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Musica Obscura Vol. 7 – Kellerleichen

Die buchstäbliche Leiche im Keller nehme ich heute mal zum Anlass, mir die Frühwerke von wegweisenden Musikern anzusehen, die später riesige Erfolge feierten (und teilweise noch feiern). Oftmals fingen diese in ganz anderen Genres an, als man sie heutzutage kennt. Die ersten Alben einer Band oder eines Künstlers gelten oft entweder als bestes Werk oder sind die vergessenen Scheiben vor dem großen Durchbruch. In jedem Fall können sich die Frühwerke der folgenden Künstler aber absolut hören lassen und stehen den großen Hits in nichts nach oder überflügeln diese in meinen Augen sogar!

http://www.youtube.com/view_play_list?p=9C9A0F3441A04B62

David Bowie – Rubber Band (1966)

Bowie feierte seine größten Erfolge in den 70ern und 80ern, war aber schon seit Mitte der 60er aktiv und veröffentlichte sein selbstbetiteltes Debüt-Album 1967. Dass es dazu kam, war u.a. dem überraschend experimentellen Folk-Pop-Song “Rubber Band” zu verdanken, den er zusammen mit zwei weiteren Stücken aufnahm, um damit auf die Suche nach einem Plattenlabel zu gehen. Als Single war das Stück zwar ein Flop, das Label “Deram” nahm Bowie damit aber unter Vertrag und veröffentlichte sein Album, auf dem dieses Stück neu aufgenommen[1] enthalten ist.

Pink Floyd – Lucifer Sam (1967)

Pink Floyd hatten ja verschiedene Phasen, in denen sie ihren Stil immer wieder neu erfanden und verfeinerten. Ihr erstes Album “The Piper at the Gates of Dawn” war aber gespickt mit typischen Songs im psychedelischen Garage-Rock-Sound der 60er. Lucifer Sam – ein Song über die Katze von Syd Barrett, der den Song schrieb und sang – ist dabei ein besonderes Kleinod, das die Band nur 1967 live als Zugabe spielte und dann in der Versenkung verschwand.

Genesis – The Serpent (1969)

Hinter der Band Genesis, die viele fast nur noch als Vehikel für Phil Collins und die späten eher langweiligen Rocksongs kennen, stehen auch schon vierzig Jahre Geschichte. Lang bevor Collins als Schlagzeuger der Band begann, schrieben Peter Gabriel und Tony Banks als 14-jährige diesen Song vorerst unter dem Namen “She is Beautiful”, der angeblich ihr erstes Stück gewesen sein soll. Namentlich passend zur biblischen Genesis wurde er in “The Serpent” umbenannt und stellt den wohl progressivsten und besten Song ihres doch ziemlich mittelmäßigen Debut-Albums “From Genesis To Revelation”, der dieser Band den Wegin die genialen Werke der 70er weisen sollte.

Udo Lindenberg – Paradise Now (1971)

Mit Udo Lindenberg konnte ich lange Zeit nichts anfangen, bis ich dann dieses Stück aus seinem nur aus sechs Songs bestehenden Debut-Album “Lindenberg” hörte. Damals noch auf englisch singend, fröhnte Udo hier in bester Manier dem Krautrock und leitet das Stück erstmal mit einem langen psychedelischen Intro ein, bevor es dann richtig losgroovt. Das Album floppte und auch dem Nachfolger “Daumen im Wind” war noch nicht viel Erfolg beschieden, den er aber wenig später mit dem dritten Album “Andrea Doria” einfahren sollte. Mir persönlich gefällt aber sein ganz früher Stil am besten.

Kraftwerk – Ruckzuck (1971)

Bevor die Band Kraftwerk 1973 mal eben den Elektro-Pop begründeten und zu einer der größten deutschen Bands wurden, hatten sie bereits drei Alben als eher akustisch orientierte Krautrocker hinter sich. Zwar distanziert sich die Band heute von dieser Zeit, dennoch sind ihre Frühwerke nicht minder kreativ und wegweisend, teilweise sogar weit experimenteller als alles, was die Band später hervorbrachte, wie “Ruckzuck” vom selbsbetitelten Debut-Album beweist. Überraschenderweise war der Band aber auch damals schon Erfolg gegönnt und so zogen sie mit dem Album in die deutschen Album-Charts. “Ruckzuck” wurde sogar als Titelmusik der Fernsehsendung “Kennzeichen D” verwendet. Die Zeiten, zu der solche experimentelle Musik im Rampenlicht stand, sind allerdings leider lange vorbei…

Tom Waits – Ice Cream Man (1973)

Tom Waits ist bis heute zwar kein Weltstar mit größten Chartsruhm, hat sich aber über die Jahrzehnte zu einem Kultsänger entwickelt, der vor allem mit seiner rauchigen Stimme und den ungewöhnlichen Arrangements seiner Musik aufzufallen weiß. In den frühen 70ern sah die Sache aber noch ganz anders aus und Tom tingelte eher erfolglos als Barmusiker durch die Lande. Sein Debut-Album “Closing Time” erntete mit seinem relativ klassischen Stil zwischen Folk, Jazz und Blues zwar gute Kritiken, verkaufte sich aber nur schleppend, was sicher nicht zuletzt daran lag, dass ihm seine durch den exzessiven Alkoholkonsum verliehene rauhe Stimme zu der Zeit noch fehlte. Dennoch können seine frühen Stücke überzeugen, denn sein Handwerk beherrschte Tom damals schon perfekt!

The Birthday Party – Release The Bats (1981)

Den Namen “Birthday Party” werden jüngere Leser vermutlich eher nicht mit Musik in Verbindung bringen, den Namen “Nick Cave” dafür aber umso mehr. Zur Blüte des Post-Punk fand sich Nick Cave mit Mick Harvey und anderen Musikern zusammen und gründete die Band, die anfangs viele Namensänderungen hinter sich brachte und als “The Boys Next Door” ihr Debut-Album veröffentlichte. 1983 trennte sich die Band auch schon wieder, hinterließ aber trotz des fehlenden Erfolgs zur damaligen Zeit wichtige Spuren und gilt heute als eine der einflussreichsten Post-Punk-Bands. “Release The Bats” ist zwar nur als Bonus-Track ihres letzten regulären Albums verfügbar, stellt aber einen der besten Songs der Band dar.

Beastie Boys – Jimi (1982)

Dass die Beastie Boys ihre Karriere als Hardcore-Punk-Band startete, dürfte nach diversen Wiederveröffentlichungen alter Stücke und der Tatsache, dass die Band diese Musik heute auch immer noch gern live spielt, den meisten bekannt sein. 1979 unter dem Namen “The Young Aborigines” gegründet, machte sich die Band langsam einen Namen in der Hardcore-Szene und spielte bereits als “Beastie Boys” 1982 ihre EP “Polly Wog Stew” ein. Nur wenig später wandelte sich die Band aber unter Produzent Rick Rubin zu der heute bekannten Rap-Band und feierte große Erfolge. Während ich weder Rap noch Hardcore-Punk an sich viel abgewinnen kann, kann mich die Band aber in beiden Phasen überzeugen. Der Jimi Hendrix Tribut “Jimi” ist mein Favorit aus ihrer Punk-Ära.

  1. bei der Version im Video handelt es sich auch um diese Album-Version []
Excuse me
But I just have to Explode

Björk

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