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verspielt!

337/365: The Big Money
Creative Commons License photo credit: DavidDMuir

Die Verfilmungswut der großen Studios nimmt ja heutzutage Züge an, die skuriller nicht sein könnten. War es in den 80ern und 90ern noch etwas besonderes, wenn mal etwas anderes als ein Buch oder Musikal zu einem Film verwurstet wird, kann man heute fast täglich neue Meldungen aufschnappen, dass sich Studio XY die Filmrechte zu einem Comic, Videospiel oder sonst was gesichert hat.

Ganz nüchtern betrachtet, ist die Entscheidung, storytechnisch interessante Comics oder Spiele zu verfilmen ja auch keine so schlechte, bieten sie doch genügend Material, um den Film zu füllen und trotzdem einen direkten Bezug zum Original zu haben. In letzter Zeit scheinen die Fimstudios aber völlig den Verstand verloren zu haben. Spielzeughersteller Hasbro kam nämlich vor einiger Zeit auf die Idee, seine erfolgreichen Spielzeuge zu Filmen machen zu wollen. Und die Studios bissen von Dollarzeichen geblendet auch noch hirnlos an und sicherten sich die Lizenzen. Andere Spielzeughersteller folgten.

Nun sind zwar noch wenige der angekündigten Filme zu den verschiedenen Spielzeugen und Gesellschaftsspielen in die Kinos gekommen. Man kann sich also kein Bild davon machen, was denn aus den meisten Lizenzen geworden ist und ich will auch nicht sagen, dass diese Filme per se schlecht sein müssen. Schaut man sich aber mal an, welche Projekte da in der Pipeline stehen, fragt man sich doch ernsthaft, woher man die Story nehmen will und wie das dann noch mit dem eigentlichen Spiel zu tun haben soll.

Nimmt man mal Spielzeug wie die Transformers oder G.I. Joe, ist da natürlich Potential zu erkennen, denn die Serie hat eine gewisse Hintergrundgeschichte und sich verwandelnde Roboter bzw. ausgestaltete Actionfiguren sind an sich auch einprägsam genug, um eine Verbindung zwischen Spielzeug und Film herzustellen.

Schaut man sich dagegen aber Spiele wie Monopoly, Schiffe versenken, Spiel des Lebens oder Risiko an, fragt man sich ernsthaft, wie das funktionieren soll. Sicher bieten sich spannende Storys wie der Aufstieg und Fall eines Immobilien-Imperiums, eine aufwendige Seeschlacht, ein Familiendrama oder Weltkriegsszenarien an, aber warum um alles in der Welt kann man solche Storys nicht einfach ohne die Spielelizenz vermarkten. Ich denke sogar, dass ein spannender Immobilien-Thriller weniger ernst genommen wird, wenn er groß von Hasbro mit dem Namen Monopoly vertrieben wird. Ein Seekriegsfilm wird auch nicht grad Genrefans anlocken, wenn man ihn “Schiffe versenken” oder “Flottenmanöver” nennt.

Noch schlimmer wird es dann bei den Kinderspiel “Candy Land”, der völlig hintergrundslosen Actionfigur “Stretch Armstrong” oder dem Maskottchen der Kaugummimarke “Bazooka Joe”. Das Verrückteste daran ist aber, dass sich wirklich große Namen mit den Verfilmungen in Verbindung bringen lassen! Der dreifache Oscargewinner Ridley Scott entwickelt gerade die Verfilmung zu Monopoly und Starregisseur Peter Berg versucht sich an “Schiffe versenken”.

