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Album Round-Up
Bauchklang, Bonaparte, Gogol Bordello, Murder By Death, Rainer von Vielen, Ratatat, Sleepy Sun

Bei mir stapeln sich mal wieder die auf Rezension wartenden Alben. Da ich natürlich ungern welche davon auslassen möchte, aber auch kaum dazu komme, alle in einem eigenen Beitrag abzuhandeln, gibt’s heute mal wieder einen Rutsch Alben in Kurzrezension. Neben einigen wirklichen Perlen ist diesmal auch wieder ein Album einer meiner liebsten Bands dabei, das mich ziemlich enttäuschte.

Bauchklang – Signs

Acapella-Projekte sind ja in den letzten Jahren keine Seltenheit. Allerdings haben nur die wenigsten dem Thema wirklich etwas eigenes hinzuzufügen und klingen zudem nicht cheesy. Bauchklang ist so ein Projekt. Die sechs Österreicher geben sich nicht mit typischem Chorgesang ab, sondern erzeugen mit dem Mund einen Mix aus Hip Hop, Techno und Dub, der es in sich hat. Nachdem sie zuletzt mit einem Live-Album überzeugen konnten, erschien mit Signs nun ihr drittes Studioalbum, das sich nahtlos in die Reihe toller Veröffentlichungen einreihen kann. Der Fokus liegt längst nicht mehr darauf, mit außergewöhnlichen Klangimitationen zu überraschen, sondern einfach gute Songs zu schreiben. Das tut der Band absolut gut!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Das Album auf Amazon | Grooveshark[1]

Bonaparte – My Horse Likes You

Die verrückten multikulturellen Berliner sind wieder da. Nachdem schon das 2008er Debut “Too Much” mit einem eigenständigen, herausragenden Stil und tonnenweise zitierwilligen Lyrics aufwartete, legen sie nun mehr oder weniger nahtlos nach. Der Opener lässt erst mal Verwunderung zurück, hat sich die Band auf dem Debut doch noch nicht so eklektisch barock gezeigt. Der folgende Titelsong zerstreut die Verwunderung aber schnell wieder. Die absolut ohrwurmigen Melodien sind zurück und wurden mit jedem Song noch ein wenig mit anderen Einflüssen angereichert. Das ganze Album strotzt nur so vor Ideen und skurrilen Momenten, die nicht nur den durchgeknallten Lyrics zu verdanken sind. Ganz klarer Kandidat für die etwas verschrobeneren Sommerpartys dieser Welt!

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

Das Album auf Amazon

Gogol Bordello – Trans-Continental Hustle

“Super Taranta”, ihr furioser Vorgänger, liegt mir noch gut im Ohr, hatte ich mich doch zu Lobeshymnen hinreißen lassen. Viel von dieser Energie hat sich die Band aber leider nicht in das aktuellste Werk herüber retten können. Zwar haben sie dem Mix aus Gypsy, Folk und Punk nicht entsagt und routiniert neue Songs in die Welt gesetzt, aber langsam macht sich leider Ermüdung breit. Die zündenden Ideen sind längst verschossen, anstatt wie im Vorgänger noch weitere furiose Einflüsse einzuweben, ersetzt die Band sogar den Punk stellenweise gegen schmalzige Melodien und peinliche Momente auf Gypsy-Kings-Niveau. Schade schade, hatten alle Vorgänger doch massenhaft punkige Ohrwürmer im Angebot. Die lassen sich diesmal leider mit der Lupe suchen. Was bleibt ist nette Hintergrundberieselung, die Kenner der Band kaum noch zum Fußwippen bewegen.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Das Album auf Amazon | Spotify

Murder By Death – Good Morning, Magpie

AUch Murder By Death spielen mit den verschiedensten kulturellen Einflüssen, verbauen diese aber zu einem völlig anderen Stil. Die Band mit den oft morbide, schwarz-humorigen Texten hat auf ihrem aktuellen Album nichts anbrennen lassen und liefert erneut eine Sammlung verschrobener Kleinode ab. Experimente sucht man vergebens, aber die haben die vier Jungs aus Indiana auch gar nicht nötig. Der Fan bekommt genau, was er erwartet: seltsame Geschichten, eingängige Melodien, verspielte Details. Was fehlt, ist ein das Album durchströmendes Konzept, wie es noch einige der Vorgänger hatten, aber das tut dem Hörgenuss keinen Abbruch und macht die Songs auch in Einzelteilen mehr als bekömmlich!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Das Album auf Amazon | Spotify | Grooveshark

