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Remembering The 90s: 1991

Vor mittlerweile mehr als einem Monat startete ich die 10teilige Reihe “Remembering The 90s” mit dem Jahr 1990 und hab sie seitdem völlig links liegen lassen. Grund genug, das ein einem so verschneiten Tag mal zu ändern!

In dieser Reihe möchte ich mal ein wenig mit dem schlechten Ruf der 90er aufräumen. Dabei geht’s mir in erster Linie um die Musik und Filme der einzelnen Jahre, die ich in den Beiträgen genauer beleuchten will. Kommen wir damit nun also zum Jahr…

1991

Überschattet vom ersten Golfkrieg, den George Bush Senior damals vom Zaun brach, und dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion hat sich in diesem Jahr aber auch musikalisch und filmisch einiges getan. Für meinen Geschmack war viel zu holen, was auch mit daran liegen mag, das ich erste Begegnungen mit der modernen Chartsmusik machte und heute noch mit nostalgischen Erinnerungen in einigen Songs schwelge, die mir noch nicht peinlich wurden.

An schlechten Vorbildern gab es damals vor allem Roxette, den Beginn der Chartstechno-Ära sowie Mr. Big, denen die Mädels reihenweise hinterherschmachteten. Aber auch gute Musik war damals zum Glück zu hauf zu finden!

