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Album Round-Up
Grinderman, Menomena, PVT, The Books, Tunng, White Denim, Wolf People

Manchmal wundere ich mich ja selbst, wie schnell sich immer wieder tolle neue Alben ansammeln, die eine Rezension wert sind. Da sage nochmal einer, heutzutage gäbe es nur noch schlechte Musik. Dem ist bei weitem nicht so, wie die folgenden sieben, in den letzten Monaten erschienenen Alben beweisen!

Grinderman – Grinderman 2

Was war das doch für eine Überraschung, als Nick Cave 2007 mit seinem Projekt “Grinderman” um die Ecke kam und all die Aggressivität und den Lärm seiner frühen Tage wieder hervorholte. Dieser Überraschungseffekt ist nun mit dem Nachfolger natürlich verschwunden, nicht aber der laute, rohe Stil, den Cave mit seinen drei Mitstreitern an den Tag legt. Ohne Rücksicht auf Verluste wird psychedelisch losgelärmt, böse von Sex und Kritik wimmelnde Texte intoniert und einen Dreck auf Struktur gegeben. Das klappt in den meisten Songs wunderbar und lässt so Perlen wie “Heathen Child” oder “Kitchenette” entstehen. Dagegen versanden Stücke wie “Worm Tamer” oder “What I Know” irgendwo im Lärmbrei. Glücklicherweise ist das die Ausnahme und wenn Cave fast balladesk das überraschend zahme “Palaces Of Montezuma” anstimmt, nimmt man ihm eh nichts mehr übel.

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

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Menomena – Mines

Mit “Friend And Foe” lernte ich Menomena 2007 kennen und lieben, ernannte ihr Album doch als eins meiner liebsten des Jahres. “Mines” brauchte zwar einige Hördurchläufe, gewinnt aber mit jedem Mal an Größe und kann sich mittlerweile in meinem Ohr ebenbürtig neben die Vorgänger stellen. Die Band hat nichts von ihrem Hang zu vor Details wimmelnden Arrangements verloren und präsentiert sich erneut in Höchstform. Komplexität und Eingängigkeit gehen hier Hand in Hand, zwar ohne sich neu zu erfinden, aber wozu auch, wenn die Genialität schon lange ausgefeilt ist?

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

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PVT – Church With No Magic

PVT, ehemals Pivot, mussten ihren Namen aus rechtlichen Gründen ändern und haben gleich ihren Sound umgekrempelt. Waren ihre älteren Veröffentlichungen noch stärker dem Post-Rock zuzuordnen, holen sie auf “Church With No Magic” verstärkt die Synthesizer heraus und fröhnen dem Math-Rock. Aber Labels sind eh Schall und Rauch, wichtig ist doch, was aus den Boxen dröhnt und das kann absolut gefallen. War der Vorgänger noch stark von improvisierten Songs dominiert, arbeitet das Trio hier mit ausgearbeiteten, hoch komplexen Arrangements, die eine epische Klanglandschaft entstehen lassen, wie man sie sich auch in einem Film wie Blade Runner vorstellen könnte. Einfach großartig und eins der Highlights des Jahres bisher!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

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The Books – The Way Out

Lange hat das Folktronica-Duo uns zappeln lassen, nachdem es 2006 erst mal lang tourte und sich ordentlich Zeit für neue Musik nahm. Nun sind sie aber wieder da und schließen nahtlos an der Vorgänger EP “Music for a French Elevator and Other Short Format Oddities by the Books” an. Grob unter dem Thema “New Age” angesiedelt, bediente die Band sich neben den gewohnten Serien und Filmen auch intensiv bei Selbsthilfe- und Hypnotherapie-Kassetten, um ihre Soundcollagen mit obskuren Lyrics zu füttern. Zusammen mit live eingespielten Instrumenten und allerlei Spielereien entstanden Songs fernab normaler Hörgewohnheiten, die aber dennoch wunderbar eingängig und mitreißend sind.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Tunng – …And Then We Saw Land

Seit “…And Then We Saw Land” im März veröffentlicht wurde, sind ja nun doch schon so einige Monate vergangen, aber irgendwie schaffte die Scheibe es bisher erfolgreich sich vor einer Rezension meinerseits zu drücken. Das hat nun ein Ende, denn wenn Tunng eines bei mir nicht zu befürchten hat, sind es schlechte Noten. Wie schon auf den drei Vorgängern schüttelte die Band erneut eine Sammlung wunderbar lockerer Folkperlen aus dem Ärmel, die trotz tonnenweise Experimentierfreude und elektronischer Spielereien eine verblüffende Leichtigkeit an den Tag legen. Tunng bewegen sich in einem ganz eigenen musikalischen Kosmos, der noch viel Raum zu ergründen bietet!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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White Denim – Last Day Of Summer