Rainer von Vielen – Milch & Honig

Deutsche Musik findet sich ja ziemlich selten in meinem Player wieder. Vermutlich liegt’s daran, dass mich die Texte ungefiltert anspringen und nur selten wirklich überzeugen können. Rainer von Vielen ist da ein ganz anderes Kaliber. Teils kryptisch, teils sehr direkt teilt der Allgäuer singend und rappend der Welt seine Meinung zu Politik, Weltgeschehen und einfach dem Leben mit. Kommt seine Gesangsstimme noch sympathisch brüchig herüber, kann er ansonsten mit einer überraschend vielseitigen Stimme von brummenden Kopfgesängen bis zu überschlagenden Raps überzeugen. Leider kann die musikalische Begleitung da nicht gant mithalten. Zwar kommen treibende Songs wie “Klub Krise” oder das relaxte “Groß und leer” stimmig und ohrwurmig daher, werden aber leider durch einige mit viel zu klischeereichen Melodien und Instrumentierungen versehene Songs durchbrochen. Da ist noch viel drin, aber das Potential ist klar zu erkennen, und wer Sido’s “Mein Block” satirisch als Schuhplattler-Song covert, kann schon mal gar keine schlechte Wertung bekommen!

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Das Album auf Amazon | Spotify

Ratatat – LP4

Wirklich mitreißende, instrumentale Popsongs zu schreiben, ist nicht gerade leicht. Ratatat hat sich dieser Aufgabe nun aber schon zum vierten Mal angenommen und kann erneut vollkommen überzeugen. Ihre durch die sofort wieder erkennbare, synthetische Instrumentierung versehenen Songs schlängeln sich erfolgreich zwischen Bad Ass und Kitsch durch die Weltgeschichte, dass es eine wahre Freude ist. Sie sind mittlerweile so etwas wie das angenehme “Guilty Pleasure” der 00er Jahre geworden, das Jean-Michel Jarre für die 80er darstellte, was sich auch in musikalischen Parallelen ausdrückt. Weitere Einflüsse haben sicher auch Daft Punk geliefert, während sich hier und da auch so einige Bee-Gees-Gedenk-Grooves wiederfinden. Ratatat bewegen sich zielsicher zwischen Retro und Moderne und hätten sicher die Tanzflächen der Diskos der gesamten letzten 40 Jahre gefüllt!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Das Album auf Amazon | Spotify | Grooveshark[2]

Sleepy Sun – Fever

Kommen wir zu guter Letzt noch zu ein wenig gut abgehangener Psychedelik. Sleepy Sun klingen wie eine gefühlte Zeitreise, die den Hörer die drogengeschwängerten Spät-60er wieder erleben lässt. Die Band aus San Francisco bleibt aber nicht zu 100% Retro, sondern mischt Einflüsse aus Psychedelic-, Garage-, Folk- und Progressive Rock gekonnt zusammen und überzeugt mit ausufernden Melodiebögen, sphärischem, oft im Duet vorgetragenem Gesang und treibenden Rhythmen. Woodstock-Puristen und Retro-Verweigerer werden hier zwar nicht glücklich werden, allen anderen empfehle ich aber dringend ein Eintauchen in dieses verschlafene Sonnenfieber!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Das Album auf Amazon | Grooveshark[1]

Plattenteller

Leider müsst ihr diesmal vorerst auf eine Playlist mit Appetizern aus dem Alben verzichten, da Youtube derzeit scheinbar massive Probleme mit Playlists hat und ich die hierfür erstellte nicht angezeigt bekomme. Da die Songs leider auch anderweitig nicht ohne problemlos einzubetten waren, warte ich lieber etwas, bis Youtube wieder richtig funktioniert!Die obligatoriasche Youtube-Playlist mit Hörproben ist jetzt drin!

http://www.youtube.com/view_play_list?p=B5F49701379732EE

  • Bauchklang – Toil In Your Field (featuring Ursula Rocker – nur Audio)
  • Bonaparte – Boycott Everything (nur Audio)
  • Gogol Bordello – Immigraniada (live bei Jools Holland)
  • Murder By Death – You Dont Miss Twice (When Youre Shavin With A Knife) (nur Audio)
  • Rainer von Vielen – Klub Krise (nur Audio)
  • Ratatat – Party With Children (nur Audio)
  • Sleepy Sun – Open Eyes (offizielles Musikvideo)
  1. leider ohne Tracknummern in falscher Reihenfolge [] []
  2. etwas durcheinander, aber besser als nix! []

Kommentare

1

Was Trans-Continental Hustle betrifft, da geb ich dir absolut Recht. Ein einziges Lied hat es (bisher) geschafft, mir halbwegs ins Ohr zu gehen (“My Companjera”) und das war’s. Wirklich schadeschade.

geschrieben von
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