Musik

  • EMF – Unbelievable
    EMF waren damals der heiße Scheiß. Ihr mit elektronischen Rhythmen unterlegter Rock traf den Nerv der Massen und kann sich auch heute noch hören lassen, wenn man mal über den mittlerweile extremst abgenudelten Drumloop hinweg sieht.
  • Blur – There’s No Other Way
    Leisure war das Debut-Album von Blur und wie man in “There’s No Other Way” hört, machten auch sie gern Gebrauch von den damals so hippen Drumsamples. Für einen großen Erfolg sollte es mit dem ersten Album noch nicht reichen, das Potential zeigten sie aber schon!
  • Spin Doctors – Two Princes
    Die Spin Doctors machten sich ihre hyperhentilierenden Drums lieber selbst und lieferten mit Two Princes einen riesigen Hit ab. Leider sollte das ihr einziger bleiben. Die Band existiert zwar noch heute, konnte sich aber nicht wieder in den Charts behaupten.
  • Red Hot Chili Peppers – Give It Away
    Mit dem fünften Studioalbum “Blood Sugar Sex Magik” waren die Chili Peppers auf der Höhe ihres Schaffens angelangt. Nicht nur durch skurille Liveauftritte auf denen sie nicht mehr als eine einzelne Socke über ihrem besten Stück trugen fielen sie auf, auch schafften es diverse Songs in die Charts. “Give It Away” ist und bleibt dabei mein absoluter Favorit der Band!
  • Mr. Bungle – Squeeze Me Macaroni
    Nach diversen nur in kleinen Auflagen auf Tape erschienenen Demos veröffentlichten die Avantgarde-Rocker 1991 ihr erstes richtiges Album. Für mich war das damals noch nix, mittlerweile liebe ich diese Band aber wie blöde.
  • Primus – Tommy The Cat[1]
    Primus waren in den 90ern am aktivsten, weshalb sie uns hier schon wieder mit einem – von vielen Fans als ihr bestes bezeichneten – Album. “Sailing The Seas Of Cheese” strotzt nur so vor durchgeknallten, knochentrockenen Riffs, verrückten Texten und der allgemeinen Verschrobenheit der Band. Mein liebster Song der Band ist die Album-Version von “Tommy The Cat” mit Tom Waits als Tommy!
  • Pixies – Alec Eiffel
    Für die Pixies sollte 1991 vorerst das letzte Jahr der Bandgeschichte werden. Nach dem Erscheinen von von “Trompe de Monde” löste sich die Band erstmal auf. Zwar sind sie mittlerweile wieder zusammen unterwegs, auf ein neues Studioalbum muss man dennoch warten.
  • Nirvana – In Bloom
    1991 war auch das Jahr für Nirvana. Ihr zweites Album “Nevermind” schlug ein wie eine Bombe und sorgte dafür, dass die Grunge-Bewegung so richtig in Fahrt kam. Mehrere Hits stürmten die Charts, darunter “Smells Like Teen Spirit” und “In Bloom”. Heute wäre das für eine reine Gitarrenband, die sich wenig um Konventionen schert, fast ein Wunder, wenn man sich die heutigen Charts so ansieht.
  • Metallica – Enter Sandman
    Ob nun “Master Of Puppets” von 1986 oder “Metallica” von 1991 das beste Album der Band ist, gilt bei Fans als umstritten. Unstrittig ist hingegen, dass sie auf dem 91er Werk gleich mehrere ihrer bisher größten Hits veröffentlichten und damit ihren kommerziellen Erfolg in astronomische Höhen katapultierten.
  • Guns N’ Roses – Knockin’ On Heaven’s Door
    Mit ihrem Doppelwerk “Use Your Illusion” meißelten auch Guns N’ Roses ihre Position im Rockolymp mehr als fest. Interessanterweise sind die größten Hits der beiden Alben aus dem Jahr 1991 “Live And Let Die” und “Knockin’ On Heaven’s Door” beides Coverversionen.
  • Queen – I’m Going Slightly Mad
    “Innuendo” war das letzte Queen-Album das noch zu Lebzeiten von Freddie Mercury veröffentlicht wurde. Auch wenn die Band zu der Zeit lang nicht mehr an ihre besten Zeiten anknüpfen konnten, gilt das Album immer noch als Klassiker. In den Texten hört man den langsamen Verfall von Mercury unter seiner AIDS-Erkrankung deutlich heraus.
  • Seal – Killer
    1991 war auch das Jahr, in dem Seal noch als cool galt. Als Sänger für Elektronik-Produzent Adamski nahm er damals seinen Hit “Killer” auf, der für beide ein riesiger Hit wurde. Im Gegensatz zu Adamski war der Song aber für Seal das Sprungbrett in eine große Karriere.
  • Massive Attack – Unfinished Sympathy
    “Blue Lines”, das Debut-Album von Massive Attack gilt als das erste Trip-Hop-Album. Zwar distanzieren sich fast alle Künstler des Genres seit jeher von der Bezeichnung Trip Hop, aber dennoch konnten Massive Attack damals einen Stil definieren, der große Teile der 90er und auch noch unser aktuelles Jahrzehnt musikalisch sehr wichtig ist.
  • Die Fantastischen Vier – Mikrofonprofessor
    Auch die Fanta Vier starteten 1991 mit ihrem Debutalbum “Jetzt geht’s ab” etwas ganz großes: Sie etablierten den deutschsprachigen Hip Hop. Netterweise ließen sie damals aber das ganze Ghetto-Gehabe weg[2] und brachten viel Humor ins Spiel, den sich die Band bis heute bewahrt hat.
  • Cypress Hill – Hole In The Head
    Auch für Cypress Hill war 1991 der Karriere-Start. Ihr selbstbetiteltes Debut-Album beeinflusste den Stil vieler folgenden Rapper, kann aber immer noch als einzigartig herausstechen und gehört auch für Hip-Hop-Muffel in die Kategorie “Sollte man gehört haben”.

