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Filmkritik
Up In The Air

All the things you probably hate about travelling – the recycled air, the artificial lighting, the digital juice dispensers, the cheap sushi – are warm reminders that I’m home.


Ryan Bingham arbeitet in einem Unternehmen, das sich auf das Entlassen von Mitarbeitern anderer Firmen spezialisiert hat, die sich selbst die Hände nicht schmutzig machen wollen. Daher verbringt er mehr Zeit auf Flughäfen und in der Luft als irgendwo sonst. Allerdings liebt er dieses Leben und hasst es, wenn er längere Zeit zu Hause verbringen muss. Eine junge Kollegin, die solche Kündigungsgespräche kostensenkend per Videoübertragung statt persönlich durchführen will, droht mit diesem Plan sein Leben vollkommen durcheinander zu bringen. Um sie von seiner Arbeit zu überzeugen, nimmt er sie mit auf Tour, allerdings ist es eher sie, die ihn nach und nach zum Umdenken bringt.

Jason Reitman hatte 2007 mit Juno den Überraschungshit schlechthin gelandet, ein Film, der aus dem eher unscheinbaren Indiekino den Mainstream eroberte. Entsprechend groß waren die Erwartungen an den Nachfolger, der zwar mit George Clooney einen weit bekannteren Darsteller in der Hauptrolle bietet, aber insgesamt doch weiter dem Indie-Gedanken folgt. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Walter Kirn (deutscher Titel “Mr. Bingham sammelt Meilen”) drehte Reitman hiermit eine Tragikomödie, die sowohl Traditionen als auch moderne Lebenseinstellungen auf den Kopf stellt.

An Aktualität ist das Thema des Films kaum zu überbieten, dennoch beschäftigen sich nur wenige Filme mit der Art, wie sich das Leben von uns mehr und mehr in Single-Haushalten und auf der Überholspur abspielt, vermutlich weil dies schnell in Lobgesängen auf abgegriffene Klischee-Traditionen enden kann. Völlig frei von Klischees ist auch “Up In The Air” nicht. Omaha als trostlose Heimat des Protagonisten, seine ihm unangenehme, zusammenhaltende Familie oder seine per SMS von ihrem Freund sitzen gelassene junge Kollegin sind zwar nicht unbedingt innovativ, werden allerdings großartig in eine von wunderbaren Ideen wimmelnde Story eingebunden. Der Film kriegt zu jeder Zeit rechtzeitig die Kurve und lässt den Zuschauer mit einem wohligen Gefühl, aber auch viel Nachdenklichkeit zurück.

“Up In The Air” erinnert in vielen Momenten an die Coen-Brüder, was nicht zuletzt deutlich wird, als Sam Elliott als Flugzeug-Capitain eine frappiernd ähnliche Szene zu spielen bekommt, wie er sie schon als Erzähler in “The Big Lebowski” inne hatte. Allerdings kann man Reitman weniger des Plagiats sondern mehr der Hommage schuldig sprechen. Dafür ist sein Werk einfach zu eigenständig und ideenreich. Dass der Film keine einzige der 6 Nominierungen (allesamt in den wichtigsten Kategorien) in einen gewonnenen Oscar verwandeln konnte, ist schade, war aber fast zu erwarten. Damit reiht er sich aber nur in eine gute Gesellschaft großartiger vom Oscar verschmähter Filme ein.

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Der Film auf Amazon: DVD / Blu-ray

http://www.youtube.com/watch?v=e7k6FwXJhNk

Kommentare

1

Punktgenau richtige Bewertung zu einer Rezension, der ich absolut zustimmen kann, abgesehen davon, dass ich ihn besser finde als alles, was ich von den Coens bislang gesehen habe. Endlich mal wieder eine Rolle, in der Mr. Clooney mich rundum überzeugt hat. Mit guten Tragikomödien kriegt man mich sowieso immer.

geschrieben von Dr. Borstel
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2

Ich finde den Film auch großartig und musste mir auch gleich am Tag der Veröffentlichung der DVD eben diese bestellen, weil ich den Film schon im Kino vom Film und von der Musik beeindruckt war.

geschrieben von Postpunk
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3

Mit der Zeit finde ich, dass er immer mehr nachlässt, aber er ist ohne Frage immer noch ein sehr guter Film, kann deiner Rezenzion auf jeden Fall zustimmen ^^

geschrieben von Khitos
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4

@Dr. Borstel: Danke für das Lob! Besser als die Coens würde ich zwar nicht sagen, aber Jason Reitman ist definitiv ein toller Regisseur, von dem wir hoffentlich noch so einiges sehen werden!

@Postpunk: Ich hab’s ja leider erst jetzt geschafft, ihn zu sehen. Aber besser spät als nie!

@Khitos: Kann gut sein, wobei ich nach der ersten Sichtung nicht das Gefühl habe, hier einen dieser Filme vor mir zu haben, die beim zweiten Mal langweiliger werden. Mal abwarten!

geschrieben von beetFreeQ
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