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Ein Plädoyer für Punktewertungen, das Ich und den Spaß am Bloggen

Immer mal wieder stößt man als Blogger auf Unverständnis, wenn man in seinen Reviews Punktewertungen verwendet oder gar in der Ich-Form schreibt, wird zerrissen, wenn man in einer Bewertung wirklich eine Meinung einfließen lässt. Gerade Neulinge im Feld der Musik- oder Filmblogs fühlen sich schnell belächelt, wenn sie nicht in einem eloquenten Stil voller Metaphern schreiben oder dem Leser den Service einer Punkteskala geben. Man hat das Gefühl, nicht in einen elitären Kreis der Genreblogger zu gehören. Aber selbst die “Großen” unter den Blogs müssen mit Geflame rechnen, wenn sie mal Dampf ablassen und nicht der Meinung des Feuilletons sind. Aber hey, steckt euch das sonst wo hin! Ein Blog soll in erster Linie eins: Dem Schreibenden Spaß bringen!

Man darf eins nicht vergessen: Wenn man es nicht gerade mit einem “Blog” eines Printmagazins oder einer professionellen Nachrichtenredaktion zu tun hat, ist der Schreiber dahinter mit großer Wahrscheinlichkeit kein Journalist und hat sich, vielleicht bewusst, vielleicht ohne es zu wissen, für eine Veröffentlichungsform entschieden, die eben nicht als objektives Nachrichteninstrument sondern als Meinungsbild gedacht ist. Und sein wir mal ehrlich: Gibt es überhaupt Objektivität beim Bewerten von Musik oder Filmen?

Muss die Kritik eines medialen Kunstwerks immer gleich ein eigenes interpretierbares Kunstwerk für sich sein?

Wenn also klar ist, dass ein Musikblogger seine Meinung darstellt, warum soll er sie nicht auch wie eine solche ausdrücken? Warum sollte er in einer Rezension nicht das böse “ich” benutzen? Immerhin sind es seine Standpunkte, die andere vielleicht ganz anders sehen. Muss die Kritik eines medialen Kunstwerks immer gleich ein eigenes interpretierbares Kunstwerk für sich sein? Hat nicht auch der Leser eigentlich viel mehr davon, wenn er versteht, was der Schreiber meint? Will ein Leser nicht von einem Blogger, auf dessen Geschmack man vertraut, wissen, ob er ein Album nun gut oder schlecht findet, ohne sich durch einen Wust an undurchsichtigen Metaphern zu kämpfen oder das Gefühl zu haben, einer Herdenmeinung aufzusitzen?

Deshalb sage ich Ja zu klaren Bewertungen, zu Meinungen in der Ich-Form, zum Schreiben, wie einem der Schnabel gewachsen ist! Bringt die Blogs zurück zu den Wurzeln, wo man sich noch nicht um hochgestochene Wortwahl und anspruchsvolle Texte geschert hat, sondern einfach nur der Welt zeigen wollte, was man mag und was vielleicht auch nicht! Wer Pseudo-Objektivität und mit Fachwissen umherschmeißende Texte will, bleibt bei den Profis, wer aber ehrliche Meinungen sucht, findet diese vor allem in den kleinen Blogs.

Das soll kein globaler Aufruf sein, seinen Stil über den Haufen zu werfen und zu den Basics zurück zu kehren, wenn man Spaß daran hat, so zu schreiben wie man es tut. Es soll ja in erster Linie darum gehen, zu dem zu stehen, was man schreibt und seine Freude daran zu haben. Auch das hochgestochene, kunstvolle Review hat definitiv seine Daseinsberechtigung, liest sich interessant und bietet seinen Mehrwert. Aber man kann doch einfach auch den Schreibern Respekt zollen, die eben einfach ihre Meinung schreiben, denn diese ist genau so viel wert wie jede andere auch!

