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Von der Unmöglichkeit des Lesens

In Deutschland lernt es jeder in der Schule. Der eine ist besser darin, der andere tut sich etwas schwerer, aber es reicht an sich bei fast jedem aus, um den Sinn hinter einem simplen Text zu verstehen. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl von Analphabeten umgeben zu sein. Dabei liegt es vermutlich vor allem daran, dass die Leute sich nicht mehr die Zeit nehmen, etwas durchzulesen. Im besten Fall wird es überflogen, manchmal einfach mutwillig oder aus Ungeduld ignoriert. Mit Menschen dieses Schlages habe ich es viel zu oft zu tun, wie folgende Szenen darstellen!

*Klick* Was stand da gerade?

In der Welt der Computer hat man sehr oft etwas zu lesen. Seien es Webseiten wie diese hier oder die Beschriftungen der Buttons diverser Programme. Wer sich ein wenig mit PCs auskennt, sollte das Lesen eben solcher Texte auch ganz gut drauf haben. Besondere Aufmerksamkeit haben da vor allem die Texte von Fehlermeldungen verdient. Das scheinen einige Leute nicht so zu sehen. Von dieser Spezies gibt es zwei Arten:

Die einen sind immer ungeduldig und überfliegen alles höchstens, was sie vor die Augen bekommen und klicken sich in Eile von Seite zu Seite. Wenn ihnen eine Fehlermeldung in den Weg kommt, geht’s nach dem Motto “erst klicken, dann fragen”. Oft ist die Fehlermeldung schneller wieder weg, als sie aufpoppte und der Mensch vor dem Bildschirm fragt sich dann, was der Computer einem gerade sagen wollte. Wenn dann irgendwas nicht mehr geht, ist die Not groß und ich werde auch gern mal um Hilfe gebeten.

Die zweite Sorte ist dagegen sofort aufgeschmissen, wenn eine nach Fehler aussehende Meldung auf dem Monitor erscheint. Solche Leute finden sich besonders oft unter den Kunden der Firma, in der ich arbeite. Meistens kennen sie nur einen Weg, mit einer Bildschirmmeldung klarzukommen: Druck-Taste drücken, Word öffnen, ein neues Dokument anlegen, mit STRG-V den eben gemachten Screenshot einfügen, speichern, eine neue E-Mail beginnen, das Word-Dokument anhängen, den Text “Hilfe! Das Programm geht nicht mehr!” zu schreiben, meine Mailadresse als Empfänger auszuwählen und auf Senden zu klicken.

Was dann bei mir ankommt, sind oft genug ganz einfache Warnhinweise mit Anweisungen, was zu tun ist. So z.B. “Der Nummernkreis ist erschöpft! Öffnen Sie die Stammdaten und erweitern Sie den Nummernkreis!” Wer mit einer Warenwirtschaft arbeiten kann, sollte auch mit dieser Meldung klarkommen. Ein anderes Beispiel: “Es ist ein Fehler aufgetreten. Klicken Sie auf Details, um die genaue Meldung zu erhalten!”. Um den Kunden nicht unnötig mit Fachchinesisch zu nerven, stehen die für uns relevanten Inhalte meistens unter “Details”. Dumm nur, wenn der Kunde eben nicht weit genug liest und uns den Screenshot ohne angezeigte Details zuschickt.

Ach huch, ich wusste nicht, dass dieser Parkplatz vermietet ist!

Ich wohne in einem Haus mit mehr als 100 Wohnungen und dementsprechend gibt es einen recht großen Parkplatz auf dem Hof. Auf dem Weg zu diesem fährt man an drei Schildern vorbei, auf denen unmissverständlich steht, dass es sich um einen Privatparkplatz handelt und widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge abgeschleppt werden. Selbst eine Symbolzeichnung eines Abschleppwagens für die Begriffstutzigen ist dabei.

Zu stören scheinen diese Schilder wohl die wenigsten. Es kommt bestimmt 5-6x im Jahr vor, dass der von mir für ein paar Euro mitgemietete Parkplatz von einem anderen Auto besetzt ist. Die meisten sind am nächsten Tag wieder weg, aber gerade vor kurzem musste ich ganze zwei Wochen auf meinen Parkplatz verzichten, weil sich jemand dort hin gestellt hatte und den Wagen die ganze Zeit nicht angesehen hat. Der an der Windschutzscheibe angebrachte Zettel mit der Bitte, den Wagen wegzufahren, war nutzlos.

Da ich mich aber doch scheue, jemanden wirklich abschleppen zu lassen und zum Glück an der Straße meistens auch ein wirklich freier Parkplatz zu finden ist, habe ich dann nach einer Woche einen Zettel mit meiner Handynummer und der Bitte an den Halter des Wagens, ihn doch wegzufahren, an jede der fünf Eingangstüren im Haus angebracht. Ein Anruf brachte dann die Gewissheit, dass die Halterin eine Freundin der Anruferin war und wohl für ein paar Tage verreist sei, den Wagen danach aber sofort wegfahren würde.

