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Musica Obscura Vol. 10 – WTF?

Mit Schmerzgrenzen ist es ja immer so eine Sache, gerade in Sachen Musik. Für die einen fängt der Spaß erst an, wo andere schon schreiend wegrennen. Und dabei ist es egal, ob es sich dabei um Death Metal oder den neuesten Schnulzschlager der Flippers handelt! Es findet sich für jeden die passende Musik, die er nicht ertragen kann.

Während bei mir die Schmerzen ganz leicht bei Schlagern und Volksmusik zu erzeugen sind, habe ich meine Geschmacksgrenzen nach oben nur bei absolut unstrukturierten Free-Jazz oder wirklich ekelhaft krankem Death Metal errichtet. Und selbst die sind recht fließend.

Da ich aber jetzt während der komplett von mir zusammengestellten Hörsturz-Runde von den Rezensenten oft Worte wie skurril, verrückt und wahnsinnig zu lesen bekomme, dachte ich mir, ich zeige euch mal die Musik aus meiner Sammlung, die diese Prädikate wirklich verdient. Während einige Songs bei Unmengen von Menschen einfach nur ein verwirrtes Kopfschütteln hervorrufen, gehören andere dieser Auswahl zu der Art Musik, die für ungeschulte Ohren absolut Schmerzgrenzen überschreitet.

Ich finde jeden dieser Songs absolut spitze und bin mal sehr gespannt, was ihr dazu sagt! Da die Bandbreite von Elektronik über sowas wie Pop zu Rock und Metal geht, dürfte an sich für jeden was dabei sein. Die Skip-Taste dürft ihr nach Herzenslust benutzen, eine Chance haben die Songs aber verdient!

