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SPD – Skurrilste Parteien Deutschlands

Änderhaken
Creative Commons License photo credit: byteorder

Ich bin ja an sich nicht sehr politisch. Bis vor einem Jahr hab ich mich kaum für Parteien interessiert und hab mich immer grob an rot-grün orientiert. Mein politisches Interesse ist zwar mittlerweile nicht zuletzt dank Zensursula und so einiger anderer Politiker-Fails stark gestiegen und eher zu orange-grün gewandert, aber das soll hier eigentlich gar nicht Thema sein. Passend zur Bundestagswahl am 27.09. hab ich mich mal bei der Wikipedia umgeschaut und die skurillsten Parteien herausgesucht, die es in Deutschland bisher gab und teilweise sogar noch auf einigen Stimmzetteln gibt!

Ich habe bei meiner Auswahl der Parteien alle links- und rechtsextremen Vereinigungen absichtlich außen vor gelassen, weil ich diese Parteien nicht skurill sondern hochgradig bedenklich finde und ihnen hier definitiv kein Forum bieten will.

Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD)

Der Name wird vielen sicher ein Begriff sein. Eine Partei, wie sie durchgeknallter kaum sein könnte. Die Mitglieder der schon 1981 gegründeten Partei setzen sich für das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich, Abschaffung der Schulpflicht, Legalisierung aller Drogen, Balkanisierung Deutschlands, also der Aufteilung des Landes in Zonen für die drei Pogo-Rassen[1] und ähnliches ein, natürlich ohne irgendwelche stichfesten Argumente, wie das funktionieren soll.

Pikanterweise wurde die Partei mit so einem Programm zu verschiedenen Wahlen – darunter die Bundestagswahl 2005 inklusive eigenem Kanzlerkandidaten – zugelassen. Für 2009 wurde ihnen die Zulassung allerdings verwehrt.

Bayerische Heimat- und Königspartei (BHKP)

Die BHKP war eine sehr patriotische Partei, die in Bayern die Monarchie wieder einführen wollte. Sie wurde nach dem zweiten Weltkrieg 1946 begründet und erst von den amerikanischen Besatzern Bayerns zugelassen, dann aber auch gleich wieder verboten. Nach Ende der Besatzung gründete sich die Partei 1950 erneut, hatte aber keinen politischen Erfolg mehr.

Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)

Auf den ersten Blick sieht diese Partei noch recht normal aus, wirft man aber einen Blick in ihr Parteiprogramm, schlackern einem schnell die Ohren. Basierend auf der Voraussage, das internationalie Finanzsystem würde in naher Zukunft zusammenbrechen, fordert die Partei extreme Änderungen am Wirtschaftssystem. Man will das derzeitige monetäre Wirtschaftssystem durch physische Wertschöpfung ersetzen und erreichen, dass allen Menschen der Welt gleichmäßig die Möglichkeiten haben, einen hohen Lebensstandard zu erreichen. U.a. soll auch eine Trans-Rapid-Strecke entlang der Seidenstraße Europa und Ost-Asien verbinden.

An sich keine so schlechten Ideen, allerdings kommt es bei der Umsetzung zu interessantem Unsinn. Z.B. will man fast vollständig auf Kernkraft setzen sowie schwimmende kernkraftbetriebene Wasserentsalzungsanlagen einsetzen, um den Bedarf an Strom und Wasser zu decken. Passend dazu wird natürlich eine Klimaschutz-Politik abgelehnt und der Zusammenhang der Erderwärmung mit dem Treibhausgas CO2 geleugnet. Die nach ihrer Meinung gefälschten Zahlen diverser Gutachten seien nur eine Taktik der Bush-Regierung gewesen, um die Menschen durch die Angst vor dem Klimakollaps vom Irak-Krieg abzulenken…

Die Parteivorsitzende Helga Zepp-LaRouche tritt 2009 sogar als Kanzlerkandidatin an. Ihr Ehemann ist übrigens der amerikanische Politiker Lyndon LaRouche, der dort schon mehrfach erfolglos versuchte, als Mitglied der Demokraten zum Präsidentschaftskandidaten aufgestellt zu werden. Viele Kritiker sehen in den politischen Ansichten und Taten des Ehepaars sogar sektenähnlichen Charakter.

Christliche Bayerische Volkspartei (Bayerische Patriotenbewegung) (C.B.V.)