Film

http://www.youtube.com/view_play_list?p=A0BAA2560ACB6D9E

  • The Addams Family (Die Addams Family)
    Begonnen als satirische Comicstrips, umgesetzt als Fernsehserie und 1991 dann zu einem Kinofilm gemacht. Während so ein Rezept oft nach hinten losgeht, hat es bei der Addams Family funktioniert. Die skurrilen Charaktere, eine ebenso skurrile Geschichte und ein großes Staraufgebot machten den Film zur vermutlich erfolgreichsten Komödie des Jahres.
  • Barton Fink
    Wie dieser und die folgenden vier Filme zeigen, war 1991 auch ein wahres Fest für Fans anspruchsvoller Filme. Diese tiefschwarze, leicht avantgardistische Satire zeigt John Turturro und John Goodman in Höchstform. Der Film um einen Drehbuchschreiber mit Schreibblockade und seinen zwilichtigen Nachbarn ist ein echter Klassiker von den Coen-Brüdern und hat zu Recht als bisher einziger Film, alle drei großen Auszeichnungen in Canne abgesahnt.
  • Delicatessen
    Auch in Frankreich versteht man es, schwarze Satiren zu drehen. Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro zeigen hier in ihrem ersten Kinofilm, dass sie skurrile Szenarien, innovative Dramaturgie und tonnenweise Details in ihren Filmen zu verbauen wissen, wie kaum jemand anderes. Absolutes Pflichtprogramm!
  • The Fisher King (König der Fischer)
    “The Fisher King” ist ein oft unterschätztes Drama von Terry Gilliam mit Robin Williams und Jeff Bridges in der Hauptrolle. Terry lässt seine Protagonisten im modernen New York nach dem heiligen Gral suchen und Menschlichkeit finden. Der Film gewann damit diverse Preise.
  • Night on Earth
    Jim Jarmusch’s Episodenfilm zeigt fünf nächtliche Taxifahrten an fünf verschiedenen Orten auf der Welt. Allesamt sind mit dem typischen lakonischen Humor und langen Kamerafahrten ausgestattet, die Jarmusch so einzigartig macht. “Night On Earth” ist in meinen Augen sein bester Film. Die Tatsache, dass alle Episoden in ihrer Landessprache gedreht und nur untertitelt wurden, sollte definitiv nicht als Hindernis gesehen werden, diesen wunderbaren Film anzuschauen!
  • Pappa ante portas
    Auch Deutschland hatte hier und da mal ein paar gute Filme in Petto. Loriots zweiter Kinofilm “Pappa ante portas” um einen in Rente gehenden Familienvater gehört definitiv dazu. Sketchhumor und Niveau funktionieren wunderbar zusammen, wie hier eindrucksvoll bewiesen wird! In diesem Sinne: Krawehl! Krawehl!
  • The Silence of the Lambs (Das Schweigen der Lämmer)
    Noch heute gilt Silence Of The Lamb als der vielleicht beste Thriller aller Zeiten. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Harris um den Kannibalen Hannibal Lecter ist perfekt inszeniert und baut eine Spannung auf, die ihres Gleichen sucht. Außerdem ist er ein gutes Beispiel für eine Eindeutschung, die man heute kaum noch vornehmen würde: Den Originaltitel ganz einfach wörtlich übersetzen, ohne sich zu schämen! Und es funktioniert!
  • Terminator 2: Judgment Day (Terminator 2 – Tag der Abrechnung)
    Auch die Action kam 1991 nicht zu kurz. James Cameron wurde damals zwar noch nicht als der Rekord-Regisseur[3] gesehen, der er heute ist, dennoch strotzt Terminator 2 nur so vor Superlativen. Er definierte das Action- und Sci-Fi-Genre neu, galt damals als teuerster Film aller Zeiten und arbeitete mit absolut wegweisenden Special Effects. Ganz so wie Avatar, nur musste sich Cameron damals noch keine herzerweichende Ethno-Story um Schlumpfkatzen dafür ausdenken!
  1. Erst stand hier “Sgt. Baker”, aber leider lief die Version von Grooveshark nicht richtig. []
  2. das uns leider viel zu schnell durch diverse andere deutsprachige Rapper nachgeliefert werden sollte []
  3. Mittlerweile ist er der einzige Regisseur, der zwei Filme im Repertoire hat, die mehr als eine Milliarde Dollar einspielten. Diese beiden Filme sind mit Titanic und Avatar zudem die beiden weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Ob Avatar Titanic dabei noch überholt, ist noch offen! []

Kommentare

1

leider kann ich dank “2 bei Kalwas” “Unfinished Sympathy” so garnich mehr hören.

geschrieben von kasumi
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2

Jaaaa, die wilden Neunziger. Es war auch meine Jugend und ich denke immerwieder gerne zurück. Ich bin damals mehr auf der Eurodance-Welle abgegangen. Mr. Vain, Snap etc. waren meine Favoriten 😉

Ist aber immer wieder super, an Songs erinnert zu werden, die eigentlich schon fast vergessen waren.

