freeQnet-Logo
freeQnet

gelesen: Walter Moers – Die Stadt der träumenden Bücher

Aber dieser Text ging mit der verbrauchten Idee so brillant, so geistreich, so tierschürfend und gleichzeitig derart erheiternd um, dass er mich binnen weniger Absätze in einen Zustand fiebriger Ausgelassenheit versetzte.

Walter Moers - Die Stadt der träumenden BücherDer junge Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz erzählt von seiner Reise nach Buchhaim, der Stadt der träumenden Bücher, um dort den Urheber eines unbeschreiblich genialen Manuskripts zu finden, das ihm sein “Dichtpate” Danzelot von Silbendrechsler auf dem Sterbebett überreichte. Dabei landet er durch eine Intrige in den sagenumwobenen Katakomben unter der Stadt, die sich als riesiges Labyrinth voller uralter Bücher, gefährlicher Kreaturen und verrückten Orten entpuppt.

Walter Moers hat mit diesem Roman bereits sein viertes[1] Buch geschrieben, das auf dem fiktiven Kontinent Zamonien spielt. Dieser Kontinent ist wie es im Fantasy-Genre üblich ist, von verschiedensten fantastischen Lebewesen bewohnt, was sich auch in der fast komplett in und unter der Stadt Buchhaim angesiedelten Geschichte verdeutlicht.

In einem Interview soll er mal gesagt haben, er wolle den Schauplatz zum wahren Helden eines Romans machen. Das ist ihm hier perfekt gelungen. In oft zum Schmunzeln anregenden, meist aber auch absolut spannenden Begebenheiten stellt sich die Reise von Mythenmetz als Sightseeing-Tour durch die Katakomben dar. Als zweiter Held sind aber auch ganz klar die Bücher zu nennen. Selten kann man einen Roman derart als gleichzeitige Hommage und in gewisser Weise auch Satire an der Literatur sehen, wie diesen.

Walter Moers hält sich zwar leider von Buch zu Buch nicht immer an Details, die er in vorigen Büchern ausgearbeitet hat, macht dies aber wieder durch diverse neue Details wett, die sich durch den ganzen Roman ziehen. So wird zum Einen wie schon in “Ensel und Krete” als eigentlicher Autor der Erzähler Hildegunst von Mythenmetz genannt, den Moers nur aus dem zamonischen übersetzt. Zum Anderen sind da Dinge wie die für die Story völlig unwichtigen zamonischen Runen, die jedes Kapitel zieren und diese mit frei erfundenen Symbolen in einem Oktalsystem durchnummerieren.

Natürlich ist auch gerade für Literaturliebhaber einiges aus dem Buch herauszuholen. Neben unzähligen Anspielungen auf bekannte Werke und literarische Figuren[2] setzt Moers hier besonders stark auf Anagramme, in denen er die Namen großer Autoren und Dichter versteckt. So lässt sich z.B. aus “Dölerich Hirnfidler” Friedrich Hölderlin oder aus “T. T. Kreischwurst” Kurt Schwitters herauslesen. Interessanterweise nehmen diese Charaktere auch so einige Wesenszüge der entsprechenden Autoren an, was nicht immer nur schmeichelhaft herüberkommt.

Viele halten die “Zamonien”-Romane von Walter Moers eher für seichte Jugend- oder gar Kinderbücher. Das sind sie aber sicherlich nicht, wie vor allem in diesem klar wird. Die vielen Feinheiten wird man als Kind sicher kaum wahrnehmen, die Spannung und Schock-Effekte sind genauso wenig an Kinder gerichtet, wie die wenigen ziemlich direkt dargestellten Tode einiger Figuren. Als junger bis alter Erwachsener bekommt man es hier aber mit einem wunderbar fantasievollen und witzigen Buch zu tun, das unheimlich fesselt und in die dort erschaffene Welt hineinzieht. Vorwissen aus anderen Büchern von Moers ist nicht nötig, aber sicher auch nicht hinderlich!

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

  1. mit dem danach folgenden “Schrecksenmeister” sind es mittlerweile fünf Romane []
  2. das wird vor allem in dem Charakter des Schattenkönigs klar, der die Figuren vieler tragischer Romanbösewichte vereint []

Kommentare

1

Hab das geschenkt bekommen und war erst total skeptisch aber es lässt sich total gut lesen und dass der Hauptcharakter ein Lindwurm ist, stört wirklich gar nicht. Ich würde das wirklich jedem, der ein bisschen Humor hat, empfehlen.

geschrieben von David
antworten  •  Link
2

@David: Ja, ich war auch erst skeptisch, weil ich dachte, es sei ein eher auf’s jüngere Publikum zugeschnittenes Buch. Nachdem meine Freundin es mir aber immer wieder ans Herz legte, hab ich’s dann doch gelesen und konnte es kaum noch aus der Hand legen.

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
3

walter moers ist ein, in meinen augen, sehr guter schreiberling. den kann ich nur empfehlen. der hat das gewisse etwas.

Bernd Helmut Frank

geschrieben von BHF
antworten  •  Link
4

Ich finde ja Walter Moers’ ältere Sachen, wie bspw. das kleine Arschloch oft zu sehr unter der Gürtellinie. Das machte auch mich am Anfang sehr skeptisch und ich wäre nie alleine auf die Idee gekommen, mir eins seiner Bücher über Zamonien zuzulegen. Nachdem ich dann aber “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” als Hörbuch von meinem Bruder ausgeliehen und empfohlen bekommen habe, war ich überzeugt, dass der gute W.M. doch mehr kann als ich erst dachte.