Im Vergleich zum Rest der hier genannten Parteien kommt die nur zwischen 1974 und 1988 als Abspaltung der Bayernpartei existierende C.B.V. ziemlich unspektakulär daher. Man konnte sie als typisch kreuz-konservative Partei für Bayerns Patrioten ansehen. Als Besonderheit ist aber ein Wahlwerbespot der Partei von 1987 zu nennen, in der die Partei forderte, das “undeutsche Negergebrülle in den Radios” durch “gesundes deutsches Liedgut” zu ersetzen.

CHRISTLICHE MITTE – Für ein Deutschland nach GOTTES Geboten (CM)

Christliche Parteien gibt es ja so einige, keine treibt es aber so weit wie diese. Ihr Ziel ist eine Ausrichtung Deutschlands “unter dem christlichen Sittengesetz nach Gottes Geboten”. Das bedeutet u.a. Verbot von Abtreibungen, praktizierter Homosexualität und jeglicher Pornografie, eine Abschaffung des Sexualkunde-Unterrichts an Schulen und Verhinderung von vorehelichem Geschlechtsverkehr. Außerdem ist die Partei gegen alle Art von Okkultismus und Esoterik, was u.a. auch Harry Potter und ähnliches einschließt.

Erfolg war der Partei und ihrer Vorsitzenden Adelgunde Mertensacker bisher nicht beschieden, wie die zumeist im Bereich zwischen 0,0 und 0,2% liegenden Stimmenanteile belegen. Mertensacker begründet dies mit dem Sittenverfall in Europa und der Aussage, das Programm der Partei sei sehr anspruchsvoll.

Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum (KPD/RZ)

Unter dem Namen KPD/RZ firmiert eine Spaßpartei aus Berlin Kreuzberg, die sich als “einzige demokratische Massenpartei der extremen Mitte” bezeichnet. Mehrere Berliner Bands wie die Ärzte und Terrorgruppe stehen der Partei nahe, erstere stellte mit Bela B. auch schon einen Spitzenkandidaten. Die Partei erreichte in Kreuzberg teilweise recht gute Ergebnisse, ist aber außerhalb nicht weiter aktiv. Eine der wohl denkwürdigsten Aktionen der Partei war eine Demonstration gegen nächtliche Ruhestörung, in der die Demonstranten nachts durch Berlin zogen, mit verschiedensten Utensilien Lärm verursachten und dabei “Ruhe! Ruhe!” riefen.

NATURGESETZ Partei (NATURGESETZ)

Nur zwölf Jahre existierte diese Partei, bis sie sich 2004 wieder auflöste. Mit ihrem Parteiprogramm war aber auch wirklich kein sonderlich großer Erfolg zu erwarten. Inhalt der Politik war nämlich das Verstehen von Naturgesetzen mithilfe von Transzendentaler Meditation. Dadurch wollte man die Gesundheitskosten der BRD u.a. um 50% senken.

Als klinge das nicht schon abgehoben genug, plante die Partei außerdem, gegen insgesamt 10000 Politiker Strafanzeigen zu stellen, um diese für Mitschuld an Verbrechen und Gesundheitsschäden, die durch Ignorieren der Bewusstseinstechnologien der TM entstanden seien, zur Rechenschaft zu ziehen. Auf insgesamt etwa 1500 Anzeigen, eine davon auch gegen den damaligen Bundeskanzler, brachte die Partei es dann immerhin, allerdings wurden sie ausnahmslos als haltlos zurückgewiesen.

Partei Bibeltreuer Christen (PBC)

Die PBC kann man fast als evangelische Variante der eher katholischen CM sehen. Ihre Ziele sind recht ähnlich, spricht allerdings nur von einer Ablehnung gegenüber Abtreibungen und Homosexualität. Dagegen will die Partei in der Schule Bibelunterweisungen und die Schöpfungslehre fest verankern. Sie will die Kuppelei bei Jugendlichen wieder unter Strafe stellen und sieht Gebete und die Verbindlichkeit biblischer Anweisungen als Möglichkeit zur Friedenssicherung und Abwehr von Gefahren gegenüber Deutschlands, die von der Parte vor allem im Islam gesehen werden.

Die Partei konnte bei Wahlen bisher meist minimal bessere Ergebnisse einfahren als die CM, ist in zwei Gemeinderäten vertreten und wird auch zur Bundestagswahl 2009 wieder antreten.

