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Remembering The 90s
1993

In dieser Reihe möchte ich mal ein wenig mit dem schlechten Ruf der 90er aufräumen. Dabei geht’s mir in erster Linie um die Musik und Filme der einzelnen Jahre, die ich in den Beiträgen genauer beleuchten will. Kommen wir damit nun also zum Jahr…

1993

Weltgeschichtlich war das Jahr 93 eher unwichtig. Bemerkenswert höchstens der Amtsantritt von Bill Clinton als Präsident und das Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht. Überrascht hat mich, dass erst 93 der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornografie in Deutschland verboten wird. Das hatte ich viel früher erwartet.

Musikalisch ist 1993 dagegen wichtiger. Die elektronische Musik wird immer wichtiger, Punk und Grunge sind salonfähig. Mit Radiohead und Björk betreten Musiker die Bildfläche, die wegweisend für die musikalische Entwicklung der nächsten Jahre werden sollten. Filmisch gesehen war vor allem Johnny Depp allgegenwärtig. Gleich drei großartige Filme aus diesem Jahr haben ihn in der Hauptrolle.

Musik

  • Blur – Sunday Sunday
    Das zweite Album von Blur mit dem Titel “Modern Life Is Rubbish” hatte zwar einige kleinere Hits und durchgehend gute Musik zu bieten, blieb aber immer noch weitgehend unbeachtet. Es sollte noch ein wenig dauern, bis Blur den Durchbruch schaffen.
  • The Flaming Lips – She Don’t Use Jelly
    Die Flaming Lips sind dagegen nie wirklich im Mainstream gelandet, haben aber seit Jahrzehnten eine treue Indie-Fangemeinde. 1993 veröffentlichten sie ihr sechstes Album, das mit “She Don’t Use Jelly” den wohl bekanntesten Song der Band enthält
  • Radiohead – Creep
    1993 konnte noch keiner absehen, wie groß diese Band einmal werden sollte und wie ihr Sound die Musikwelt beeinflussen würde. Immerhin war ihr Debut “Pablo Honey” selbst noch stark vom Grunge beeinflusst und weit entfernt von dem, was die Band später so besonders machte. Dennoch stammt gerade von diesem Debut ihr bekanntester Song “Creep”, von dem die Band selbst sich zwar distanziert, der aber ewig mit ihnen verbunden werden wird.
  • Einstürzende Neubauten – Die Interimsliebenden
    Die Neubauten ließen sich vier Jahre Zeit, ihr Album “Tabula Rasa” zu veröffentlichen. Im Katalog der Industrialband bewegt sich die Scheibe selbst im ordentlichen Mittelfeld, der Song “Die Interimsliebenden” ist aber ganz groß.
  • Tool – Prison Sex
    Mit “Undertow” veröffentlichten Tool nach einer EP ihr Debut-Album. Auch wenn es noch bis zum Durchbruch dauern sollte, war diese Scheibe bereits für den Progressive Metal sehr einflussreich.
  • Nirvana – Heart-Shaped Box
    “In Utero” sollte das letzte Studioalbum der Band werden, bevor Kurt Cobain sich ein Jahr später das Leben nahm. Die Vergötterung der Band durch eine ganze Generation Jugendlicher war längst auf ihrem Höhepunkt und auch dieses Album hatte mehrere riesige Hits in Petto.
  • Die Ärzte – Schrei nach Liebe
    Die Ärzte hatten sich nach einer Auszeit wieder zusammengefunden und brachten mit “Die Bestie in Menschengestalt” ein würdiges Comeback-Album heraus. Die Single “Schrei nach Liebe” wurde in der Folgezeit fast pausenlos heruntergedudelt.
  • Jon Spencer Blues Explosion – Afro
    Nachdem ihr Debut nur in extrem geringer Auflage veröffentlicht wurde und nur wenige Notiz von dieser Band nahm, konnte Jon Spencers Punk-Blues-Trio in “Extra Width” schon eine gar nicht mal kleine Fangemeinde aufbauen, die sich in den folgenden Jahren nur vergrößern sollte.
  • The Breeders – Cannonball
    Mit “Last Splash” markieren die ansonsten nur wenig bekanntenb Breeders ihren Erfolgshöhepunkt. “Cannonball” und das dazugehörige Video von Spike Jonze erreichten durch starke Unterstützung von MTV einen kleinen Kultstatus.
  • Primus – The Air Is Getting Slippery
    “Pork Soda” war bereits das dritte Studio-Album von Primus, die mittlerweile Kultstatus und eine große Fangemeinde inne hatten.
  • Cypress Hill – Insane In The Brain
    Nach dem riesigen Erfolg ihres Debuts konnten Cypress Hill mit “Black Sunday” noch einen draufsetzen. Das Album stellt aber bisher den Höhepunkt ihres Erfolgs dar.
  • The Roots – Good Music
    Die Roots waren 1993 nur als Liveband eine Größe, ihr Debut “Organix” verkauften sie ab 1993 nur auf ihren Konzerten. Die Scheibe zeigt aber schon, wie gut die Band ihre eigene Interpretation von Hip-Hop herüberbringt und bildet das Fundament ihres Erfolgs.
  • Die Fantastischen Vier – Tag am Meer
    Der erste große Hype um deutschen Hip-Hop war bereits verflogen, als die Fanta 4 mit “Die 4. Dimension” um die Ecke kamen. Die Single “Saft” war auch eher spärlich witzig, trotzdem ist das Album für mich ihr bisher bestes mit “Tag am Meer” als Sahnestück.
  • Kruder & Dorfmeister – High Noon
    Kruder & Dorfmeister sind eins dieser Projekte, die ohne je ein Album veröffentlicht zu haben, ganze Stile begründeten und fast jeden ihrer Tracks und Remixe zum Kult werden ließen. “High Noon” stammt von ihrer EP “G-Stoned”, die den Beginn der europäischen Downtempo-Welle auslösen sollte.
  • Underworld – Cowgirl
    1993 waren Underworld noch eher als skurrile Electro-Pop-Band bekannt. Das Album “Dubnobasswithmyheadman”[1] markierte eine völlige Wende hin zum experimentellen Techno. Vor allem durch den Gesang von Karl Hyde erarbeiteten sie sich schnell einen Kultstatus, der 1996 durch den Film Trainspotting bis in den Mainstream reichen sollte.
  • Jamiroquai – When You Gonna Learn
    Und noch ein Debut konnte 1993 verzeichnen. Jamiroquai brachten ihre erste Scheibe heraus und machten Soul und Funk wieder salonfähig. Nach einigen weiteren schicken Alben begann ihr immer gleicher Stil dann aber doch, auf die Nerven zu gehen.
  • Björk – Venus As A Boy
    Björk betitelte ihr Album von 1993 zwar “Debut”, hatte aber schon eine lange Musiklaufbahn mit verschiedenen Bands und sogar einem eigentlichen Debutalbum als 11-jähriges Mädchen hinter sich. Den eigentlichen Durchbruch schaffte sie aber wirklich mit “Debut”, das die Sängerin sofort zu einer der einflussreichsten Elektronik-Künstlerinnen machte.
  • Cassandra Wilson – I Can’t Stand The Rain
    Schon seit den 80ern gehört Cassandra Wilson zu den Größen des modernen Jazz und Blues. Auf ihren 93ern Album “Blue Light ‘Til Dawn”, das fast nur aus Coverversionen besteht, findet sich auch ihre Version von “I Can’t Stand The Rain”, einem der in meinen Augen besten Cover aller Zeiten.

