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Filmkritik A Serious Man

When the truth is found to be lies
and all the hope within you dies…

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist Physik-Professor und führt ein auf den ersten Blick normales bürgerliches Leben als Jude in den USA der 60er Jahre. Unter der Fassade gerät sein Leben aber mehr und mehr aus den Fugen. Seine Frau will sich scheiden lassen, seine Tochter klaut ihm Geld für eine Schönheits-OP, sein seltsamer Bruder wohnt monatelang arbeitslos auf seiner Couch. Larry sucht nach Antworten, trifft aber überall auf Unverständnis.

Bisher gaben sich die großen Stars in Filmen der Coen-Brüder die Klinke in die Hand. Für “A Serious Man” verzichteten sie aber auf die Stars und drehten mit weitgehend unbekannten Darstellern[1] eine tiefschwarze Komödie, die der bisher wohl persönlichste Film des Geschwister-Paars ist.

“A Serious Man” ist keine Komödie, in der an jeder Ecke ein riesiger Lacher lauert. Der Humor ist wie auch die sich gemächlich entwickelnde Story generell verhalten und hintergründig. Die Coens machten in gewisser Weise hiermit auch einen Schritt zurück zu ihren filmischen Wurzeln, denn solch kreative Ideen, verschrobene Szenarien und skurrile Sub-Plots hat man in ihren Filmen lange nicht mehr gesehen. Zudem spielt die wunderbar ausgewählte Musik[2] wieder eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick annehmen mag.

Nicht nur die Bedeutung der Musik rückt den Film sehr in die Nähe ihres “O Brother, Where Art Thou?”. Auch die Tatsache, dass die Coens nach der dort neu interpretierten Odysseus-Sage sich diesmal mit der biblischen Person des Hiob in der Gestalt von Larry Gopnik beschäftigen, knüpft die Filme aneinander. Aber auch Verweise zu anderen ihrer Filme lassen sich finden, wie z.B. der, wenn auch völlig anders dargestellte Schauplatz ihrer Heimat Minnesota, in der schon Fargo spielte.

In “A Serious Man” kommen viele Fäden zusammen, was den Film über seine isolierte Wirkung hinaus besonders für Coen-Fans zu einem Fest macht. Aber auch wer bisher keine ihrer Filme gesehen hat, dürfte seinen Spaß an diesem Film haben, vorausgesetzt, er kommt mit dem doch sehr ausgeprägten jüdischen Einschlag und der hintergründig-gemächlichen Story klar. So oder so ist dies die beste Komödie der Coens seit “O Brother, Where Art Thou”!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

http://www.youtube.com/watch?v=tcUTv3LH3ss

  1. der mir einzige wirklich bekannte war Simon Helberg, bekannt als Wolowitz in der Serie “The Big Bang Theory”, der als Junior-Rabbi einen tollen Gastauftritt hat []
  2. insbesondere Jefferson Airplanes “Somebody To Love” kommt größere Bedeutung zu []

Kommentare

1

Wie ist der denn bitte oben an die Tafel rangekommen??

geschrieben von Schaps
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2

@Schaps: Hehe, das hab ich mich auch gefragt, als die Szene im Film kam. Wurde dann aber als Traumsequenz entlarvt!

geschrieben von beetFreeQ
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3

Bester Film in 2010. Ich freue mich jetzt schon auf True Grit, hoffe aber, dass bald auch wieder ‘was eigenes’ von den Coens kommt.

geschrieben von Kristin
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4

@Kristin: Ja, der Film scheint wirklich absolut großartig zu sein, wenn man sich die Reviews so ansieht!

Mal sehen, was sie dann als nächstes angehen. Da gibt’s ja so einige mögliche Projekte, die hier und da mal vermutet wurden. Nach dem großen Box-Office-Erfolg von True Grit (ist ja immerhin ihr bisher bei weitem erfolgreichster Film) sollten sie sich um die Finanzierung vermutlich keine Sorgen machen müssen.

geschrieben von beetFreeQ
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