White Denim - Last Day Of SummerEs passiert auch nicht alle Tage, dass sich eine Band mal eben spontan entscheidet, auf dem Weg zum nächsten “richtigen” Album mal eben kostenlos die dabei angefallenen Sägespäne an ihre Fans zu verteilen. White Denim ist diese Idee aber vor einigen Tagen gekommen und hat ein Paket aus Odds & Ends zusammengeschnürt, um die Wartezeit auf das dritte Album zu versüßen. Überraschenderweise ist dieses Sammelsorium auf der einen Seite sehr homogen und fängt passend zum Titel akustisch die letzte Wärme des gerade vergangenen Sommers ein, offenbart auf der anderen Seite aber allerlei Experimentierfreude auf eine ganz andere Art und Weise wie man sie von den Jungs gewöhnt ist. Spielten sie in ihren laut schrammelnden Garage-Songs seit jeher mit Jazz, Blues, Folk und Psychedelic Rock, brechen Sie diese Einflüsse auf “Last Day Of Summer” in einzelne Songs auf, um stärker mit deren Eigenheiten zu experimentieren. Dabei sind neben überraschend eingängigen, selten schrammelnden Songs auch einige jammende Sessionaufnahmen zu hören, die die Virtuosität der Band unter Beweis stellen. Vermutlich hätten die meisten dieser Songs auf den bisherigen Alben der Band eher wie Fremdkörper gewirkt, kommen hier aber genial zusammen und steigern die Spannung auf das kommende “richtige” Album umso mehr!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Wolf People – Steeple

Schrieb ich vor einigen Wochen noch, dass “Steeple”, das nach einer EP-Sammlung eigentliche Debut der Wolf People, vermutlich vorerst nicht in Deutschland erscheinen wird, ist es nun doch schon morgen so weit. Auf Spotify konnte ich mir aber schon länger ein Bild machen und bin hin und weg. Sicher, mit ihrem schamlos in die 70er zurückversetzten Sound zwischen Psychedelic und Progressive Rock gewinnen die Briten definitiv keinen Innovationspreis. Wer aber so perfekte Songs schreibt, die auch vor 40 Jahren kaum jemand besser hätte auf die Beine stellen können, muss sich garantiert nicht rechtfertigen. Die 70er waren musikalisch einflussreich wie kaum ein anderes Jahrzehnt und sind noch lange nicht tot, solange es Bands wie die Wolf People gibt! Einzig die experimentellen Einschübe der ungeschliffenen EP-Sammlung vermisst man auf dem Album ein wenig, aber auch nur, wenn man nicht gerade ein einen der tollen Songs versunken ist!

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

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Plattenteller

http://www.youtube.com/view_play_list?p=56CA59AE9BBEF55F

  • Grinderman – Heathen Child (durchgeknalltes, offizielles Video, das auf Youtube trotz einiger nackter Tatsachen überraschend unzensiert und somit NSFW ist!)[1]
  • Menomena – TAOS (nur Audio)
  • PVT – Light Up Bright Fires (offizielles Video)
  • The Books – The Story of Hip Hop (nur Audio)
  • Tunng – Hustle (offizielles Video)
  • White Denim – Champ (nur Audio)
  • Wolf People – Tiny Circle (offizielles Video)
  1. Obwohl es laut Youtube einbettbar ist, wird mir das Video nicht in der eingebetteten Playlist angezeigt. Also hab ich’s vorsichtshalber einfach noch mal verlinkt! []

Kommentare

1

So viele Rezensionen auf einmal. Wow.
Also, Grinderman 2 habe ich auch, allerdings noch nicht wirklich gehört.
Alle anderen sind mir unbekannt, aber dank deiner Links werde ich mal reinhören.

geschrieben von endgueltig
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2

@endgueltig: Ach, im Endeffekt ist das sogar zeitsparend, denn einzelne Rezensionen sind ja meistens etwas länger und ausführlicher 😉

geschrieben von beetFreeQ
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1

[…] aber mittlerweile will ich das Album nicht mehr missen und es gehört zu Recht in meine Top 10. meine Rezension | Amazon | Grooveshark | Spotify09 – Jamie Lidell – CompassSoul und Funk sind Genres, […]

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