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Rezension The Decemberists - The King Is Dead

I am going to stand my ground
You rise to me and I’ll blow you down

The Decemberists - The King Is DeadWenn eine Band ein episches Konzeptalbum vorlegt, das Höchstwertungen einfährt, muss sie sich gut entscheiden, wie es denn mit dem nächsten Album weitergehen soll. Versucht man, den Vorgänger zu toppen oder nimmt man sich ganz bewusst zurück und bringt ein simpleres Album heraus? Die Decemberists scheinen sich auf den ersten Blick für letzteres entschieden zu haben. Allerdings klingen die Songs weniger nach einer bewussten Reduzierung sondern schlicht, als sei nach dem vergangenen Werk komplett die Luft raus.

“The King Is Dead” lässt namentlich sicher kein Folk-/Country-Album erwarten. Aber genau das schwebte der Band im Sinn, als sie sich zusammen mit Peter Buck (R.E.M.) auf einer einsamen Farm einschlossen und diese Scheibe aufnahmen. Dabei bleibt die Band weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Vo Colin Meloys tollem Songwriting mit seinen düsteren, aber wunderschönen Geschichten ist nicht viel übrig geblieben. Stattdessen werden klischeebeladene Folksongs abgeliefert, die generischer kaum sein könnten und nicht selten auch noch unglücklich R.E.M. nacheifern.

Nur selten blitzt die Schönheit vergangener Decemberists-Tage wieder durch. “Rox In The Box” klingt nach einem ordentlichen Song, wären da nicht auch die abgegriffenen Riffs. “This Is Why We Fight” beginnt auch vielversprechend, versandet dann aber ebenfalls in der Beliebigkeit. Vielleicht habe ich nach “The Hazards Of Love” zu viel erwartet, vielleicht schlägt die Band aber auch nur einen einfacheren Weg ein, denn der Erfolg gibt ihnen Recht, landeten sie mit “The King Is Dead” doch zum ersten Mal in der Bandgeschichte auf der 1 in den US-Albumcharts. Da will ich doch hoffen, dass ihnen das nicht zu Kopf steigt und die Band sich demnächst wieder auf ihre Stärken besinnt.

Rating: ★★★★☆☆☆☆☆☆ 

Simfy | Spotify | Amazon (CD und Download)

Down By The Water

Kommentare

1

Hab ich irgendwie schon erwartet. Das letzte Album hat mir nur noch sehr ansatzweise gefallen, nach Crane Wife war irgendwie schon die Luft raus. Mit Ausnahme einer ihrer besten Songs ‘Record Year For Rainfall’ (auf Always The Bridesmaid). In die neue Platte habe ich eigentlich noch gar nicht richtig reingehört, aber einige Songs haben über Shuffle schon den Weg in mein Ohr gefunden… und klangen EXTREM langweilig.

geschrieben von Kristin
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2

Ich kannte bislang nur das hier angespielte Stück ‘Down By The Water’ und war davon eigentlich recht angetan. Nun bin ich schon leicht geschockt, weil ich mir gar nicht so recht vorstellen mag, dass die Decemberists eine “schlechte” Platte rausbringen.
Werde bei Gelegenheit mal in die Scheibe reinhören.

geschrieben von LemonHead
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3

@Kristin: Also ich war ja noch sehr begeistert vom letzten Album, gerade weil es an sich ihr anspruchsvollstes war. Mit dem neuen unterfordern sie sich aber dermaßen. Das ist echt ein himmelweiter Unterschied zu den alten Sachen. Und langweilig trifft es sehr gut.

@LemonHead: Naja, “Down By The Water” ist auch so mit der “schmissigste” Song auf der Scheibe, geht mir aber auch schon mit der zu eindeutigen R.E.M.-Hommage auf den Senkel. Ich war auch sehr enttäuscht, dass sie so ein für meine Ohren belangloses, lagweiliges Album aufgenommen haben. Allerdings sehen bisher fast alle Reviews, die ich sonst so mitbekommen habe, das anders und loben die Scheibe teils in höchsten Tönen. Am besten einfach selbst ein Bild machen. Ist ja z.B. bei Simfy kostenlos machbar!

geschrieben von beetFreeQ
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4

Danke für den Tipp mit Simfy. Habe ich direkt mal beherzigt. 😉
Generell finde ich das Album gar nicht schlecht und wäre eine FolkIndieNewcomerAwesomeBand plötzlich mit diesem Album aufgetaucht, wäre man vermutlich nicht geneigt, an dieser Platte rumzumäkeln.
The King Is Dead hat einen gewissen “Easy Listening” Faktor, welcher für eine Band wie die Decemberists natürlich mehr schadet als nutzt. Ein Jahrhunderwerk wie den Rake’s Song sucht man auch vergebens. Dennoch hat auch dieses Album so seine Momente. Die ersten beiden Songs produzieren einen wirklich angenehmen Empfang. Doch statt dann richtig loszulegen flacht die Scheibe erstmal ab, um dann mit meinen Favoriten ‘Down By The Water’, ‘June Hymn’ (großartig!), und ‘This Is The Way We Fight’ (was aber schon etwas poppig ist) nochmal aufzutrumpfen.
Vielleicht finde ich die Decemberists subjektiv einfach noch zu geil, aber meine Wertung wäre auf der Freeqskala (!) (0-10) eher so bei 6,5 anzutreffen.

Soviel zu meinem Ersteindruck. 🙂

geschrieben von LemonHead
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I’m travelling the wonderful loneliness of the headphone silence

Ane Brun

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