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gelesen: Chuck Palahniuk – Snuff

We got shaved pecs and waxed pubes standing in line with a downs-syndrome softball team.
Asian, black, and spic dudes. A wheelchair dude. Something for every market segment.

Chuck Palahniuk - SnuffCassie Wright ist eine Pornoqueen, die ihre große Zeit längst hinter sich hat. In ihrem letzten Film will sie es nochmal beweisen und einen Weltrekord aufstellen, indem sie nacheinander mit 600 Männern schläft. Im Warteraum zu dieser Filmproduktion warten die Männer, von denen Nummer 72, 137 und 600 zusammen mit der Organisatorin Sheila abwechselnd die Geschehenisse und ihre eigene Vergangenheit schildern.

Nachdem ich Rant zuletzt so schnell durchlas und auf dem Weg nach Österreich kein neues Buchfutter auf die Schnelle parat hatte, kam es mir gerade recht, dass der Buchladen am Flughafen Palahniuk’s zweitneuesten Roman[1] im englischen Original rumstehen hatte. Mit knapp unter 200 Seiten ist dieses Buch auch wunderbar schnell gelesen.

Erneut lässt Palahniuk die Geschichte einer Figur (Cassie Wright) aus den Perspektiven verschiedener Menschen schildern. Anders aber als in Rant geht es hier aber nicht um eine komplette Biografie, sondern hauptsächlich um diese kurze Zeit des Filmdrehs und kurze Ausflüge in die Vergangenheit der insgesamt fünf Hauptdarsteller (Cassie und die Erzähler). Jede der erzählenden Personen hat einen völlig eigenen Charakter, der wunderbar mit den doch so unterschiedlichen anderen Protagonisten agiert und die Story voran treibt.

Der Begriff Snuff steht für das Filmen eines realen Mordes. Dementsprechend ist dies auch die spannende Komponente des Buches. Schnell wird klar, dass Cassie Wright ein Kind hat, das sie zur Adoption freigeben ließ und die Darsteller mutmaßen, sie wolle durch den fast unmöglichen Weltrekord und die damit verbundene sehr wahrscheinliche vaginale Embolie dahinscheiden und das Kind damit entschädigen und reich machen. Diese und andere Enthüllungen und Vermutungen, die Palahniuk geschickt in die einzelnen Erzählstränge einwebt, verwandeln die auf den ersten Blick langweilige Warterei im Greenroom in eine kaum auszuhaltende Spannung.

Trotz der Kürze des Buches, schafft der Autor es, sowohl die Charaktere durch ihre Geschichten mit Leben zu füllen, als auch tonnenweise Trivia aus der Film- und Pornobranche einzustreuen, die reale Tatsachen mit vielen satirischen Seitenhieben auf die Branchen vermischen, was vor allem in den Namen der genannten fiktiven Pornos zum Ausdruck kommt.

Die Sprache und Darstellung der bei dem Thema unumgänglichen Sexszenen ist kühl und direkt, teilweise mit Straßenslang versetzt und lässt alles andere als Erotik aufkommen. Das war aber auch nicht Palahniuk’s Ziel, denn vielmehr kommt der für ihn typische im hals stecken bleibende Humor zum Tragen. Böser kann Humor auch kaum sein und das sich in den letzten 20 Seiten förmlich vor Twists überschlagende Ende tut sein übriges, um dieses Buch zu einem bizarren, aber absolut köstlich lesbaren, spannenden Roman zu machen.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Wie gut die deutsche Übersetzung ist, kann ich wieder mal nicht sagen, ich vermute aber, das einiges allein durch die schwer übersetzbaren Wortspiele in den Filmtiteln auf der Strecke bleiben wird. Auf Chuck Palahniuks übrigens absolut lesenswerter Website gibt es interessante Infos zum Buch sowie einige Viral-Videos, die göttlich durchgedreht sind. Den gefaketen Filmtrailer zu Cassie Wright’s “The Wizard Of Ass” habe ich euch mal angehängt. Ebenfalls dabei: Branch Bacardi, seines Zeichens Mr. 600 aus dem Buch!

  1. der neueste heißt Pygmy und ist dieses Jahr erschienen []

Kommentare

1

Stimme dir fast komplett zu, aber Twists im Ende? Wer das Kind war, war doch relativ früh klar und sonst war da doch gar nichts, oder? Ansonsten finde ich, dass Palahniuk es sich zu leicht macht, wenn man mehr als ein Buch gelesen hat, lässt man sich nicht mehr so leicht schocken und ekeln, ist ja schon alles recht ähnlich bei ihm.

geschrieben von David
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2

@David: Also mir war nicht klar, wer am Ende wirklich das Kind war. Hab Palahniuk die Irreführung vielleicht zu leicht abgenommen und in dem Bereich gar keinen Twist erwartet. Ansonsten empfand ich es schon als Twist, wie alle Beteiligten am Ende davon gekommen sind – es sah auf den letzten paar Seiten immer wieder anders aus, finde ich.

Was den Ekel-/Schockfaktor angeht: OK, als Palahniuk-Kenner ekelt man sich sicher nicht mehr groß, aber das will ich an sich auch gar nicht. Wenn er mit jedem Roman die Ekel-Spirale höher drehen würde, hätte ich schon lang aufgehört zu lesen. Inhaltlich und vom Erzählstil her sind seine Romane aber konstant gut – und darauf kommt’s ja an.

geschrieben von beetFreeQ
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