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Filmkritik: Synecdoche, New York

The end is built into the beginning.

Synecdoche

Lang hat es gedauert, bis “Synecdoche, New York” es endlich nach Deutschland geschafft hat. Während der Film in schon im Mai 2008 in Cannes seine Uraufführung hatte, war lange Zeit nichts zu einem deutschen Veröffentlichungstermin zu hören. Mit knappen 3 Millionen Dollar am Box Office blieb der Streifen im US-Kino auch hinter den Erwartungen zurück und man entschied sich schlußendlich dazu, den Film in Deutschland nur auf DVD/Bluray zu veröffentlichen. Ende November war es dann auch endlich soweit.

Nachdem ich den Film nun kenne, kann ich gut verstehen, dass er beim Massenpublikum floppte. Das ist aber in diesem Fall alles andere als ein schlechtes Zeichen!

Theaterdirektor Caden Cotard lebt zusammen mit Frau und Kind in New York. Eines Tages erfährt er durch ein Augenleiden, dass seine Nerven verrückt spielen und nach und nach den Geist aufgeben. Als auch noch seine Frau zusammen mit der gemeinsamen Tochter nach Berlin geht, um dort in einer Künstlerkommune zu leben, bricht für Caden die halbe Welt zusammen. Um seinen Halt im Leben zu bewahren, plant er ein riesiges Theaterstück, für das er in einer riesigen Halle einen Teil New Yorks nachbauen und Darsteller dort sein Leben spielen lässt.

Wer Charlie Kaufman’s Regie-Debut in den Player schiebt und sich auf eine etwas verschrobene, aber gut konsumierbare Komödie freut, hat sich den falschen Film ausgesucht. “Synecdoche, New York” hat zwar seine absolut witzigen Seiten und an Verschrobenheit nimmt er es auch locker mit sämtlichen bisherigen Filmen auf, für die Kaufman das Drehbuch schrieb, aber leicht konsumierbar geht anders!

Der Streifen ist nachdenklich, an vielen Stellen aberwitzig innovativ, oft überzeichnet absurd und ungeheuer zynisch. Philip Seymour Hoffman hält hier als grandiose Hauptfigur eine Story zusammen, die schwer zu verstehen ist, aber vielleicht auch gar nicht verstanden werden will. Vermutlich wird jeder Zuschauer sich sein eigenes Bild machen, seine eigene Vorstellung von dem haben, was Kaufman ausdrücken wollte. Es ist allerdings nicht so, dass der Film zusammenhanglos und wirr vor sich hin läuft. Die Geschichte schlägt zwar ihre Haken, der Zuschauer fühlt sich aber nie verloren.

Kaufman feuert hier eine Masse an tollen Ideen ab, die andere Filmemacher ein ganzes Leben lang nicht zusammen bekommen. Aber anstatt wie ein Flickwerk auszusehen fügen sich diese Details wunderbar in die Handlung ein. Der Begriff Synekdoche wird wörtlich genommen, oft aber auch durch Metaphern angereichert, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren. Es ist aber fast unmöglich, den Film bei der ersten Sichtung in seiner vollen Wirkung zu überblicken. Ein wiederholter Druck auf die Play-Taste ist absolut angeraten und wird durch immer neue Entdeckungen belohnt.

Man muss sich auf komplexe Kost einstellen, wenn man “Synecdoche, New York” ansehen will. Der Film eignet sich nicht für die Nebenbei-Berieselung, den entspannenden Feierabend. Man muss allerdings auch keine Avantgarde-Kost im Stile von David Lynch erwarten. Charlie Kaufman schafft es, den Mittelweg perfekt durchzuhalten und beschert dem aufmerksamen Zuschauer ein wunderbares Werk, das die Gedanken anzuregen vermag, wie kaum ein anderer Film in den letzten Jahren!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Trailer

http://www.youtube.com/watch?v=3hlMGiUhmwI

Kommentare

1

unfassbarer film!

geschrieben von matze
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Kein Wind bewegt die Stille,
die Luft ist regungslos,
als wenn die Welt an diesem Ort in ihrem Atmen innehält

Kante

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