  • Venetian Snares – Sajtban
    Gehen wir mit dem ersten Stück gleich mal in die Vollen. Venetian Snares heißt eigentlich Aaron Funk und ist großer Fan von Videospielen, Oldschool-Jungle, Hardcore, klassischer Musik und was weiß ich sonst noch. “Sajtban” lässt sich dem Genre “Breakcore” zuordnen und klingt für viele derart anstrengend, dass sie die Musik ziemlich bald abschalten. Übrigens hat der Gute auch zusammen mit seiner Freundin mal ein Album gemacht, auf dem sämtliche Stücke nur aus gesampelten Geräuschen bestehen, die beide beim gemeinsamen Sex aufgenommen haben. Das Album ist aber selbst mir etwas zu abstrakt.
  • Aphex Twin – Funny Little Man
    Richard D. James’ Alter Ego Aphex Twin ist ja an sich der Inbegriff von erfolgreichem WTF! Seine elektronische Musik ist durchgeknallt wie nix gutes, erschafft eine Atmosphäre zwischen Stirnrunzeln, Lachen und morbidem Horror und ist damit dennoch unglaublich bekannt und erfolgreich. Für wirklich anstrengende Schmerzgrenzen reicht’s hier aber auch nicht oft.
  • Tipsy – Reverse Cowgirl
    Tipsy sind eine Band, die sich der Mischung von Lounge-Musik, Sound-Collagen, B-Movie-Soundtracks und allerlei Obskuritäten verschrieben haben. Hier stehen Hawaii-Gitarren gleichberechtigt neben Sitar, Country-Gezupfe und undefinierbaren Klanggebilden. Wenn etwas die Bezeichnung skurril verdient, dann das hier!
  • The Tiger Lillies – Lonely Schizophrenic
    Machen wir einen Ausflug ins Kabarett. Die Tiger Lillies werden u.a. in einem Blog über die schlechtesten Alben, die man auf Spotify finden kann, neben diversem Euro-Dance-Müll und obskur-schlechten Easy-Listening-Fön-Vokuhila-Typen gelistet. Das liegt aber an sich nur an der Stimme des Sängers, denn der klingt, als sei er kastriert und singt dabei morbide Texte über Freaks, Schizophrenie und Folter. Wer sich aber für kabarettistisches aus dem frühen 20ten Jahrhundert begeistern kann, wird die Band mögen.
  • Diablo Swing Orchestra – Bedlam Drumsticks
    Den Song hatte ich auch schon mal als Hörsturz-Vorschlag, allerdings schaffte er es nicht in die Runde. Die Band ist ja sowieso für die wildesten Mischungen von Musikstilen unter dem Metal-Deckmantel bekannt, aber dieses skurrile Stück schlägt eigentlich alle anderen Songs der Band problemlos.
  • Les Claypool – Ol’ Rosco
    Für die Runde 9 im Projekt Hörsturz habe ich ja extra einen zwar durch lange Instrumental-Passagen auffallenden, aber an sich doch sehr bekömmlichen Song von Les Claypool ausgesucht. Dass er noch weit aus verrückter kann, ist z.B. hier zu hören. Glockenspiel, seltsame Lyrics, blubbernde Bässe und seine wandlungsfähig-verrückte Stimme, was will man mehr?
  • Crotchduster – True Nature Of Williams
    Der Bandname lässt schon böses erahnen und diese Musik befindet sich auch genau da, wo meine eigene fließende Grenze zum geschmacklosen Death Metal langläuft. Geschmackvoll ist die Band sicher nicht, allerdings kommen sie deshalb bei mir gut weg, weil sie das Genre nicht ernst nehmen und auch gern mal Easy Listening, Techno oder sonstigen Unsinn einmischen!
  • Mr. Bungle – The Airconditioned Nightmare
    Mr Bungle, die Band, die ich einleitend schon als den durchgeknallten Vorschlag der Hörsturz-Sonderrunde erwähnte, darf natürlich auch nicht fehlen. Diesmal mit einem Song, der zwar ebenso verrückt wie mein persönlicher Liebling “Ars Moriendi” ist, aber dabei doch wirklich viel Melodie und Zusammenhang hat!
  • Fantômas – The Godfather
    Dass Mike Patton noch schmerzbefreiter sein kann, als er es schon bei Mr. Bungle war, beweisen Fantômas mit fast jedem Stück. Diese Musik ist der Inbegriff von “Avantgarde Metal”. Oft sehr hart, unzusammenhängend, experimentell und witzig. Jedes Album ist ein Konzeptalbum, aus dem sich nur schwer Songs rausstellen lassen. “The Godfather” lässt das aber gut zu, denn es ist eine schonungslose Neuinterpretation der Titelmusik aus dem gleichnamigen Filmklassiker. Ich möchte hiermit auch noch kurz auf meinen fast zweieinhalb Jahre alten Beitrag über Mike Patton hinweisen, in dem es auch noch ein paar wirklich massentaugliche Sachen von ihm gibt. Immerhin war er ja auch mal als Sänger von Faith No More für so Charthits wie “Easy” mit verantwortlich.
  • Sleepytime Gorilla Museum – The Stain
    Jetzt kommen wir zu einer Band, die sich wirklich jedem Beschreibungsversuch entziehen. Irgendwo ist da Metal, Geschichten werden erzählt, manchmal wird ordentlich gerockt, dann wieder in avantgardistischen Klangspielereien geschwelgt. Muss man hören und lieben oder eben nicht.
  • Unexpect – Summoning Scenes
    Ja, das können sie wirklich gut, Szenen erschaffen. Unexpect bewegt sich auch irgendwo zwischen Avantgarde- und Death-Metal, wechselt böse schrammelndes Gegrunze mit wunderschönen klassischen Passagen ab und scheren sich einfach mal nicht um irgendwelche Genre-Grenzen oder Konventionen. Ausufernd progressive Musik ist das, die man konzentriert hören sollte, wenn man sich mit einem grunzenden Sänger und einer opernhaften Sängerin anfreunden kann.

Kommentare

1

von Aphex Twin hast du zwar einen coolen, aber ehr harmlosen Song ausgesucht 😉 Der hat doch auch derbe dröhnenderes im Gepäck. Auf dem MELT hat der fast die Bühne zum Einsturtz gebracht-

geschrieben von kamil
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2

@kamil: Naja, wenn man Aphex Twin kennt, ist er harmlos, aber diese Stimme von dem Little Funny Man hat auch schon viele unbedarfte in den Wahnsinn getrieben. Und “Come To Daddy” kennt ja fast jeder, während seine Ambient-Sachen mir selbst manchmal einfach zu abstrakt sind. 😉

geschrieben von beetFreeQ
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3

Von Aphex Twin gibts schon heftige Sachen. Ich kann mich noch erinnern wie mich folgendes Video geflasht hat: http://www.youtube.com/watch?v=vXyIB2L52Dc
Wobei ich Come to Daddy auch total gut fand http://www.youtube.com/watch?v=5Az_7U0-cK0

kranker Typ mit kranken Videos. Übrigens ist er auch unter dem Pseudo Squarepusher unterwegs 😉

geschrieben von kari
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4

@kari: Für die Videos ist bei Aphex Twin ja vor allem Chris Cunningham zuständig, der auch geniale Videos für Portishead, Björk und Squarepusher gemacht hat.Bei letzterem haste nämlich leider unrecht: Squarepusher ist kein Pseudonym von Aphex Twin sondern ein ganz eigener Musiker namens Tom Jenkinson. Beide sind aber befreundet und haben auch schon mal ein Stück zusammen gemacht. Bei Youtube gibt’s das Stück namens Freeman Hardy & Willis Acid, allerdings in ziemlich schlechter Quali…

