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Naoki Urasawa - Monster

Es war einmal vor langer Zeit ein Monster ohne Namen…

Der japanische Neurochirurg Kenzo Tenma ist ein Meister seines Faches und an der Klinik in Düsseldorf bei allen beliebt. Eines Tages werden die Zwillinge Johann und Anna Riebert eingeliefert, deren Adoptiv-Eltern brutal ermordet wurden. Während Anna einen Schock erlitt, schwebt Johann mit einer Schusswunde im Kopf in Lebensgefahr. Tenma rettet ihm das Leben, muss aber mit ansehen, wie kurz darauf der Klinikchef und einige Kollegen vergiftet werden und die Zwillinge aus dem Krankenhaus fliehen. Viele Jahre später begegnet er den mittlerweile erwachsenen Johann wieder und erkennt, dass dieser ein psychopathischer Serienmörder ist. Er setzt sich zum Ziel, ihn zur Strecke zu bringen!

Es kommt nicht oft vor, dass ausländische Comics Deutschland als Schauplatz haben, wenn nicht gerade stereotypische Nazis als Bösewichte gebraucht werden. Naoki Urasawa machte sich mit dieser Mangaserie daran, dies zu ändern, indem er die Hetzjagd zwischen Arzt und Killer größtenteils in Deutschland und Tschechien spielen lässt. Ich habe noch kein Buch eines ausländischen Autors gelesen, das derart gut recherchiert und detailreich Deutschland wiedergibt, obwohl der Autor das Land nie selbst betreten hat.

Urasawa spinnt eine spannende, definitiv an Erwachsene gerichtete Geschichte, die es über die 18 Bände schafft, dauerhaft auf hohem Niveau zu bleiben. Dabei sind es vor allem die kleinen nebenbei erlebten Geschichten, die oft nicht länger als einen Band andauern, die “Monster” so besonders machen. Die Länge der Serie erlaubt es, viele Nebenfiguren einzuführen, die zum Teil wichtige kleine Puzzleteile auf der Suche nach Johann und das Geheimnis um seine Herkunft und Motive liefern, zum Teil aber auch einfach dazu dienen, den Hauptcharakteren, allen voran Tenma, mehr Profil zu verleihen.

Natürlich kann auch die eigentliche Jagd nach Johann voll überzeugen, nicht nur, weil mehrere Parteien gleichzeitig ein Interesse an dem Mörder haben, sondern auch weil Urasawa es schafft, immer wieder Überraschungen zu liefern, die Dinge in neuem Licht erscheinen lassen. Bis zum letzten Band wird eine Spannung aufgebaut, die selbst das Ende nur schwer wieder abbauen kann. Es fällt schwer, einen angefangenen Band wieder wegzulegen.

Urasawa ist dafür bekannt, detailreich und realistisch zu zeichnen, was “Monster” sehr zu Gute kommt. Die ernsthafte, dramatische Story ist wunderbar stimmig in Bildern festgehalten. Auch die deutsche Übersetzung, die ja gerade in diesem Fall bedingt durch den Schauplatz Deutschland besonders wichtig ist, kann sich sehen lassen, wobei ich dazu sagen muss, dass ich mangels Japanischkenntnissen keinen Vergleich zum Original habe.

Leider sind die Bände der Serie nur noch schwer zu bekommen und werden sogar bei Amazon teils für 80€ als Sammlerstück verkauft. Beim Comichändler des Vertrauens wird aber vielleicht noch was zu machen sein. Ansonsten bliebe noch die englische Variante, die gut zu bekommen ist. Fans von wendungsreichen, intensiven Thrillern ist diese Serie auf alle Fälle definitiv ans Herz gelegt!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Kein Wind bewegt die Stille,
die Luft ist regungslos,
als wenn die Welt an diesem Ort in ihrem Atmen innehält

Kante

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