Partei der Nichtwähler (Nichtwähler)

Die Partei der Nichtwähler könnte die bei weitem stärkste Partei Deutschlands sein, wenn wirklich alle Nichtwähler als Stimme für sie zählen würden. Ihr Programm passt auch perfekt in das Thema der Nichtwähler, ist sie doch die einzige Partei, die ausdrücklich keinen Machtanspruch hat und so wenig Kandidaten wie möglich aufstellt, um möglichst viele Sitze im Parlament unbesetzt zu lassen. Sehr weit kam sie aber nicht. Zur Bundestagswahl 1998 brachte sie es nur auf eine Landesliste und wurde für folgende Bundestagswahlen nicht mehr zugelassen.

Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI)

Auch die PARTEI wird vielen sicher ein Begriff sein. Gegründet wurde sie 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic, was den ebenso parodierend-satirischen Charakter der Partei unterstreicht. Der Vorsitzende Martin Sonneborn und seine Kollegen geben sich bei allen öffentlichen Auftritten bewusst ernsthaft und haben im Grunde sogar ein größtenteils solides Parteiprogramm im Angebot, das sich aber bei genauem Hinsehen als satirisch herausstellt. Z.B. wird als letzter Punkt der Wiederaufbau der Berliner Mauer und aller weiteren Grenzanlagen zur ehemaligen DDR gefordert, um die neuen Bundesländer so zu einem abgeschotteten, entbürokratisierten Sonderbewirtschaftungszone zu machen.

Die PARTEI gibt an, mit jeder Partei außer der FDP koalieren zu wollen. Den Ausschluß der FDP begründet man mit der Aussage, man sei ja keine Spaßpartei! Zur Bundestagswahl 2009 wurde die PARTEI nicht zugelassen, obwohl sie bereits 2005 antrat und auch in einigen Landtagswahlen dabei war.

Spaßpartei für Deutschland (SPASSPARTEI)

2002 in Magdeburg gegründet, setzt sich die SPASSPARTEI gegen das Bild der Deutschen im Ausland als “jammernde Kreditquelle” ein. Um dieses Bild zu verbessern, will sie u.a. einen neuen jährlichen Feiertag – den Spaßtag – einführen, an dem alle Badeseen, Frei- und Hallenbäder kostenlos geöffnet haben sollen. Nachdem die Partei bei den Landtagswahlen 2002 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sogar aus dem Stand jeweils 0,7% der Stimmen bekam, wurde es ruhig um die Spaßpartei. Sie hat sich zwar wohl nicht offiziell aufgelöst, ist nach dem Austritt des Vorsitzenden Frank-Andreas Jütte aber derzeit nicht mehr aktiv.

Union nicht genug überdachten Lächelns trotz innerer Genialität (UngüLtiG)

Unschwer am Namen zu erkennen, kann man UngüLtiG als Spaßpartei bezeichnen. In den 80ern trat die Partei relativ erfolglos zur Kommunalwahl in Frankfurt an und wollte 1987 auch bei der Bundestagswahl antreten, wurde aber wegen fehlender Ernsthaftigkeit nicht zugelassen. Viel über ihre politischen Ziele konnte ich leider nicht herausfinden; der Name allein macht die Partei aber schon erwähnenswert.

  1. “Sichere Beschäftigungs-Zonen” für Leistungswillige, Asoziale Parasiten-Zonen für die leistungsunwilligen sowiee Gewalt-Erlebnis-Parks für Kriminelle []

Kommentare

1

Eine interessante Zusammenstellung, das muss ich schon sagen. 😀

geschrieben von cimddwc
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2

Hello, Wirklich interessant. Bin ein totaler Harry Potter Fan.

geschrieben von Ines, Harry Potter Fan
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3

Ja, hab ich mir auch gedacht! Ich war gestern irgendwie über die BüSo gestolpert und kam da auf die Idee, den Beitrag zu schreiben. Dass es aber wirklich so viele und stellenweise wirklich extrem abgedrehte Parteien gibt, hatte ich gar nicht erwartet!

geschrieben von beetFreeQ
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4

Büso eine Sekte?