Sehr geil ist übrigens auch der “Monkey Drummer” – auch so eine Zusammenarbeit von Chris Cunningham und Aphex Twin! Allerdings lang nicht so verstörend 😉

geschrieben von beetFreeQ
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5

@beetFreeQ: Den Monkey Drummer kenn ich auch. Ist aber nicht meine Musikrichtung und macht mich mehr agressiv 🙂

Ich dachte immer Squarepusher ist Aphex Twin. Danke für die Aufklärung! Ist aber doch sehr ähnlich von der Musik her wie Aphex Twin, oder? 🙂

VG,
Kari

geschrieben von kari
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6

@beetFreeQ: Da stimme ich voll zu. Leuten, denen ich Aphex Twin empfohlen habe und die sich mit mir das Konzert angeguckt haben, stand die Panik ins Gesicht geschrieben. Anschließend meinten sie, sie hätten noch nie so etwas krankes gehört.

geschrieben von kamil
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7

@kari: Ja, geht vielen so, weil’s so hibbelige Rhythmen sind 😉

Und stimmt – die beiden sind sich oft musikalisch sehr ähnlich, haben aber schon ihren eigenen Stil.

@kamil: Ja, das bekomme ich auch oft zu hören 😉

geschrieben von beetFreeQ
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8

Joa, die ersten zwei sind wirklich grässlich, aber dann ist es zumindest erträglich, wenn auch nichts was ich in meine Playliste schieben würde. Bei Death Metal habe ich auch schnell weitergeschaltet, da man leider nicht vorspulen kann.
Tiger Lillies sind ok, das hier von Mr Bungle hätte evtl. mehr Punkte bekommen
Du hast übrigens einen Song vergessen zu beschreiben!

geschrieben von juliaL49
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9

@juliaL49: Oh stimmt – gar nicht aufgefallen! Werde ich nachher mal nachholen. Die fehlende Vorspulmöglichkeit ist leider der Nachteil bei Grooveshark. Allerdings kann man das ja mittlerweile auf deren Website. Werd nachher auch mal sehen, ob ich die Playlist auch nochmal direkt verlinken kann, damit man da zumindest etwas spulen kann!

geschrieben von beetFreeQ
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10

Nur mal rein informativ lieber beetFreeQ, du hast keine musikalische Schmerzgrenze. Dein musikalischer Horizont ist so breit, das selbst mein bestes Weitwinkelobjektiv nicht zu erfassen vermag, was sich in deiner Sammlung findet. Ich denke eine größere Masse an Konsumenten würde ihre Unterhaltungselektronik wieder auf Garantie in den Laden zurückbringen weil sie vermuten, es sei etwas kaputt.

Ich denke du ernährst die von den Ekelbekundungen deiner Zuhörer die sich nicht jedem deiner musikalischen Leibgerichte hingeben können, wollen, oder was auch immer. Außer Julia, die ist ähnlich schmerzfrei und hat schon mit Vogelspinnen gespielt, als ich noch mit dem Trömmelchen um den Weihnachtsbaum gelaufen bin.

Und sei mir nicht böse, wenn du schon skurril draufschreibst, lasse ich lieber die Finger davon. Das gibt meine Montagsstimmung nicht her 😀

Dieser Musiktipp ist übrigens auch für Dich…Ping!

geschrieben von Robert
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11

@Robert: Doch doch, da gibt’s eindeutig Musik, die auch mir weh tut! 😉 Aber danke für das.. äh… Kompliment 😀

Was das Zurückbringen angeht: Ich hab wirklich eine Compilation mit elektronischer Musik zuhause, auf deren Packung explizit gedruckt steht, dass Störgeräusche, Rauschen und Klicken während der Tracks zur Musik gehören und weder CD noch CD-Player kaputt sind!

Julia muss man echt als tapfer bezeichnen, wenn sie sich wirklich all das anhört, was ich hier so verzapfe, obwohl ein gar nicht mal kleiner Teil davon elektronisch ist und/oder Blasinstrumente beinhaltet! 😀

Vielleicht lässt deine Dienstagsstimmung ja morgen doch ein paar Ohr-Häppchen zu. Der Musiktipp ist übrigens schon dankend entgegengenommen!

geschrieben von beetFreeQ
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