Film

http://www.youtube.com/view_play_list?p=8C85162EA34984CF

  • Arizona Dream
    Kaum bekannt ist Emir Kusturica’s erster amerikanischer Film. Dennoch hat er unter Fans Kultstatus. Die ruhige Komödie mit Johnny Depp, Faye Dunaway und Jerry Lewis steckt voller verrückter Ideen, wie man sie von Kusturica kennt und liebt.
  • Benny & Joon
    Auch in Benny & Joon spielt Johnny Depp eine tragende Rolle. Die Tragikkomödie um die psychisch kranke Joon, ihren Bruder Benny und den ebenso sonderbaren Sam, gespielt von Depp, ist ein wunderbar sensibler Film über psychische Krankheiten und das Leben damit.
  • Groundhog Day (Und täglich grüßt das Murmeltier)
    Von vielen wird diese Komödie mittlerweile gehasst, denn sie wurde vermutlich schon öfter wiederholt, als der von Bill Murray gespielte Hauptcharakter den Murmeltiertag erlebt hat. Für mich ist der Film aber immer mit guten Erinnerungen verbunden und ich finde ihn jedes Mal wieder unschlagbar witzig.
  • The Nightmare Before Christmas
    Warum “The Nightmare Before Christmas” für viele nur ein Weihnachtsfilm ist, werde ich nie verstehen. Für mich könnte man dieses toll morbide-witzige Puppen-Musical zu jeder Jahreszeit schauen.
  • Schindler’s List
    Auch harter Tobak war 1993 im Angebot. Steven Spielbergs preisgekrönte Verfilmung der Geschichte um den Geschäftsmann Schindler, der im Dritten Reich tausende Juden rettete, geht sehr an die Nieren, ist aber ein toller Historienfilm.
  • Swing Kids
    Auch Swing Kids spielt im Deutschland des zweiten Weltkriegs. Swing ist als Negermusik in Deutschland verpönt und verboten. Dennoch organisieren Jugendliche immer wieder illegale Swing-Partys, um ihre Leidenschaft auszuleben und eine Opposition zur Hitlerjugend zu bilden.
  • True Romance
    Quentin Tarantino schrieb, noch vor seinem ersten Film Reservoir Dogs ein Drehbuch namens “Open Road”, aus dem später die Filme “True Romance” und “Natural Born Killers” hervorgehen sollten. Da Tarantino zu der Zeit aber noch keine Referenzen hatte und das Geld brauchte, verkaufte er die Drehbücher zu diesen Filmen und so kam Tony Scott zu einem tarantinoesken Kultfilm.
  • What’s Eating Gilbert Grape (Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa)
    Zu guter letzt macht Gilbert Grape den Johnny-Depp-Hattrick des Jahres 1993 vollständig. Ähnlich wie schon seine beiden anderen Filme aus diesem Jahr handelt es sich um eine ruhige Tragikkomödie, die sich durch wunderbare Bilder und eine gemächliche Story auszeichnet.
  1. ob es nun wirklich im Dezember 1993 oder Januar 1994 herauskam, scheint in der Wikipedia unklar zu sein. Auf meiner CD steht jedenfalls 1993 []

Kommentare

1

Schöne Übersicht. Tolle Musik, tolle Filme. Und alles schön so lange her.

geschrieben von stiller
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2

@stiller: Ja, ich wundere mich auch bei vielen davon, wie alt sie eigentlich schon sind. Wieder andere hätte ich dagegen sogar als älter eingeschätzt – “Groundhog Day” zum Beispiel!

geschrieben von beetFreeQ
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3

Die Ärzte und Cypress Hill sind die einzigen Songs die ich auch heute noch höre.
Und täglich grüßt das Murmeltier und Schindlers Liste…grandios!

geschrieben von Schaps
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4

@Schaps: Du solltest dir die anderen Filme auch mal ansehen – sind wirklich tolle dazwischen!

geschrieben von beetFreeQ
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