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Rezension Kaizers Orchestra - Violeta Violeta Vol. 1

Din kjole lukter bensin, mor[1]

Rezension: Kaizers Orchestra - Violeta Violeta Vol. 1Die Kaizers haben sich mit ihrem sechsten Studioalbum[2] ja so einiges vorgenommen. Der erste Teil einer Trilogie mit durchgängiger Story und komplett neuen Charakteren soll es sein und bis Ende 2012 vollendet sein. Die Band selbst nennt die Scheibe ihr bisher bestes Album und auch in Rezensionen wird man schon mit Lobeshymnen überschüttet. Das Konzept scheint also aufzugehen.

So ganz neu ist die Idee der storylastigen Trilogie für die Band an sich nicht, waren doch bereits die ersten drei Alben eine etwas losere Trilogie mit wiederkehrenden Charakteren und zusammenhängenden Geschichten. Diese Theatralik gehört zu der Band wie ihre Eigenart auf dem seltenen norwegischen Bryne-Dialekt zu singen. Wie die riesige über den ganzen Erdball verteilte Fangemeinde beweist, muss man dazu aber nicht erst norwegisch lernen, denn auch ohne Textverständnis bringt die Band ordentlich Spaß.

Beim Hören der Songs auf “Violeta Violeta Vol. 1” mag man ohne Vorwissen aber so gar nicht glauben, dass die erzählte Geschichte um das Mädchen Violeta eine verschrobene Tragödie darstellt, so fröhlich diese oft klingen. Ursprünglich wurde deshalb wohl angekündigt, die Songtexte und weitere Texte im Booklet auf deutsch und englisch zu übersetzen. In der Fassung, die ich hier liegen habe, sind allerdings alle Texte nur auf norwegisch zu lesen. Man wird aber sicher nicht lang warten müssen, bis die offizielle deutsche Fanseite “Save Me Kaizer” die übersetzten Texte vorliegen hat und man auch der Geschichte vollends folgen können wird.

Musikalisch nähert sich die Band einerseits wieder mehr ihren frühen Scheiben an, macht dabei aber dennoch einen gewaltigen Schritt zu neuen Horizonten. Jeder Song des Albums birgt melodische Überraschungen. Wähnt man sich zeitweise in recht bekannten Gefilden, schlägt die Band mitten im Stück einen Haken und holt die verrücktesten Ideen heraus. Wirklich in Schubladen stecken lassen sich hier also nicht mal einzelne Songs.

Der Hörer wird vom Zirkus in die nächste schäbige Kellerbar geschleppt, um auf halber Strecke in eine Verfolgungsjagd zwischen Cowboys und James Bond verwickelt zu werden, dabei ein klassisches Konzert zu durchqueren, um schließlich zu den letzten Takten des Drehorgelspielers am nächtlichen Jahrmarkt anzukommen. Ungewöhnliche Rhythmen treffen auf ebenso unerwartete Instrumente, teilweise wird sogar gerappt, immer aber schwebt die unnachahmliche Seele der Kaizers über der Musik. So schön hat noch keine Band bewiesen, dass man mit auf Hochglanz produzierter Musik so viel Kreativität und Eigenständigkeit transportieren kann.

Ob ich “Violeta Violeta Vol. 1” nun mein liebstes Kaizers-Album nennen würde um damit den ewigen Favoriten “Ompa til du dør” vom Thron zu stoßen, kann ich noch nicht entscheiden. Sicher ist aber, dass dieses Album jetzt schon die leicht durwachsenen Alben 4 und 5 hinter sich lässt und mit jedem Hören weiter wächst.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Anspieltipps: Philemon Arthur & the Dung, Diamant til kull, En for orgelet en for meg, Psycho under min hatt

Das Album erscheint heute[3] auf CD und als Download. Einen Albumstream gibt’s derzeit bei 3voor12

En for Orgelet, en for meg

PS: Glücklicherweise hat die Band nicht den Fehler gemacht, die in verschiedenen Ländern mit hiesigen Gastrappern aufgenommenen Versionen von “En for Orgelet, en for meg” statt der ursprünglichen Fassung auf das Album zu packen, denn die deutsche Variante wurde zusammen mit Prinz Pi aufgenommen und klingt dank dessen Stimme leider echt mal Mist.

  1. Dein Kleid riecht nach Benzin, Mama []
  2. vorausgesetzt man zählt die Odds&Ends-Scheibe “Våre demoner” mit []
  3. Warum fast überall der 31.01.2011 zu lesen ist, kann ich mir nicht erklären. Ich habe das Album bei Amazon vorbestellt und heute bekommen. Auf Lager ist es dort auch. []

Kommentare

1

Sehr schöne Rezension, an die ich grad denken musste wo ich die neu erstandene Platte durchhöre. 🙂

Die beiden vorab veröffentlichten Lieder fand ich nicht so toll, aber einige Lieder des Albums sind durchaus um Längen besser. Ein weiterer Pluspunkt ist das der Sound wieder etwas rauer ist und nicht so furchtbar poliert wie auf Maskineri. Das mit dem Hip Hop hätten sie sich aber sparen können, passt irgendwie überhaupt nicht darein. Geschmackssache…

Aber ich finde auch das an Ompa til du dör nichts rankommt, die rockt immer noch alles was danach kam unter den Tisch. 😉

geschrieben von adastra
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2

@adastra: Mir gefallen die vorab veröffentlichten Songs sehr gut, wobei mit “Hjerteknuser” leider das einzige etwas schmalzige Stück ein Video bekommen hat. Aber das ist wie du schon sagst, halt Geschmackssache. Ich war aber auch skeptisch, als ich hörte, dass in “En for Orgelet, en for meg” gerappt werden soll, was sich dann ja zum Glück zumindest in der Originalversion als wenig und angenehm herausstellte.

Ich finde aber auch, dass die Jungs ihren rauen Klang brauchen, denn der macht die ersten beiden Alben erst so richtig gut!

geschrieben von beetFreeQ
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