Ich beschäftige mich seit ca. 2 Jahren intensiv mit einigen Parteiprogrammen u.a. dem der Büso.
Ich kann bestätigen, das unser Wirtschafts- und Finanzsystem, wie Frau Zepp-LaRouge (Kanzlerkandidatin) sagt kurz vor einem gewaltigen Kollaps und einer nie dagewesenen Neuordnung steht.
Beachten Sie hierzu auch folgende Seiten:
http://www.berndsenf.de
http://www.meudalismus.dr-wo.de
http://www.monetative.de
http://www.nuoviso.tv

Schauen und staunen. Aber erschrecken Sie nicht. In der neuen Legislaturperiode kann alles nur noch besser werden (vorausgesetzt wir haben mal wieder einen verfünftigen Kanzler/in).

geschrieben von Peter Schütz
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5

Nachtrag zu meinem vorherigen Post:

Ich bin übrigens weder Parteimitglied, noch von irgend einer sonstigen Lobby “abhängig”.
Doch ich finde, bevor man über irgend eine Partei ablästert, sollte man sich intensiv inhaltlich mit dessen Programm auseinander setzen. Die Büso hat auch eine gute Internetseite:
http://www.bueso.de

Hier finden regelmässige Web- und Podcasts zur aktuellen wirtschaftlichen Lage statt. Frau Zepp-LaRouge stellt sich den Fragen und gibt antworten.
Sowas sucht man bei Mrs.SteinMerkel und Mr. Steineier wirklich vergeblich!
Die schweigen lieber und machen alles möglichst schön bunt und rosig, damit sie wiedergewählt werden.

Lyndon LaRouge ist übrigens ein in anderen Ländern (z.B.China, USA) ein angesehener Ökonom. Er hat die aktuelle Wirtschaftskrise bereits vor 20 Jahren vorausgesagt, ist leider aber immer an der nicht enden wollenden Geldgier der WallStreet abgeprallt. Schade!
Übrigens: Den sog. “großen” Parteien in Deutschland traue ich nicht mehr, die sind alle gekauft, ebenso wie die sog. Massenmedien. Vergleicht man die wirtschaftliche Situation Deutschlands mit der von 1928 wird sehr schnell deutlich, das wir uns in der rasantesten wirtschaftlichen Talfahrten des letzten Jahrhunderts befinden. Wacht mal auf !!!
Weder auf den Internetseiten der großen Parteien, noch in den MainstreamMedien wird davon berichtet. Ebenso nicht über die riesigen Demonstrationen mit einer Million Menschen, die zur Zeit in den USA stattfinden.

Übrigens habe ich noch einen interessanten kleinen Film:
“Was ist Geld” (3 x 5min.) auf Youtube.com oder
Lösungen für das ganze Dilemma findet man u.a. bei
http://www.monetative.de

Schöne Grüße

geschrieben von Peter Schütz
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6

Ich habe nur Aussagen gesammelt, die man über die Parteien im Internet – allen voran Wikipedia – findet. Den sektenähnlichen Charakter habe ich der Partei nicht angedichtet. Davon abgesehen ist mir deren Programm einfach zu abgehoben und wirkt auf mich einfach realitätsfremd. Dass es irgendwann wieder in der Finanzwelt krachen würde, war abzusehen, dass die LaRouches das vorausgesagt haben, wäre kein Grund für mich, sie zu wählen. CDU und SPD sind für mich allerdings ebenso unwählbar!

geschrieben von beetFreeQ
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7

Nicht skurril, aber dafür interessant ist folgende Statistik, finde ich.

Per 16. März 2011 waren die 10 besucherstärksten Homepages deutscher Parteien:

1. Piratenpartei (piratenpartei.de, Rang 2.137)
2. Grüne (gruene.de, Rang 5.189)
3. SPD (spd.de, Rang 5.878)
4. CDU (cdu.de, Rang 7.548)
5. Die Linke (die-linke.de, Rang 9.018)
6. NPD (npd.de, Rang 9.610)
7. CSU (csu.de, Rang 9.921)
8. ddp (ddp-partei.de, Rang 14.361)
9. pro-NRW (pro-nrw.net, Rang 18.470)
10. FDP (liberale.de, Rang 20.355)

Grundlage ist das alexa-Ranking (alexa.com), das u.a. aus der Zahl der Besucher, der Zahl der Seiten pro Besucher und der Verweildauer berechnet wird. In die Rangliste einbezogen wurden alle Parteien, die beim Bundeswahlleiter registriert sind und seit der Wiedervereinigung an Landtags- oder Bundestagswahlen teilgenommen haben. Die genauen Rangzahlen ändern sich täglich, aber wer die Homepages bei alexa.com eingibt, kann nachprüfen, daß die Reihenfolge stimmt.

geschrieben von kettensprenger
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