Mittlerweile habe ich standardmäßig einen Satz Zettel für die Windschutzscheibe im Handschuhfach. Nur einen Nachbarn störte sowas eine Weile wohl kaum, denn er kann sich mit seinem Proll-BMW ja alles erlauben. Zwar stand er nie direkt auf meinem Parkplatz, parkte aber oft einfach mal quer über drei Plätze, von denen einer der meinige war. Vermutlich müssen sich aber wohl mehrere Nachbarn darüber aufgeregt haben, denn seit einigen Wochen stellt er seinen Wagen brav auf einem Einzelplatz ab. Oder er hat nochmal nen Kurs gemacht, wie man einparkt. Wer weiß?

Briefkastenbingo

Zu guter letzt muss ich noch ein paar Worte über die lieben Leute verlieren, die Dinge in meinen Briefkasten werfen. Dass so direkte, rote, fetgedruckte Wortkonstrukte wie “Keine Werbung!” eher “Keine Wirkung” zu bedeuten scheinen und dies gerade während des Wahlkampfs mit massenweise Wahlwerbung kundtun wollten, ist ja schon nichts besonderes mehr. Viel nerviger ist allerdings die Tatsache, dass ich mit meinem in seiner Schreibweise recht seltenen Nachnamen nicht der einzige im Haus bin.

Wie es sich vor ein paar Jahren ergab, zog auch meine Ex-Frau in das selbe Haus wie ich, einfach weil die Wohnungen günstig sind und wir uns ja immer noch ganz gut verstehen. An den Brieflästen, die jeweils mit der Wohnungsnummer versehen sind, steht auch jeweils gut lesbar der Vor- und Nachname, bei mir sogar noch unterstützt von dem Namen meiner Leipzigerin, da sie ja auch oft hier wohnt.

Die Post scheint aber der Ansicht zu sein, mein Name könne im selben Haus ja gar nicht mehrfach vorkommen und schmeißt meistens die gesamte Post für beide Haushalte entweder bei mir oder bei meiner Ex-Frau ein. Je nachdem, wer gerade Dienst hat, wird die Post wohl auch so vorsortiert, dass auf allen Briefen und nervigerweise sogar Postkarten die Wohnungsnummer vermerkt wird. Ein Schema ist nicht zu erkennen.

Über die netten Postboten, die dazu dann sogar noch zu faul sind, bei mir zu klingeln, wenn sie ein Päckchen dabei haben und stattdessen einfach direkt den Zettel mit der Bitte um Abholung in den nächsten sieben Tagen einschmeißen, verliere ich da lieber gar kein Wort. Immerhin können die sogar lesen und werfen den Zettel dann auch bei mir ein…

Fazit

Manchmal wünschte ich, bestimmte Anweisungen würden gar nicht irgendwo aufgedruckt stehen sondern direkt vor den Augen der jenigen, die sie lesen sollen, solange wild in grellen Farben blinken, bis sie diese verstanden haben. Aber selbst das würde einige nicht davon abhalten, sie trotzdem zu ignorieren. Denn auch wenn alle Menschen glauben, mit genügend Verstand gesegnet zu sein, muss dieser nicht auch zwangsläufig auch so gut mit den Gehirnwindungen verschwurbelt sein, die für die eigentlichen Taten der Menschen verantwortlich sind…

Kennt ihr auch solche Fälle? Lasst euch ruhig in den Kommentaren aus!

Kommentare

1

Manchmal wünschte ich, bestimmte Anweisungen würden gar nicht irgendwo aufgedruckt stehen sondern direkt vor den Augen der jenigen, die sie lesen sollen, solange wild in grellen Farben blinken, bis sie diese verstanden haben.”

lol… wird wohl voerst Wunschdenken bleiben!

geschrieben von blokster
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2

Tja, das leidige Lesen ist ja so lästig. Gibt ja auch Leute, die googeln, finden eine passende Beitragsüberschrift, klicken auf “Kontakt/Impressum” und rufen an. Ohne auch nur ansatzweise den Beitrag zu lesen, versteht sich. Und halten mich dann für einen Reiseanbieter oder Geistheiler…

geschrieben von cimddwc
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3

@cimddwc: Au weai, na sowas ist mir zum Glück noch nicht passiert. Hab zwar schon mal von Werbenden über die im Blog angegebene Adresse Post z.B. mit einer DVD oder einer Tasse und ein paar Infos über ihre eigene Website bekommen, in der Hoffnung, ich mache Werbung für sie, aber was wirklich Artfremdes war nicht dabei.

Es reicht ja aber auch schon, dass Leute oft nicht mal die kurzen Textpassagen durchlesen, die Google bei Suchergebnissen mit anzeigt, anhand derer sie schnell erkennen könnten, dass bei mir nicht wirklich das Gesuchte zu finden ist…

geschrieben von beetFreeQ
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