alle Songs in einen interessanten Flow gebracht, der möglichst auch die Länge des Mediums gut ausnutzt. Oft ist es aber so, dass gerade ein oder zwei Songs partout nicht in den Flow passen wollen, oder die anvisierte Länge des Tapes knapp überschreiten lassen. Hier müsst ihr stark sein und auch mal einen Song gehen lassen. Es nützt nichts, wenn man einen absolut genialen Song hat, der sich aber absolut nicht in das Tape integrieren will und so am Ende eher in einem schlechten Licht erscheint, weil er eben den Flow bricht. Was zählt, ist das Tape als Ganzes, nicht der Song an sich!

Ausblick

Es war ein schwerer Weg, aber wenn man erst mal seine finale Songzusammenstellung fertig hat, und mit dieser zufrieden ist, darf man sich auf die Schulter klopfen. Ausruhen sollte man sich aber noch nicht, denn – auch wenn das jetzt altmodisch klingt – ist ein Mixtape auch im digitalen Zeitalter nichts ohne ein schönes Cover. Außerdem kann man ein gutes Tape auch noch zu einem genialen machen, wenn man in die Trickkiste greift und beispielsweise DJ-like die Songs ineinander mixt oder sie mit anderen Elementen anreichert. Um diesen Feinschliff soll es in Teil 3 der Reihe gehen. Bis dahin darf man sich aber erst mal zurücklehnen und selbst einige Male seine Playlist anhören. Das ist manchmal der schönste Moment im Entstehungsprozess eines Mixtapes!

Foto: AndYaDontStop unter CC_Lizenz

Kommentare

1

Was ich bei Songs auch noch interessant finde: Die Mischung zwischen bekannten und unbekannten Songs. Sollte die Auswahl mehr dem eigenen Geschmack entsprechen oder dem des Empfängers?

geschrieben von Nummer Neun
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2

Hachja, dass man einen tollen Song “gehen lassen” muss, weil er einfach nicht reinpasst. So ist das manchmal…

geschrieben von juliaL49
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3

@Nummer Neun: Das kommt immer drauf an, wie man bekannt und unbekannt definiert und was man mit dem Tape bezwecken will. Wenn man seinem Hörer damit neue Bands empfehlen will, ist es sicher von Vorteil, wenn dieser die Songs noch nicht kennt.

@juliaL49: Ja, daran merkt man dann auch besonders, wie sehr einem manche Songs ans Herz gewachsen sind und wie viel von einem selbst in so einem Tape steckt!

geschrieben von beetFreeQ
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