Das klingt alles wie ein überzogener Aprilscherz, ist es aber leider nicht. Hoffen wir, dass die ersten Filme solcher inhaltslosen Franchises von den Kinogängern durch Fernbleiben abgestraft werden, um weitere Entgleisungen zu verhindern. Falls das nicht passiert, sehe ich schon folgende Horrorszenarien auf uns zukommen:

  • Mensch ärger dich nicht! – Vier Teams a vier Spieler rennen in einem nervenzerfetzenden Spiel um Leben und Tod durch die Straßen. Jeder hat die übermenschliche Begabung, andere Menschen durch bloße Berührung nach hause zu beamen.
  • Mühle – Ein Krieg zwischen schwarz und weiß. Der Sieger stellt drei Soldaten in eine Reihe, weil… weil das eben so ist!
  • Memory – eine Gruppe Menschen ist auf der Suche nach ihren Zwillingen. Keine leichte Sache, wenn ihnen alle Menschen die gleiche Kleidung tragen, sich nur von hinten in der Öffentlichkeit zeigen und man nur einen Menschen gleichzeitig von vorn sehen darf. Ein verstörender dystopischer Mystery-Thriller!

Dagegen wirkt die folgende kleine Sims-Parodie von College Humor[1] sogar noch wie ein Film, den ich mir unbedingt ansehen würde! Dummerweise soll wohl schon ein Film zu dem ebenso storylosen Computerspiel in der Mache sein, der sicher nichts mit über dem Kopf schwebenden grünen Kristallen zu tun haben wird!

http://www.youtube.com/watch?v=P1g8Iz0enjU

Wie seht ihr das? Welche Gesellschaftsspiele würden genug Stoff für eine sinnvolle Verfilmung bieten? Welche Horrorszenarien für schlechte Filme fallen euch ein?

  1. gefunden bei Kasumi []

Kommentare

1

Wie wär’s mit Domino: Alle Leute – am besten siamesische Zwillinge, notfalls 2 einzelne Leute zusammengebunden – müssen ein passendes Gegenstück finden und sich an ihm festhalten, um… um… die Welt zu retten, da sie ohne diese haltende Kette auseinanderbrechen würde. (Unbedingt vor 2012 zu verfilmen!)

geschrieben von cimddwc
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2

Ist zwar nicht ganz ein Gesellschaftsspiel, aber ich warte schon seit Ewigkeiten auf Minesweeper!

http://www.collegehumor.com/video:1770138

geschrieben von LemonHead
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3

Tja, die Welt der Filme. Wenn man keine Ideen mehr hat dann verfilmt man einfach mal ein Brettspiel, irgendwer zahlt bestimmt dafür.

Fast unendliche Möglichkeiten an Spiele.
Und wenn die Filmindustrie nicht mehr weiterweiß nehmen wir einfach mal wieder alte Märchen

geschrieben von Sebastian
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4

Deswegen kuck ich auch fast nur noch richtige Filme. Solche kuck ich dann höchstens Mal zum Abschalten oder wegen der Effekt dann im Kino.

geschrieben von Schaps
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5

@cimddwc: Hehe, gute Idee! Und Linda De Mol spielt die Hauptrolle. Tolle Actionszenen wären ja auch drin, wenn man den Dominoday mit echten Menschen als nervenaufreibendes Film-Finale mit einbaut. 😀

@LemonHead: Auch sehr genial. Das Ding hätte ja sogar ne gewisse Story 😉

@Sebastian: Naja, die Ideenlosigkeit ist hier glaube ich nicht mal das Problem. Um Risiko zu verfilmen braucht man ja schon ein paar gute Ideen, da das Spiel als Basis nicht viel hergibt. Und um auf die Idee zu kommen, einen Film über einen fiktiven Weltkrieg zu drehen, braucht man das Spiel ja nicht. Aber du hast schon recht. Originelle eigene Ideen sind immer mehr Mangelware. Gute Drehbücher gibt’s sicher noch genügend, aber die Filmriesen nehmen lieber einen erfolgversprechenden bekannten Namen oder bewährte Story-Rezepte als ein innovatives Drehbuch, das nicht so viel Geld einspülen würde.

@Schaps: Wie definierst du denn “richtige” Filme? 😉

geschrieben von beetFreeQ
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