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gelesen: Neil Gaiman – Neverwhere (Niemalsland)

Richard had noticed that events were cowards: they didn’t occur singly, but instead they would run in packs and leap out at him all at once.

Neil Gaiman - NeverwhereRichard Mayhew lebt sein normales, etwas langweiliges Leben in der britischen Hauptstadt bis er auf der Straße mit einem aus dem Nichts auftauchenden blutüberströmten Mädchen konfrontiert wird, dem er seine Hilfe anbietet. Door, so ihr Name, stammt aus einer fantastischen Welt unterhalb Londons, die für die normalen Leute unsichtbar ist. Ungewollt zieht sie Richard mit in diese Welt, da er für seine Mitmenschen wie die anderen Bewohner der Unterwelt unsichtbar wird. Auf der Hut vor zwei skurillen Auftragskillern, die Door’s Familie auf dem Gewissen haben, machen sie sich zusammen mit ein paar Mitstreitern auf, um den Drahtzieher der Morde zu finden und Richard wieder in sein altes Leben zurückzubringen.

Mit so einer Kurzzusammenfassung lässt sich ein Roman wie Neverwhere nur schwer umschreiben. Man ist bemüht, die Fantastik der von Gaiman geschaffenen Welt möglichst detailliert zu beschreiben, will jedoch auch nicht zu ausladend werden oder zuviel verraten. In der Hinsicht haben wir in Deutschland allerdings auch einen Vorteil, denn die britische Miniserie, auf der das Buch basiert, wurde bei uns nie ausgestrahlt.

Neil Gaiman entwickelte die Serie in den 90ern für den BBC, merkte aber bald, dass sie sich nicht so umsetzen ließ, wie er es sich gewünscht hätte und verarbeitete seite Vision neu zu einem Roman, der wiederum ebenfalls in mehreren Versionen erschien bist Gaiman endgültig zufrieden war. Man merkt dem Buch auch diesen Perfektionismus an, ohne das Gefühl zu bekommen, durch die Neuauflagen ein Flickwerk vor sich zu haben.

Neverwhere ist in erster Linie eine Liebeserklärung an London und zeigt dies nicht nur durch Detailverliebtheit sondern vor allem durch die Darstellung der verschrobenen Charaktere, die man nur in London erwarten würde, obwohl sie aus ihrer Unterwelt stammend eher die von der Gesellschaft vergessenen Obdachlosen darstellen, die sich in eine eigene Welt zurückgezogen haben.

London Below ist eine fantastische Welt, die zwar in den eher überschaubaren Kanälen und U-Bahnschächten beginnt, sich aber kilometertief unter die Erdoberfläche erstreckt. Gaiman nimmt es mit physikalischen Gesetzen und Unmöglichkeiten nicht so genau sondern lebt seine Fantasie in vollen Zügen aus. Dabei hat aber alles System. Zu bekannten Orten aus der Londoner Oberwelt existieren im Untergrund Pendants, die ihren Namen wörtlich nehmen. So findet man dort z.B. schwarze Mönche (Blackfriars), einen altersschwachen Grafen (Earl’s Court) oder einen Engel namens Islington.

Wie diese Wortspiele schon andeuten, bringt Neverwhere am meisten Spaß, wenn man ihre Bedeutung kennt, London am besten schon mal besucht hat und vor allem das Buch auf englisch liest. Zwar wird auch die deutsche Übersetzung gelobt, es geht aber nun mal doch so einiges verloren, was dem Roman dann an Details fehlt. Dennoch sollten auch alle Fantasy-Fans, die London nicht gut kennen oder lieber auf deutsch lesen dieses Buch haben.

Auf der Suche nach passenden Vergleichen nannten Kritiker unter anderem eine Mischung aus George Lucas, Monty Python, Dr. Who und John Milton oder steckten Terry Pratchett zusammen mit Franz Kafka in eine verschlossene Zelle. Beide Versionen sind nicht zu viel versprochen! Dass ich von der ersten Seite an derart gefesselt war und mir am Ende sehnlichst eine Fortsetzung mit Wiedersehen der liebgewonnenen Charaktere gewünscht habe, ist mir noch nie passiert.

Ob es ein weiteres Buch in dem Szenario geben wird, lässt Gaiman bisher offen. Immerhin kann man sich als Fan noch an die optisch etwas schwache Serie und die Comic-Adaption halten. Ein Kinofilm soll wohl auch irgendwo am Horizont sein. Eine würdige Verfilmung hätte dieses bildhafte Buch sicher verdient wie kaum ein anderes!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Kommentare

1

Das klingt wirklich sehr interessant und auch wenn ich mich in London nicht auskenne, werde ich das mal bestellen :)

Ist es besser zuerst das Buch zu lesen und dann die Serie zu schauen oder umgekehrt? Oder lohnt sich die Serie überhaupt nicht?

geschrieben von juliaL49
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2

@juliaL49: Also ich hab die Serie bisher selbst leider nicht gesehen, will das aber auf alle Fälle noch nachholen. Hab nur aus mehreren Quellen gehört und auch in Ausschnitten gesehen, dass sie optisch nicht so besonders gemacht ist, was bei der Story etwas schade ist.

Neil Gaiman selbst hat das Buch ja geschrieben, weil die Umsetzung seiner Drehbücher in der Serie leider nicht so seinen Vorstellungen entsprach und so einiges geschnitten oder geändert werden musste. Und insgesamt wird das Buch auch weit besser bewertet als die Serie. Ich denke mal, je nach dem was man sich zu erst zu Gemüte führt, wird dafür sorgen, dass man am anderen Medium etwas auszusetzen hat, weil’s eben fast gleich, aber doch stellenweise anders ist.

Ich würde schon empfehlen, erst das Buch zu lesen, denn wenn man das Ende schon kennt, kann sich vielleicht noch so eine Spannung aufbauen, wie ich sie beim Lesen hatte.

geschrieben von beetFreeQ
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Trackbacks/Pingbacks

1

[…] vergangenen Jahr las ich ja Neil Gaiman’s Roman “Neverwhere” und war voll des Lobs. Da das Buch die literarische Fassung einer Fernsehserie war, die Gaiman […]

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