freeQnet-Logo
freeQnet

Klappe, die neunte
Terry Gilliam

Heute feiert einer der größten Regisseure seinen 70sten Geburtstag. Als er 1940 in Minnesota geboren wurde, war nicht wirklich abzusehen, dass Gilliam mal als einziger Amerikaner zur bekanntesten Comedy-Truppe Groß Britanniens gehören und zudem ein Kult-Regisseur werden sollte. Auch seine schulische Laufbahn mit einem Studium in Politikwissenschaft deutete nicht auf diese Laufbahn hin. Begonnen hatte aber alles, als er 1962 bei dem New Yorker Satire-Magazin HELP! als Zeichner begann und dort John Cleese kennen lernte.

Über Cleese wechselte Gilliam nach Groß Britannien, begann beim BBC und gründete dort mit ihm und den anderen bekannten Mitgliedern Monty Python. Er war schon zu Beginn Regisseur und Autor vieler Sketche und zeichnete auch für die Trick-Animationen der Truppe verantwortlich. Sein Debut als Kino-Regisseur gab er allerdings erst 1975 mit dem Python-Klassiker “Die Ritter der Kokosnuss”. Fälschlicherweise werden ihm oft noch weitere Regie-Arbeiten an Python-Filmen angedichtet, genau wie einige seiner Filme der ganzen Truppe zugeordnet werden. Richtig ist aber, dass Jabberwocky seine erste unabhängige Regie-Arbeit war, während er für die folgenden Python-Filme “Der Sinn des Lebens” und “Das Leben des Brian” nur die Drehbücher schrieb und als Darsteller auftrat.

Sein zweiter großer Solo-Erfolg sollte “Time Bandits” werden, in dem auch wieder einige seiner Komiker-Kollegen auftauchen. Hier konnte Gilliam dank eines ordentlichen Budgets seine Ader zu skurrilen, surrealistischen Welten schon voll ausspielen, was ihm vorher nur in Trickfilmen möglich war. So legte er den Grundstein zu seiner Kult-Satire “Brazil”, einer dystopischen Sci-Fi-Erzählung, die viele Filme beeinflussen sollte.

Mit “König der Fischer”, “12 Monkeys”, “Fear and Loathing in Las Vegas” lieferte Gilliam weitere absolute Klassiker ab, nachdem er mit den floppenden “Abenteuern des Baron Münchhausen” einen Rückschlag einstecken musste. Danach sollte mit dem durch viele unangenehme Zufälle missglückten Versuch, “The Man Who Killed Don Quixote” zu drehen etwas bei ihm wandeln. Seine folgenden Filme wurden von Kritikern und Fans sehr gespalten aufgenommen. Der untypisch mainstreamlastige “Brothers Grimm” wurde größtenteils verrissen, kam aber beim Publikum sehr an, während der im selben Jahr gedrehte, wieder sehr skurrile “Tideland” die Kritiker spaltete und mangels Werbung völlig im Kino unterging.

Seinem bisher letzter Film “Das Kabinett des Doktor Parnassus” erging es auch nicht gerade gut. Als ambitioniertes Werk, in dem auch noch der Tod des Hauptdarstellers Heath Ledger kompensiert werden musste, wurde der Streifen, wie oft für Gilliam, üblich wegen seiner wirren Story verrissen, oft aber auch wegen seiner visuellen Art gelobt und bildet nur eins von vielen Beispielen, warum Gilliam sicher nie der große Mainstream-Liebling sein sondern mehr der Favorit vieler Fans von seltsamen Filmen bleiben wird.

Derzeit widmet Gilliam sich erneut “The Man Who Killed Don Quixote”, welcher zwar sein bekanntestes, aber nicht einziges nie vollendetes Projekt ist. Unter anderem war er ursprünglich für “Harry Potter”, “Der Goldene Kompass”, “A Scanner Darkly” und “Charlie und die Schokoladenfabrik” vorgesehen, was aber meistens dank fehlendem Vertrauen der Produzenten flach fiel. Außerdem wurde ihm bereits in den 80ern die Verfilmung von “Watchmen” angeboten, die er nach Rücksprache mit Alan Moore aber ablehnte. Während diese Projekte wirklich ad Akta gelegt sein sollten, besteht vielleicht aber noch Hoffnung, dass Gilliam irgend wann doch noch seine Verfilmung zu Roman “Good Omens” von Terry Pratchett und Neil Gaiman umsetzen wird.

Im Folgenden habe ich einige Szenen aus seinen Filmen zusammen mit Kurzfilmarbeiten zusammengestellt, um euch einen kleinen Einblick in sein Schaffen zu geben!

http://www.youtube.com/view_play_list?p=D2B99145E6DD42AC

  • The Miracle Of Flight
    Animations-Kurzfilm, den Gilliam 1974 für Monty Python drehte.
  • Die Ritter der Kokosnuss
    Die Begegnung mit dem schwarzen Ritter als eine der vielen denkwürdigen Szenen des Films.
  • Time Bandits
    Das Böse sinniert über Gott und warum er Gott überlegen ist.
  • The Crimson Permanent Assurance[1]
    Ein von Gilliam gedrehter, surrealistischer Kurzfilm, der als Vorfilm zu “Der Sinn des Lebens” gedacht war und insgesamt teurer wurde als der Huptfilm selbst.
  • Brazil
    Szene aus dem Kultfilm, in der Sam Lowry Besuch von Harry Tuttle bekommt.
  • 12 Monkeys[2]
    Cole bekommt von Jeffrey Goines eine Rundtour durch die Nervenheilanstalt.
  • Tideland
    Trailer zu dem Geheimtipp unter den Gilliam-Filmen
  • Das Kabinett des Doktor Parnassus
    Mr. Nick erinnert Parnassus an seine Wette.
  1. in zwei Videos aufgeteilt, da der Film über 17 Minuten dauert. []
  2. Nur als Link, da sich die Szene leider nicht einbetten lässt. []

Kommentare

1

Eine sehr schöne Übersicht bei der man erst sieht, was er für uns, die Fans seltsamer Filme, alles geleistet hat ;)

Brothers Grimm kam bei mir aber nicht gut an, und bei Fear and Loathing wurde mir körperlich unwohl (was auch schon eine gute Leistung für einen Film ist).

geschrieben von ancore
antworten  •  Link
2

@ancore: Ich mochte “Brothers Grimm” ganz gern, auch wenn das sicher alles andere als ein außergewöhnlicher Film war.

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
3

Ich kann kaum glauben das er schon 70 ist. Das heisst wohl, das es nicht mehr allzuviele Filme von ihm geben wird. Hätte er a scanner darkly gemacht, wäre sicher ein bessere Film draus geworden. Im Grunde wäre es toll wenn er mal eine Philip K. Dick Verfilmung machen würde. Das Kabinett des Dr. Parnassus fand ich sehr schön, wesentlich besser als Tideland davor. Und auch überhaupt nicht wirr.

Danke für diesen schönen Tribut an einen der bemerkenswertesten Regisseure der aktuellen Zeit.

geschrieben von ojj
antworten  •  Link
4

@ojj: Ja, ich war auch baff, als ich das Alter mitbekommen hatte. Hoffen wir, dass er uns noch einige Jahre erhalten bleibt und tolle Filme drehen kann!

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
Engineering: where the noble, semi-​​skilled laborers execute the vision of those who think and dream. Hello, Oompa Loompas of science!

Sheldon Cooper (Big Bang Theory)

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de blogoscoop Bloggeramt.de