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Filmkritik
Shutter Island

Which would be worse, to live as a monster or to die as a good man?

US-Marshall Teddy Daniels wird zusammen mit seinem neuen Kollegen auf eine abgelegene Insel gerufen, die nicht mehr als eine hermetisch abgeriegelte psychiatrische Anstalt für Gewaltverbrecher beherrbergt. Dort soll eine Patientin spurlos verschwunden sein. Während seiner Ermittlungen entdeckt Teddy, dass die Angestellten der Anstalt einiges zu verbergen haben.

Ich bin mit drei Problemen an diesen Film herangegangen: Zum Einen hat Leonardo DiCaprio durch so einige Rollen einen schlechten Stand bei mir, zum Anderen konnte mich Martin Scorsese bisher noch nie restlos begeistern. Vor allem aber war das Ende des Films schon mit dem Trailer für mich offensichtlich. Ich muss aber sagen, dass sich diese Probleme für die 138 Minuten des Films in Luft auflösen konnten.

Das Paar Scorsese/DiCaprio ist ein eingespieltes Team, das merkt man dem Streifen zu jeder Sekunde an. Während der erfahrene Regisseur locker eine perfekt düstere Grundstimmung zwischen Psychothriller und Film Noir aus dem Ärmel schüttelt, spielt DiCaprio einen sehr überzeugenden Marshall, der durch seine Migräne und die Anspannung mehr und mehr zu einem psychischen Wrack wird. Die Story schafft es sogar durch geschickte Kniffe und Details, meine Theorie über das Ende des Films über den Haufen zu werfen und mich am Ende doch nur mit Anstrengung wieder davon zu überzeugen, dass ich Recht hatte, nur um doch noch in einem kleinen Fragezeichen in den Abspann überzugehen.

Visuell und akustisch gehört Shutter Island zu den besten Beispielen, wie man auch ohne überbordende Action die Vorzüge eines Kinosaals voll ausschöpfen kann. Auch wenn der Film nicht mit der typischen Erwartung spielt, dass an jeder Ecke ein Mörder lauert, kann er eine knisternde Spannung aufbauen, die vor allem in einer Szene im Patiententrakt C zur Geltung kommt. In wie weit der Streifen damit seiner Buchvorlage gerecht wird, kann ich leider nicht beurteilen, da ich diese nicht gelesen habe. Vermutlich wird der Film dieser aber sein wasserfestes Grundgerüst verdanken, der die vermeintliche Auflösung des Falls durchweg logisch erscheinen lässt.

Shutter Island ist sicher kein weltbewegender Film, aber doch ein handwerklich und inhaltlich absolut sehenswertes Werk, das selbst einige klischeebelastete Elemente durch den Verlauf der Story wieder rechtfertigen kann. Ich werde mich wohl in Zukunft doch öfter an Scorsese heranwagen und DiCaprio eine Chance geben.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

http://www.youtube.com/watch?v=c4bznTvfP6k

Kommentare

1

10-Sternchen-Skala, wo gibts denn sooo was.. 😉

Ich empfehle dir einfach mal
Taxi Driver – klar, DER Scorsese schlechthin
Raging Bull – Gleich danach
Cape Fear ist auch mehrere Blicke wert
Und auch die letzte Versuchung Christi, Bibelfilm mal irgendwie typisch..aber doch im Handumdrehen anders, teuflisch gut!
Den Rest früher oder später auch mal, Departed fand ich schwächer als das Original, Aviator geht noch, Gangs Of New York halte ich für unterschätzt aber nicht zu seinen Besten zählend
Soviel aus dem Kopf dazu

Ja also ne, wie alle Leute DiCaprio noch immer mit Titanic verbunden haben, faszinierend.. 😉 Dabei ist Titanic ein sehr guter Film, weiß nicht was die Leute haben oder ob das irgendwas beweisen soll wenn man bei der Rotorszene lacht, sei es drum, der konnte schon in jungen Jahren hervorragend Rollen mit Leben füllen, wie z.B.