LG

geschrieben von kari
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3

@kasumi: Haben die das als Titelsong verwendet? Man gut, dass ich kein Fernsehen schaue 😉

@kari: Ja, ich hab damals ja auch Eurodance rauf und runter gehört. Culture Beat hab ich fast vergöttert 😉 – aber ich wollte ja jetzt die Sachen nennen, die an der Zeit wirklich gut waren. Und da gehören die Eurodance-Sachen meiner Meinung nach nicht mehr so wirklich dazu. Immerhin hab ich in der letzten Ausgabe MC Hammer mit drin gelassen! 😀

geschrieben von beetFreeQ
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4

richtig geile musik dabei! emf, die peppers, nirvana, spin doctors, metallica und guns n´ roses – bei nem blick in die heutigen charts wünscht man sich die zeit zurück 😉

geschrieben von tobi
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5

Wobei, glaub ich mich zumindest zu erinnern, sich von der Use your Illusion (die “I” habe ich auf CD, die “II” hatte ich auf Kassette, original!) “You could be mine” (allein durch den T2 Soundtrack), “November Rain” und “Don´t Cry” mehr verkauft haben…

Schicke Aufzählung 😉

geschrieben von Martin
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6

Wer behauptet denn bitte, dass die 90er Scheisse waren? Also bitte… die waren das beste Jahrzehnt seit der Erfindung der 9.

PS: Mehr konstruktives Feedback gibts, wenn ich demnächst vielleicht wieder mehr Zeit habe. Schöne Serie auf jeden Fall (Barton Fink war allerdings ein doofer Film, wenngleich das vor allem aufgrund der bescheuerten Premiere-Programmzeitschrift war, die meinten in der zweizeiligen Inhaltsbeschreibung mal eben den finalen Twist spoilern zu müssen).

geschrieben von hirngabel
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7

Schlechtes Vorbild? Bist du verrückt? Der Eurodance war phänomenal! Und die Grundlage dessen, was ich heute so höre. Außer der letzten 3 Jahre gab es nur in den ersten sechs 90er Jahren so viel und weit verbreitete elektronische Musik!
Ansonsten kann ich mich an 1991 echt kaum noch erinnern, jedenfalls nichts Zeitgeschichliches und auch keine Filme…wann war Aladdin? ^^

geschrieben von Schaps
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8

die 90s was super! alles !!! okay fast alles! aber eurodance war super 🙂
ich finde die ganzen wiedervereinungen der bands aus den 90zigern ziemlich amüsant!
east 17 zum beispsiel! wer hätte gedachtg das jungs noch als east seventen auf tour gehen! 😀 unglaublich!

geschrieben von Jan
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9

@tobi: Ja allerdings. So ab einem gewissen Alter kommt man aber auch in die Phase erkennen zu glauben, dass früher alles besser war. 😉 Immerhin muss man sich die heutigen Charts ja nicht antun! Und in den 90ern war neben den genannten Perlen auch so allerlei Mist dazwischen…

@Martin: Stimmt auch – “November Rain” hatte ich vergessen. Wurde ja damals auf MTV trotz seiner Länge rauf und runter gedudelt. Da war mir das Stück dann irgendwann über. Dass “Don’t Cry” auch so erfolgreich war, weiß ich gar nicht mehr…

@hirngabel: Hehe, naja, Barton Fink funktioniert auch gut, wenn man den Twist kennt, allerdings ist es natürlich bei der ersten Sichtung gerade das Aha-Erlebnis, das den Film so besonders macht.

@Schaps: Wir wissen doch beide, dass sich unsere Musikgeschmäcker nicht gerade oft überschneiden. Und der Musik, die du so gern hörst, hab ich vor gut 15 Jahren entsagt und frage mich heute noch, wie ich sowas mal gut finden konnte. Damals dachte ich aber auch, Rockmusik sei alles nur der gleiche Müll – ist halt alles Ansichtssache!

Wann Aladin ins Kino kam, weiß ich gar nicht mehr so. Kann mich nur daran erinnern, das Videospiel dazu auf dem Mega Drive rauf und runter gespielt zu haben. 😉

@Jan: Naja, alles Ansichtssache. Aber du hast recht, die Wiedervereinigungen sind immer wieder amüsant. New Kids On The Block waren doch zwischendurch auch mal wieder da…

geschrieben von beetFreeQ
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