Anders als die letzten Ausgaben dreht sich Volume 15 der Reihe Musica Obscura nicht direkt um ein spezielles Thema. Allerdings habe ich mich bei der Zusammenstellung der 10 Songs an der Compilation-Reihe “Dusty Fingers” orientiert. Diese Reihe versammelte in diversen Ausgaben eine große Menge mehr oder weniger obskurer alter Songs zwischen Soul, Pop, Soundtracks und Jazz, die vor allem Samplefreunde ansprechen wird, denn in fast jedem der Stücke wird das geschulte Ohr die eine oder andere Stelle entdecken, die man schon in in gesampleter Form in modernerer Musik gehört hat.
Ich habe mich bis auf eine Ausnahme[1] im Katalog der Compilation-Reihe bedient, daber aber allzu schmalzige Songs ausgelassen und die wirklichen Kleinode herausgepickt. Viel Spaß mit dieser wirklich ungewöhnlichen Auswahl!
http://www.youtube.com/view_play_list?p=4A0FFFA850A437EB
François de Roubaix – Les Caïds
Der begnadete französische Soundtrack-Komponist war bereits zwei Mal zu Gast in der Musica Obscura. Der Film “Les Caïds” (deutscher Titel “Die kleinen Bosse”) entstand 1972 nur wenige Jahre vor seinem Unfalltod und ist ein weiteres Beispiel für seinen tollen sich von seinen Kollegen sehr abhebenden Stil.
Quincy Jones – Snow Creatures
Ein weiterer legendärer Komponist, der sich neben den Soundtracks auch noch in regulärem (zuweilen Fahrstuhl-)Jazz bewegt, ist Quincy Jones. “Snow Creatures” stammt aus dem Soundtrack zum Klassiker “Dollar$” (Der Millionenraub).
Ed Ariete – La Morte Accarezza A Mezzanotte
Über Ed Ariete ist nur sehr wenig herauszubekommen. Es existiert keine Wikipedia-Seite und auch sonst findet man meist nur die Tatsache, dass er für “La Morte Accarezza A Mezzanotte” verantwortlich zeichnet. Der Song selbst stammt aus dem Soundtrack zum unbekannten gleichnamigen italienischen Film von 1971 und könnte der direkte Nachfolger von “Snow Creatures” sein.
The Travellers – Slow Soul
Auch über die Travellers lässt sich nicht viel herausfinden. Dass es sich hier um die kanadische Folkband mit dem Namen handelt, wage ich zu bezweifeln. So bleibt vermutlich nur, sich über den ziemlich bekannt klingenden Song zu freuen.
Serge Gainsbourg – Requiem Pour Un Con[2]
Mit Serge Gainsbourg haben wir es wieder mit einem sehr bekannten Namen zu tun. Der französische Sänger war seiner Zeit weit voraus und gilt mit seinen Songs als wegweisend für die Popmusik jenseits des Mainstream. “Requiem Pour Un Con” ist einer seiner bekanntesten Songs und ich wundere mich, wieso ich ihn nicht schon lange mal auf meinem Blog hatte!
Dorothy Ashby – The Moving Finger
Die Jazz-Harfenistin und Pianistin Dorothy Ashby ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Sie galt ebenso als wegweisende Musikerin, die nicht zu letzt die Harfe als Jazz-Instrument etablierte und auch mit diversen anderen Instrumenten experimentierte, was auch in “The Moving Finger” zu hören ist.
Cos – Postaeolian Train Robbery
Die französischen Prog-Rocker von Cos sind wieder eine sehr obskure Angelegenheit. Ihr sehr rares Debut-Album “Postaeolian Train Robbery” entstand 1974. Viel mehr ist über die Band leider nicht herauszubekommen.
Sloche – Algébrique
Mit den Kollegen von Sloche ist es ganz ähnlich, aber zumindest haben sie einen Wikipedia-Eintrag mit genau einem Satz Inhalt. Daraus erfährt man, dass sie sich nach einem dem franko-kanadischen Wort für nassen Schnee benannten und eine Mischung aus Fusion und Progressive Rock machen. Die Musik hätte aber auch sehr gut in die noch laufende WTF-Runde im Projekt Hörsturz gepasst!
P. Wilsher – Gooseberry Fool
Apropos WTF: Das musikalisierte Stachelbeer-Kompott ist auch so ein Fall von verrückter Musik. Hinzu kommt, dass man über den Urheber mal wieder so rein gar nix an Information findet – eine Spezialität der Dusty Fingers, wie man sieht!
Cozy Powell – Dance With The Devil
Der legendäre britische Drummer Cozy Powell schließt diese Episode Musica Obscura mit dem einzigen Song ab, den ich nicht aus der Dusty Fingers-Reihe entliehen habe. Das Stück, damals sogar chartstürmend in den Top 10 im Königreich und in Deutschland vertreten, ist aber ebenso wie die anderen für seine sampleträchtigen Hooks und vor allem Drumbeats berüchtigt und wurde nicht zuletzt prominent im Film “Hot Fuzz” verwendet.