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Filmkritik Das große Rennen von Belleville

Moi je veux être tordu, triplement tordu
Balancé comme une triplette de Belleville


Als die Eltern des jungen Champion sterben, übernimmt seine Großmutter Madame Souza seine Erziehung. Sie fördert sein Interesse am Radfahren bis er selbst an der Tour De France teilnimmt. Dort warten allerdings mysteriöse schwarze Männer, die ihn zusammen mit zwei anderen Fahrern kidnappen und in die fiktive Stadt Belleville in den USA verschleppen. Madame Souza verfolgt die Kidnapper und lernt dabei die singenden Triplets von Belleville kennen, mit denen zusammen sie einen Plan schmiedet, ihren Enkel zu befreien.

“Das große Rennen von Belleville”[1] ist alles andere als ein herkömmlicher Animationsfilm, wie man ihn aus den USA oder Japan die letzten Jahre zu Hauf bekommt. Inspiration zieht der Streifen aus der Musik der 20er Jahre, den Filmen von Jacques Tati und dem französischen Leben allgemein. Mit dieser Mischung schuf Sylvain Chomet ein völlig eigenständiges, stilistisch geniales Werk, das sich kaum mit anderen Filmen vergleichen lässt.

Gesprochen wird in dem Film so gut wie gar nicht. Die Handlung des Films wird stark durch Mimik und Gestik bestimmt. Dennoch steht dem Soundtrack ein besonderer Status zu. Komponist Benoît Charest zog seine Ideen zur Musik aus seiner Neugierde, ob er es schaffen würde, ein Stück zu schreiben, das nur mit Kühlschrank, Papier und Staubsauger vertont wird.

Diese Idee wirkt sich vor allem bei den namensgebenden Drillingen aus. In den 20ern große Sängerinnen (genial dargestellt durch eine im Stil alter Slapstick-Zeichentricks gehaltene Rückblende zu Beginn des Films), tingeln die exzentrischen, alternden Schwestern nun als Improvisations-Musiker herum. Obwohl ihre Wohnung Unmengen von Instrumenten beherrbergt, nutzen sie nur noch Alltagsgegenstände, um ständig Musik zu machen.

Auch visuell ist der Film ein wahres Fest. Abgesehen von dem tollen Retro-Intro ist der ganze Streifen in einer Mischung aus Zeichnungen und Computer-Animation gehalten, die durch die oft starke Überzeichnung einzelner Charaktere oder Gegenstände einen ganz eigenen Stil entwickelt. Die oft surrealistische, verschrobene Geschichte wird bildgewaltig festgehalten und lässt im Gesamteindruck leicht verschmerzen, dass sie nicht unbedingt den logischsten und spannendsten Verlauf nimmt. Aber darauf kommt es auch gar nicht an, denn der Star des Films ist die Kombination aus Musik und Bild, die den Zuschauer in eine verschobenes Abbild der Realität zieht und zum Entdecken einlädt.

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Der Film auf Amazon

  1. der viel besser passende Originaltitel lautet “Les Triplettes de Belleville” []

Kommentare

1

Jap, jap und nochmals jap!
(Reagiere immer höchst allergisch wenn das jemand in die „ach, französische Filme..“ oder „Kitsch“-Schublade stecken will..) ;)

geschrieben von Uwe
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2

@Uwe: Ja, ich kann solche Vorurteile auch nicht mehr hören. Vor allem wo dieser Film ja nun himmelweit vom Kitsch entfernt ist.

geschrieben von beetFreeQ
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