What’s Eating Gilbert Grape (!!!!!! mit Depp und und und, einfach fantastisch)
The Basketball Diaries sind auch noch schwer in Ordnung
Das Romeo und Julia Remake gefiel mir persönlich auch sehr sehr gut
The Beach irgendwie auch.. ich war jung und beeindruckt
Titanic, sicherlich unnnd der nach Shutter Island frischeste, Revolutionary Road! Drama hoch 10, Glanzleistung mit der Titanic-Gefährtin, das ist Reunion, Drama, Zeitgeistverkörperung und Dilemma in einem und einfach perfekt inszeniert

So, soviel dazu, viel Vergnügen beim Stöbern und Hände weg von den Blutdiamanten und dem Body of Lies. :)

Achja; -2 bis -3 Sterne aber ansonsten d’accord.

geschrieben von Uwe
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2

Dabei ist Scorsese doch ein soooo guter Regisseur! Mein Favorit ist ja “GoodFellas”, doch auch “Shutter Island” ist sicherlich sehr gelungen.

geschrieben von bullion
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3

@Uwe: Oha, danke für die Tipps. An Raging Bull werde ich mich wohl demnächst mal heranwagen, weil ich die DVD vor ner Weile geschenkt bekam.

Die DiCaprio-Abneigung kommt nicht mal nur wegen Titanic. Er hat mir auch in anderen Filmen nicht wirklich gefallen – The Beach oder der Mann mit der eisernen Maske z.B.. Romeo und Julia oder Gilbert Grape mag ich dagegen auch sehr.

@bullion: Ja, sein Können zweifle ich auch nicht an. Ich glaub, es liegt einfach eher an dem Stoff, den er verfilmt. Der typische Thriller-Fan bin ich eigentlich nicht und mit Mafia- oder Boxdramen kann ich z.B. meistens auch nicht viel anfangen. Die meisten seiner Filme haben mich inhaltlich halt nicht so interessiert, auch wenn sie gut gemacht sind.

geschrieben von beetFreeQ
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4

Du solltest definitiv beiden eine Chance geben. DIcaprio hat sich ziemlich gut entwickelt! Der Film ist klasse, keine Frage…mir hat ein Kollege nur schlauerweise das Ende verraten, was mich ziemlich genervt hat. Ich hasse es wenn ich zuviel über nen Film weiß. Deswegen kuck ich auch so wenig Trailer wie nötig…
Das Ende ist wirklich ziemlihc verzwickt, vor allem wenn man davor nichts darüber wusste. Selbst wenn man sicher ist, ist man es trotzdem nicht. DAS ist gutes Kino!

geschrieben von Schaps
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5

@Schaps: Das stimmt wohl. Ich mag es auch, wenn ein Film das Ende indirekt offen lässt. Vor allem bei so einem Verwirrspiel wie in Shutter Island, wo man nicht mehr weiß, was man glauben soll 😉

geschrieben von beetFreeQ
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6

Ich kann Deiner Bewertung voll zustimmen. Die Abneigung gegen DiCaprio kann ich auch nachvollziehen. Die habe ich allerdings mit The Beach teilweise und Blood Diamond komplett abgelegt.

Bei Shutter Island wurde ich sofort davon überzeugt, mich in den Sechzigern zu befinden. Das hatte ich sonst nur bei Zodiac von David Fincher erlebt. Der war aber von der Story erheblich unspannender.

Als sehr störend empfand ich jedoch die häufigen Anschlussfehler beim Perspektivenwechsel. Ganz extrem war das in der Szene, als Jackie Earle Haley durch Gitterstäbe mit Leonardo spricht.

geschrieben von ancore
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7

@ancore: The Beach und Blood Diamond habe ich beide nicht gesehen, weil mich der Inhalt eher nicht so interessierte. Kann daher keine Vergleiche ziehen.

Die Anschlussfehler sind mir gar nicht aufgefallen. Muss ich beim nächsten Schauen mal drauf achten!

geschrieben von beetFreeQ
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