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Filmkritik
Paprika

Time for the greatest show on earth!


Der Ingenieur Tokita Kōsaku hat ein Gerät erfunden, mit dem man sich in die Träume anderer Menschen einklinken und diese aufzeichnen kann. Obwohl es noch nicht völlig fertiggestellt ist, benutzt die Psychotherapeutin Chiba Atsuko Prototypen bereits unauthorisiert, um Patienten zu helfen und wird im Traum zu ihrem Alter Ego “Paprika”. Als eines der Geräte abhanden kommt und einige ihrer Kollegen durch manipulierte Träume fast in den Selbstmord getrieben werden vermischt sich zusehends Traum und Realität.

Animes verirren sich an sich sehr selten in meinen DVD-Player. Ich kann nicht mal genau sagen, wieso. Vielleicht sind sie mir oft zu überdreht, zu niedlich, zu fremd. Dank Paprika könnte sich das aber langsam ändern. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Yasutaka Tsutsui schafft es, einen Spagat aus ernsthafter Story und bildgewaltigen, vor Fantasie übersprühenden Traumsequenzen zu machen, der an den Bildschirm fesselt.

Satoshi Kon hatte schon 1998 die Idee, den Roman zu verfilmen, bekam aber erst 2004 die Gelegenheit dazu. Zusammen mit dem Animationsstudio Madhouse entwickelte er einen bemerkenswerten visuellen Stil zwischen Zeichnungen, 3D-Animation und eingewobenen Fotos, der angenehm wenig “süß” wirkt, die psychedelischen Traumsequenzen aber angemessen in Szene setzt. Dabei strotzt der Film vor Einflüssen verschiedenster Art, die sich lange nicht nur auf japanische Kultur sondern auch westliche Dinge wie Pinocchio oder Tarzan beziehen. Im Gegenzug dürfte der Film aber auch beispielsweise Christopher Nolans “Inception” mit beeinflusst haben.

Wer sich auf Paprika einlassen will, sollte keine Erwartungen an eine allzu realistische Story haben. Zwar wird eine intelligente Geschichte um Traum und Realität gesponnen, die allerdings kaum Wert auf Logik legt sondern sehr in verrückten, philosophischen Ideen schwelgt. Mit dem Bewusstsein lässt sich der Anime aber als absolut toller Film genießen. Auch die deutsche Synchro, bei japanischen Filmen oft ein schwieriges Unterfangen, ist brauchbar gelungen und in meinen Augen dem Original mit Untertitel vorzuziehen , denn im Bild passiert einfach zu viel um sich auf die Untertitel zu konzentrieren.

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Der Film auf Amazon als DVD / Bluray

Kommentare

1

Ausgezeichnete Wahl! 🙂
Opulente Bildervielfalt, fantastischer Score vom Intro bis zum Ende hin und einfach ein herrlich temporeiches Psychospielchen – ich überlege gerade, was ich dir noch an den Kopf werfen könnte.. “Perfect Blue” z.B. ist von der Geschichte her recht realistisch gehalten aber m.E nicht minder psychisch packend.
Oder aber Metropolis – Robotic Angel, herzlich, futuristisch und in einer sehr schönen Mischung aus düsterer Technikdystopie, kindlichen und künstlichen Perspektiven und ganz viel „Herz“, das wären so die beiden spontanen „Vorschläge“ nebst den üblichen Verdächtigen à la Akira, Ghost in the Shell oder Studio Ghibli

(Strukturell eine kleine Katastrophe, zu lange die Kommentarfelder vernachlässigt.. nene)

geschrieben von Uwe
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2

@Uwe: Am Freitag, als ich Paprika gesehen habe, war auch gleich “Das Schloss im Himmel” mit dran. Wobei ich Paprika um einiges besser fand, was vielleicht auch ein wenig am Alter des Ghibli-Films lag. Aber schlecht war der auch definitiv nicht und ich werde mich sicher weiter mit Animes beschäftigen. Nachschub – ziemlich sicher auch die von dir genannten – werde ich auch sicher von einem Arbeitskollegen bekommen, der mir die anderen beiden nämlich vorgesetzt hat! 😉

geschrieben von beetFreeQ
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3

Vielleicht noch ,,Das Mädchen, das durch die Zeit sprang”, ist auch ein toller Anime.
Und ,,Paprika” sowieso.
Aber ,,Auch die deutsche Synchro, […] ist […] in meinen Augen dem Original mit Untertitel vorzuziehen […]” sollte nicht dort stehen =( So etwas darf man nicht sagen ^^
Aber ,,Paprika” muss ich mir auf jeden Fall nochmal anschauen, alleine wegen der tollen Musik =)

geschrieben von Khitos
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4

@Khitos: Hehe, ja, ich weiß, ist an sich ein Frevel. Aber so ernst nehme ich das mit Originalversionen nicht. Wenn ich die Sprache nicht verstehe, bin ich schon froh, wenn es eine ordentliche Synchro gibt, gerade bei so visuell ansprechenden Filmen wie Paprika. Wenn die Synchro mist ist, dann natürlich lieber Untertitel, wobei die ja leider oft auch nicht wirklich toll sind und zudem bei schnell sprechenden Leuten gern mal gekürzt werden, damit man es auch schafft, alles schnell genug zu lesen. Wenn ich die Sprache verstehe (was leider nur bei Deutsch und Englisch in ausreichendem Maße der Fall ist), wird natürlich wo möglich original geschaut.

geschrieben von beetFreeQ
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Don't mess around with those silly toys.

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