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Musica Obscura Vol. 11 How Punk Was Born

Als der Punk mitte der 70er entstand, galt er als die skandalöseste Musik, die man so hören konnte. Rohe Riffs, Tabuthemen und die wildesten Klamotten waren den konservativeren Menschen ein Dorn im Auge. Schaut man sich aber mal die Wurzeln dieser Musik an, entdeckt man so einige wahre Musikperlen, die für sich gesehen den Begriff Punk noch lange nicht gerecht wurden und vielleicht sogar diesen konservativen Leuten gefallen hätten, aber ein wichtiges Puzzlestück zum Entstehen eines großen Genres darstellen.

Heute fasst man dies alles als Proto-Punk zusammen. Damals waren es die verschiedensten unzusammenhängenden Strömungen, die alle einen bestimmten Teil dazu beitrugen, dass sich der Punk entwickeln konnte und ihn zu einem Stil machten, der die Jahrzehnte bis heute überstand!

MC5 – Rocket Reducer No. 62 (Rama Lama Fa Fa Fa)

“Kick Out The Jams”, der sicher bekannteste Song dieses Prototypen einer Punkband wurde zu einer Hymne. Gerade auf ihrem bei einem Live-Konzert aufgenommenem, gleichnamigen Debut-Album sind aber noch so einige weitere geniale Songs drauf, die dem Punk schon 1969 viel vorwegnahmen.

Television – Friction

Television war vielleicht die erste Punkband und baute die Bühne am Geburtsort des Punk, dem CBGB eigenhändig auf und starteten den Hype noch bevor der Begriff Punk überhaupt ins Spiel kam.

Pere Ubu – Heart Of Darkness

Ein wichtiges Standbein der aufstrebenden Punkbewegung war die Band Pere Ubu, die während ihres Bestehens ständige Personal- und damit auch Stilwechsel durchmachte und letztendlich nur durch Sänger David Thomas definiert wurde.

Suicide – Speed Queen

Stilistisch sind Suicide wohl noch an weitesten vom eigentlichen Punk entfernt. Die ebenso als Vorreiter für experimentelle elektronische Musik geltende Band zählt aber vor allem wegen ihrer non-konformen Art zum Proto-Punk.

Roxy Music – In Every Dream Home A Heartache

Die Band um Bryan Ferry war vor allem im Glam- und Artrock zuhause, brachte sich aber in den frühen Siebzigern stilistisch auch durch ihren rohen Klang in die Entstehung des Punk ein, auch wenn dieser mit Glam an sich kaum noch etwas zu tun hatte.

Captain Beefheart – Abba Zaba

Captain Beefheart und seine Magical Band standen lange im Schatten von Frank Zappa, zeichneten sich aber durch einen roheren Sound aus, der hauptsächlich in den psychedelischen Gefilden des Garage Rock zu hause war. Sie beeinflussten vor allem die avantgardistische Schiene des Punk sowie den Quasi-Nachfolger Post-Punk.

New York Dolls – Stranded In The Jungle

Mit diesem Song bilden die New York Dolls wohl die beste Brücke von Captain Beefheart zum Punk. Mit ihrem Stil beeinflussten sie nicht nur den Punk maßgeblich sondern waren auch eine der sehr frühen Vorreiter des Heavy Metal, wenngleich man das heutzutage als viel gewöhnter Mensch anhand der vergleichsweise zahmen Musik kaum glauben mag.

The Stooges – Penetration

Iggy Pop ist so eine Rock-Ikone, der man fast alles abnimmt. Während er heute auch mal mit dem Jazz und Chanson liebäugelt, setzte er in den frühen 70ern mit seinen Stooges alles daran, Punk-Blaupausen zu entwickeln.

Richard Hell & The Voidoids – Blank Generation

Richard Hell machte sich bereits mit Television und Johnny Thunders & The Heartbreakers daran, den Punk in den USA zu begründen. Seine größten Erfolge hatte er aber mit den Voidoids. Mit “Blank Generation” und seinem Außenseiter-Look prägte er vor allem den kurze Zeit später auch in Großbritannien aufkommenden Punk und damit vor allem das Bild des Punks, wie man ihn sich typischerweise vorstellt.