Kommentare

1

Wahre Worte! Wahre Worte!

geschrieben von Steve
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2

Toller Artikel, dem ich mich absolut anschließe. Ich bin ja generell ein Fan von Punktwertungen, und wer liest, was auch immer ich schreibe, dem sollte auch klar sein, dass das meine sehr subjektive Meinung ist. Ich bin kein Journalist; bloß jemand mit einem gewissen Mitteilungsbedürfnis, der lediglich manchmal der Meinung ist, die Weisheit für sich gepachtet zu haben. Für mich ist “Ich” jedenfalls gut genug. 😉

geschrieben von Dr. Borstel
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3

Ich seh den Zusammnenhang zwischen ‘Punktebewertung’ und ‘Subjektivismus’ bzw ‘Professionalismus’ nicht, aber stimme dir in großen Teilen zu. Ich mein nur, viele Filmkritiker, die ich schätze, benutzen auch die Form der Punktevergabe, um ihre Meinung – die zwar objektiver, aber zugleich auch subjektiv ist – in dieser Art kurz zu präsentieren.
Ich mag eigentlich diese Form, wo man tausend Metaphern verwendet und höchstgradig prätentiös ist, das hat – in Grenzen – auch manchmal was. Leider bin ich dazu nicht fähig 😀
Aber im großen und ganzen hast du natürlich recht, dass das ganze nie wirklich objektiv sein kann finde ich auch…und Punktewertungen sind super =)

geschrieben von Khitos
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4

Ich hätte nichteinmal daran gedacht, dass jemand soetwas ernsthaft komisch/ungut/whatever finden könnte.

Also ich benutze keine Punktebewertung, weil ich sie persönlich nicht für notwendig erachte, kann aber jeder so machen wie er will.
Die “Ich”-Form finde ich für private Blogs sogar schöner

geschrieben von Zeitzeugin
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5

Man sollte aber halbwegs in der Lage sein, die Punktewertung auch zu begründen. Sonst ist der Wert gleich 0/10.

Gibt es denn einen aktuellen Anlass für dieses Posting?

geschrieben von Nummer Neun
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6

Klasse Beitrag. Meine Meinung ist meine Meinung, und das darf auch jeder wissen. Was nutzt mir denn ein Review, wenn ich darin nicht erfahre, wie der Schreibende denn nun darüber denkt und ob er es empfehlen würde? Zumindest ich lese ein Review ja gerade deswegen. Nun denn, jeder soll schreiben wie er mag, sehe ich auch so.

geschrieben von Fini
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7

Ich schreibe Reviews in der Ich-Form, denn ich schreibe und bewerte Musik und Bands in meinem Blog, daher sollte das auch so rüberkommen.

Ich kann Alben scheisse finden auch wenn sie gerade total angesagt sind, doch will ich auch immer meinen Standpunkt erläutern warum mir dann etwas nicht gefällt.

Klar kann ich irgendwelche Hülsen schreiben über ein Album, doch bringt das mir selber und auch den Leser/innen sicher nichts.

geschrieben von Sebastian
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8

Lassen wir die Kirche mal im Dorf: Selbst in einschlägigen Musikmagazinen wie Intro oder Musikexpress schreiben die professionellen Schreiberlinge nur ihren subjektiven Einfluss nieder. Genau wie Du sagst: kann eine Musikbeschreibung überhaupt objektiv sein? Könnte ich selbst wirklich objektiv über Musik schreiben, wenn ich sie nicht mag? Ja könnte ich. Raus kommen würde aber wahrscheinlich nur ein Haufen gut gemeinter Worte portioniert mit einem Haufen Informationen, hinter dem sich meine Abscheu hoffentlich gut versteckt. Über die Musik hat man vermutlich aber nichts gesagt. Ein Blog sollte jeder so gestalten wie er mag. Wenn ich den Spiegel nicht für ein seriöses Printmagazin halte, lese ich eben den Stern oder die FAZ oder sonst was. Genauso sollte es mit Blogs sein und so handhabe ich es auch. Ich lese und wenns gefällt, lese ich weiter. Wenn ich jemanden doof finde oder keinen Konsenz mit seiner Meinung oder seinem Geschmack finde, fliegt er aus dem Feedreader raus und gut ist. Ich käme aber nie auf die Idee, demjenigen zu sagen, dass er und sein Blog, seine Meinung oder sonst was mir nicht passt. HEUREKA der Ich-Form.

geschrieben von Dany
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9

Schön, dass ihr das generell auch so seht. 🙂

@Khitos: Einen direkten Zusammenhang gibt es auch nicht, aber es sind eben zwei Punkte, die mir schon des öfteren aufgefallen sind. Jetzt nicht speziell bei mir, aber doch hier und da auf verschiedenen Blogs, die ich so lese.