Genauso erstaunlich anders als erwartet sticht Dirk Bach bei dem entsprechenden Audiobooks heraus. Ich kann seinen flachen Humor in deutschen TV-Shows nicht ab, aber als Vorleser dieser Bücher hat er seine Glanzrolle gefunden. Er macht das wirklich klasse, denn wie kein anderer deutschsprachiger Vorleser, kann er in alle nur auszudenkenden Rollen hineinschlüpfen und sie ihrem Charakter entsprechend vorzüglich darstellen. Hier ist sein Ulknudeltalent an der richtigen Stelle gelandet. Aber er stellt die Figuren nicht nur skuril und witzig dar, er schafft es auch, dass wir mitfühlen und die Figuren als ernsthafte Charaktere akzeptieren und verstehen.

Aber egal, ob man sich die Bücher als Audio- oder Papierversion zu Gemüte führt, man wird in eine bunte Welt abtauchen, die merkwürdiger und fantasievoller kaum sein könnte. Ich finde, es ergibt sich durch so ein Bucht immer wieder eine spannende Auszeit vom alltäglichen Leben in der realen Welt und ich kann durchaus behaupten, dass ich W.M.’s Bücher einem Film oder anderen spannenden Zeitvertreibungen vorziehe. Leider hat er bisher nur 5 Bücher über Zamonien geschrieben.

Sorry – sehr langer Kommentar. Sowas mache ich sonst zu selten.

geschrieben von Beam
antworten  •  Link
5

@BHF: Ja, allerdings! Es gibt ja viele, die ihn noch auf seine ziemlich an der Geschmacksgrenze liegenden Comics messen, sehen dabei aber nicht, dass er ein wirklich toller Autor ist, der in seinen Romanen so rein gar nichts mit den Comics zu tun hat.

@Beam: Hehe, ist doch ok, es geht ja auch um ein Buch, das du liebst 🙂 Und ich kann dir da nur zustimmen! Von Dirk Bach’s Talent als Vorleser hab ich mich auch schon in einem Scheibenwelt-Buch überzeigen lassen. Leider war das aber vermutlich um auf nur vier CDs zu passen, ziemlich gekürzt, wie ich später festgestellt habe. Seitdem bin ich bei Hörbüchern immer etwas vorsichtig…

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
6

😀 Ich wills umbedingt lesen, sobald ich mal wieder ein wenig Geld übrig habe, kaufe ich es mir. Vorher ist aber noch das neue Buch von Nick Hornby dran >.<

geschrieben von Hannah
antworten  •  Link
7

@Hannah: Ja, Nick Hornby ist auch nicht zu verachten!

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
8

Ich habe mit den 13 1/2 Leben angefangen und muss sagen, dass ich im Bereich Fantasy wenig gelesen habe, dass mich so fasziniert hat. Der Ideenreichtum und die moderne Form humorvolle Märchen zu erzählen ist einfach unglaublich. Ich habe bisher nichts vergleichbares gefunden.

geschrieben von Dany
antworten  •  Link
9

@Dany: Ja, ich war von den Unmengen an Ideen in “Die Stadt der träumenden Bücher” auch überwältigt. Dadurch wurde es auch nie langweilig. Leider hab ich die anderen Bücher von ihm bisher auch noch nicht gelesen. Das wird aber unter Garantie nachgeholt!

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
10

könnt mir bitte jemand sagen von wem dieses gedicht stammt?

in tiefen, kalten, hohlen räumen
wo schatten sich mit schatten paaren
wo alte bücher träume träumen
von zeiten als sie bäume waren
wo kohle diamant gebiert
man weder licht noch gnade kennt
dort ist’s, wo jener geist regiert
den man den schattenkönig nennt.

hab das buch leider nicht gelesen..

geschrieben von ophelia
antworten  •  Link
11

@ophelia: Also das Gedicht wird auf jeden Fall im Buch verwendet. Ob es auch wirklich von Walter Moers stammt oder er es selbst nur zitiert, kann ich zwar nicht mit Sicherheit sagen, würde vom Inhalt her aber stark davon ausgehen, dass er es selbst erdacht hat!

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
12

ne glaub net, dass es von ihm ist…steht da nicht irgendson autor..er verwendet oft anagramme des richtigen dichters als name…bitte 🙁

geschrieben von ophelia
antworten  •  Link
13

Also mit dem Gedicht wird das Buch eingeleitet. Es ist aber nirgendwo ein Vermerk zu finden, dass es nicht von Moers geschrieben wurde. Normal müsste in so einem Fall ja eine Fußnote oder vorn im Buch ein Vermerk zu finden sein. Zudem gibt das Gedicht auch sehr viel der Geschichte wieder und ich glaube nicht, dass Moers sich von dem Gedicht hat inspirieren lassen. Davon steht auch nichts auf Wikipedia, wo ansonsten ziemlich detailliert über das Buch geschrieben wurde.

Ich bin mir also sehr sicher, dass es von ihm stammt. Man kann höchstens sagen, es sei von Hildegunst von Mythenmetz, seiner Hauptfigur im Roman. Aber selbst das glaube ich eher nicht, denn es wird eher wie ein altes Gedicht dargestellt, das sich die Bewohner Buchhaims über den Schattenkönig erzählen.

geschrieben von beetFreeQ
antworten  •  Link
14

okay dankeschön..hmm..

geschrieben von ophelia
antworten  •  Link
15

Das Gedicht ist natürlich von Colophonius Regenschein 😀

geschrieben von Kimba
antworten  •  Link
16

@Kimba Ich gebe dir sowas von Recht!
Von wem denn sonst, wenn nicht von ihm? ;D
(aber so ganz unter uns…eigentlich hat es doch der gute alte Moers geschrieben! xP)

geschrieben von Peggsi
antworten  •  Link
As soon as you're born, you start dying
So you might as well have a good time

Cake

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de blogoscoop Bloggeramt.de