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gelesen Matt Ruff - Bad Monkeys

Der schlechte Affe hasst seinen eigenen Geruch![1]

Nachdem sie einen Mann umgebracht hat, sitzt die von einem großen Drogenproblem und einer noch größeren Verhaltensproblem geplagte Jane Charlotte in einer Psychiatrie und breitet einem Arzt ihr Leben aus. Wie sie als Jugendliche bei Verwandten lebt, einem Kindermörder fast das Handwerk legt und später von einer geheimen Organisation rekrutiert wird, um als Killerin schlechte Menschen auszuschalten. Was aber ist Realität und was sind Hinrgespinnste?

Matt Ruff schreibt nicht gerade viel. “Bad Monkeys” war 2008 sein viertes Buch in 20 Jahren. Man merkt dem Werk aber an, dass er gewissenhaft arbeitet, um wirklich etwas tolles zu erschaffen. Der Roman fesselt von der ersten Seite an und kann bis zum Ende einen mitreißenden Lesefluss aufrecht erhalten, wie ich ihn bisher selten erlebt habe. Den größten Teil machen dabei die in Ich-Perspektive geschilderten Rückblenden aus Janes Leben, unterbrochen von einzelnen Szenen aus der Psychiatrie in dritter Person.

Was das Buch so lesenswert macht, ist nicht nur Ruffs fesselnder Stil sondern auch die toll dargestellte Antiheldin, die alles andere als lupenrein ist. Nach und nach werden immer weitere Puzzleteile aufgedeckt, die nicht selten die eigene Vorstellung vom Gesamtbild schwanken lassen, aber auch festigen, bis sich das Blatt auf den letzten paar Seiten dann nochmal in Höchstgeschwindigkeit mehrfach wendet.

Ich hatte allerdings zu keiner Zeit das Gefühl, einen wirklichen Thriller vor mir zu haben. Von der auf dem Cover angepriesenen Mischung aus Matrix und “Silence Of The Lambs” ist bis auf die übersinnlichen Elemente und das Interview-Szenario nicht viel zu merken. Ich würde den Roman eher in die Nähe von Terry Pratchett und Douglas Adams stecken, denn in all der Spannung steckt eine ganze Tonne Humor und Unmengen abstruser Ideen. Da ich aber genau so etwas in einem Buch liebe, kann ich “Bad Monkeys” uneingeschränkt empfehlen!

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Ich habe wie immer die englische Originalfassung gelesen, für die meiner Meinung nach mittlere Sprachkenntnisse vollkommen ausreichen, um fließend voran zu kommen, ohne großartig Wörter nachschlagen zu müssen. Auf Amazon findet man neben der englischen aber natürlich auch eine deutsche Version, für die ich aber keine Garantie auf gute Übersetzung gebe!

  1. Das Zitat ist zwar auf deutsch, stammt aber so aus der englischen Fassung und wird dort als Sprichwort verwendet. []

Kommentare

1

Ich fand das Ende zu abgedreht, wenn ich ehrlich bin. Irgendwie passte das da nicht rein und war in seiner Abgedrehtheit auch so kurz, dass es die Matrix-Vergleiche auf dem Umschlag nicht gerechtfertigt hat.
Ansonsten ein recht kurzweiliges und unterhaltsames Buch, das meine vom Cover und den Zitaten auf der Rückseite geschürten Erwartungen aber nicht ganz erfüllen konnte.

geschrieben von David
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2

Habe das Buch gleich nach Erscheinen gelesen und da gab es noch keine Vergleiche mit Matrix oder sonst was. Mittlerweile habe ich es 3 mal gelesen und mache es immer wieder gerne, da es einfach nur eine starke Geschichte ist. Neben Set This House in Order mein Lieblingsbuch von Ruff. Man munkelt, dass demnächts wieder was neues erscheint. Und es soll auch wieder was abgedrehtes sein.

geschrieben von kamil
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3

Hmmmm. Das Cover ist so toll, aber das Buch war mir einfach viel zu durchschnittlich und ist auch meinen Erwartungen nicht gerecht geworden. Für mich wirkte es an so ziemlich jeder Stelle total erzwungen und gekünstelt. Dabei hatte der ‘Klappentext’ so viel spannenden Inhalt versprochen.

@kamil: 3x??? Das ist das Buch aber echt nicht wert, finde ich.

geschrieben von Kristin
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4

@David: Naja, das ganze Buch war doch schon sehr abgedreht. Zwar hat man am Ende vielleicht eine völlig rationale Erklärung erwartet, aber mich hat das Ende überzeugen können!

@kamil: Ich habe leider noch kein anderes Buch von ihm gelesen. Das werde ich aber sicher nachholen, denn der Junge weiß, wie man einen an den Text fesselt! 😉

@Kristin: Hmm, durchschnittlich und gezwungen fand ich es gar nicht. Ich war grad von den abstrusen Ideen begeistert.

geschrieben von beetFreeQ
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5

Das Buch hab ich im Rahmen eines Seminars vor ca. 2 Jahren gelesen und war von Anfang an begeistert. Ich mochte das Abgedrehte und hab mich zum Glück nicht am Klappentext orientiert, da auch der Dozent meinte, dass die Anmerkungen dort nicht stimmen. Das Buch ist einfach 100% Mindfuck aber auf gute Weise!

geschrieben von Freddi
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6

Das Buch war insgesamt schon in Ordnung und ich glaube, dass es auch als Film noch viel besser funktionieren würde als als Buch. Aber eines muss ich hier jetzt doch noch mal fragen. Freddi, Du und Kamil schreiben “ständig” was von Mindfuck. Wo bitte soll dieses Buch Mindfuck beinhalten? Das Buch ist nett und ab und zu witzig, aber zu 0,00% mindfuckig?!?!

geschrieben von Kristin
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7

@Freddi: Ne, der Klappentext versucht leider echt, den Roman an die falsche Zielgruppe zu verkaufen, wobei da zumindest das Cover der Version, die ich gelesen habe (siehe oben) nicht zum Klappentext passt.

@Kristin: Ja, eine Verfilmung stelle ich mir auch sehr spitze vor, wenn die richtigen Leute dran arbeiten.

Mindfuck würde ich das Buch aber auch nicht nennen. Da sind zwar verrückte Ideen drin, aber noch irgendwo “bodenständig”, finde ich. Ein Mindfuck fängt für mich da an, wo’s wirklich völlig vorstellungssprengend wird. In Bücherform fällt mir da natürlich Chuck Palahniuk ein, der aber auch nur am Mindfuck kratzt. Regisseure wüsste ich da eher. Spike Jonze, David Cronenberg und David Lynch passen da teilweise perfekt rein. Michel Gondry auf eine verspielte Art und Weise auch.

geschrieben von beetFreeQ
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Ane Brun

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