@Zeitzeugin: Doch, gibt’s zur Genüge. Teils wird das damit begründet, dass man den Leser ja dazu bringen will, sich ein eigenes Bild zu machen oder überhauot mehr als nur die Wertung zu lesen, aber ich denke jemand, den das rezensierte interessiert, der liest auch den Text. Und das eigene Bild kann man sich sowieso nur richtig machen, wenn man das Werk selbst kennt. Außerdem will man doch auch wirkliche Meinungen lesen. Für einfache Inhaltszusammenfassungen gibt’s doch eher Wikipedia! 😉

@Nummer Neun: Sicher, die Begründung muss der Text liefern, wobei das ja aber auch immer etwas subjektiv ist. Was mir z.B. im Projekt Hörsturz oft auffällt, ist dass einige oft lobende Worte für einen Song finden, den sie dann z.B. mit 3.5 Punkten bewerten, andere wiederum den Songs 3.5 Punkte geben, die sie nicht schlecht, aber auch nicht herausragend finden. Da muss letztendlich schon Bewertung und Text zusammen gesehen werden, um die wirkliche Meinung zu erkennen.

Einen speziellen Anlass gibt es eigentlich nicht. Ich hatte nur die Idee, weil ich immer mal wieder über sowas stolpere.

@Fini: Genau meine Meinung! Reviews sind dazu da, herauszufinden, was der Schreibende von etwas hält. Inhaltsbeschreibungen und so sind da eher nebensächlich.

@Dany: Stimmt! In den Magazinen sind das auch nur Meinungen, sie sind aber oft so in Worte verpackt, dass sie sich nicht wie eine spezielle Meinung lesen, sondern wie eine mehr oder weniger objektive Bestandsaufnahme. Das kann man sicher so machen, wirkt in meinen Augen aber selten so ehrlich, wie eine klar als Meinung lesbare Rezension.

Deine Handhabe was die Blogauswahl angeht, kann ich nur unterschreiben. Wichtig ist halt auch, dass man immer seine eigene Meinung hat und nicht einfach nur deshalb etwas liest, weil es viele für das tollste halten!

geschrieben von beetFreeQ
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10

Schließe mich, faul wie ich bin, vollinhaltlich dem Borstel an 😉

geschrieben von quadratmeter
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11

@Graval: Sorry hierfür. Hab einen schönen, netten Kommentar gepostet, aber irgendwie hat ein Bug, den ich schon ne Weile aufm PC hab und nicht loskrieg, und der jeweils selbständig Links postet, da noch reingepfuscht. Darf gern gelöscht werden.

geschrieben von Graval
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12

Hmm, klingt ja nach nem ziemlich fiesen Trojaner oder so, wenn der für dich Spam-Kommentare schreibt. Hab’s gelöscht!

geschrieben von beetFreeQ
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13

Spät, aber immerhin: Ich (ja, ganz genau) kann dir da nur zustimmen. Objektive Kritiken sind ja sowas von 2010… 😉

geschrieben von bullion
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14

Schön gesagt! Ich persönlich freue mich jedenfalls immer wenn ich ganz persönliche Reviews zu irgendwas lese, gerne auch mit einigen Randbemerkungen die in einem “normalen” Review nie auftauchen würden.

geschrieben von simone
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15

@bullion: Genau meine Rede! 😉

@simone: Ja, so persönliche Randbemerkungen lese ich auch immer gern in einem Review. Das macht mir dem Text und vor allem den Schreiber dahinter auch gleich sympathischer!

geschrieben von beetFreeQ
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16

Auch wenn es spät kommt. ICH vergebe 10/10 Punkten für diesen Artikel! 😉
Deine Zeilen treffen den Nagel wirklich auf den Kopf. Ob ich jetzt Musik oder Videospiele rezensiere: Jedes mal legt man sich selbst diese moralischen Daumenschrauben an um bloß einen Text zu schreiben der ganz besonders toll ‘rüberkommt (es könnte ja jemand behaupten, dass…).
2011 wird anders. Mehr schreiben, weniger denken! (Nicht falsch verstehen, denken ist toll!)

BooYa! 😀

geschrieben von LemonHead
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17

@LemonHead: Hehe, danke für die Blumen! Intellektuelle Rezensionen sind ja sowas von 2010 😉

geschrieben von beetFreeQ
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Engineering: where the noble, semi-​​skilled laborers execute the vision of those who think and dream. Hello, Oompa Loompas of science!

Sheldon Cooper (Big Bang Theory)

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