Johnny Thunders & The Heartbreakers – Born To Lose

Johnny Thunders war auch eine große Ikone des Punk und beeinflusste viele Bands, die ihn zum Teil auch in mehreren Songs erwähnten, wie z.B. Guns & Roses, The Clash oder auch die Toten Hosen. Mit ihnen zusammen nahm er kurz vor seinem Drogentod 1991 eine Neuauflage von “Born To Lose” auf. Die Version in meiner Playlist ist aber das Original.

Jonathan Richman & The Modern Lovers – Roadrunner

Jonathan Richman hat es sich in den verschiedensten Genres gemütlich gemacht. Von Garage Rock über Country zu Indie-Rock hat er es sogar zu einem spanisch sprachigen Album gebracht. Sein Debut-Album war aber auch mit Songs wie “Roadrunner” wegweisend für den frühen Punk. Mit dem stilistisch wieder ganz anderen Instrumentalstück “Egyptian Reggae” hatte er allerdings kurz darauf seinen größten Hit.

The Sonics – The Witch

Spricht man vom Proto-Punk, darf man natürlich auch den Garage Rock der 60er nicht als Einfluss vergessen. Vor allem die Sonics waren durch ihren auf’s wesentliche reduzierten, schrammelnden Rock & Roll mit einem markant schreiendem Sänger stilprägend und werden von vielen heute als die vielleicht erste wirkliche Punkband angesehen.

13th Floor Elevators – Slip Inside This House

Die 13th Floor Elevators, die in ihrem Bandnamen direkte Marihuana-Erfahrungen einfließen ließen, waren die erste Band, die direkt den Begriff Psychedelic Rock mit ihrer Musik in Verbindung brachten. Da sie aber auch stark im Garage Rock verwurzelt waren, kann man sie als frühe Verwurzelung zwischen den eigentlichen Rivalen der Hippie- und Punkbewegungen sehen.

The Velvet Underground – Venus In Furs

Auch Lou Reeds Kultband Velvet Underground ist im Endeffekt eine Verbindung zwischen Hippies und Punks. Ihre Musik nimmt große Einflüsse als dem psychedelischen Rock der Hippiebewegung mit, setzt ihn aber durch starke Feedback- und Noise-Attacken vom ursprünglichen Umfeld ab. In Kombination mit Lou Reeds von der sozialen Unterschicht erzählenden, Tabuthemen aufgreifenden, völlig unkonventionellen Texten bildete sich ein Stil, der auch den Punk stark mit beeinflussen sollte.

Kommentare

1

johnny thunders´ “born to loose” ist hammer geil – defitniv eine hymne des punks!

geschrieben von tobi
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2

Proto-Punk? Mit dem Begriff kann ich mich so gar nicht anfreunden, auch wenn die von Dir genannten Bands einige Einflüsse späterer Punk-Bands darstellen. Prinzipiell müsste es ja dann von jeder Musikrichtung einen Proto- ebenso wie eine Post- Variante geben. Der eigentlich Punk entstand doch daraus, das man seine musikalischen Einflüsse in etwas neues, energiegeladenes und kontroverses komprimierte. Punk entstand ebenso langsam wie viele andere Musikrichtungen bis etwa Ende der 80er, danach wurde alles schneller.

Wie auch immer, das ist nur meine Meinung. Auf jeden Fall eine schöne Zusammenstellung namhafter Einflüsse späterer Bands. Lediglich David Bowie hätte ich mir noch gewünscht, der hat viele Musiker seiner Zeit beeinflusst obwohl er nie wirklich auf den Punk-Zug aufgesprungen ist.

geschrieben von Robert
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3

@tobi: Japp, auch wenn der Sänger an sich außerhalb des Genres kaum bekannt ist.

@Robert: Ich bin ja sonst auch nicht so dafür zu haben, alles in einzelne Schubladen stecken zu müssen, aber der Oberbegriff bot sich ganz gut für die Zusammenfassung der einzelnen Bands an.

Ich war sogar kurz davor, David Bowie mit einzubauen, hab dann aber den Anzahl der Songs wegen doch noch drauf verzichtet.

geschrieben von beetFreeQ
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