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gelesen: Chuck Palahniuk – Rant (Das Kainsmal)

There’s worse ways to be dead than dying.

RantIn Form einer mündlichen Biographie wird das Leben des jung verstorbenen Buster “Rant” Casey geschildert, einem Jungen, der mit einem übermenschlich guten Geschmacks- und Geruchssinn auf die Welt kommt. In seiner Kindheit findet er Gefallen daran, sich von tollwütigen Tieren beißen zu lassen und entwickelt dabei eine Art Immunität. Als er im jungen Erwachsenenalter in die Stadt zieht und mit Freunden gefährliche Auto-Crashrennen fährt, bringt er eine Tollwut-Epidemie über die Menschheit, die zombiehafte Züge annimmt.

Chuck Palahniuk ist schon seit seinem ersten und bekanntesten Roman “Fight Club”[1] für seinen ausgefallenen Stil und seine durchgedrehten Ideen bekannt. Allen seinen Büchern sind rohe, tabubrechende Passagen und absolut bitterböser Humor gemein. Eben diese Zutaten treibt er in diesem Buch auf die Spitze.

Jedes Kapitel dreht sich um einen Lebensabschnitt Rants oder die Epidemie, die er auslöst und wird durch Erzählungen seiner Freunde, Verwandten, Feinde und Außenstehender dargestellt. Jede dieser Figuren hat ihre eigene Persönlichkeit und Sichtweise der Dinge, was es zu Anfang nicht grad leicht macht, der Geschichte zu folgen. Palahniuk lässt den Leser lang über den eigentlichen Kurs im Unklaren, den sein Buch nehmen wird, lässt ihn immer wieder über Twists oder Erkenntnisse stolpern, die das vorher gelesene wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Das erste Drittel des Buches, in dem hauptsächlich Rants Kindheit geschildert wird, ist dementsprechend etwas verwirrend und hält hauptsächlich durch stellenweise ekelhafte, aber durch die einzelnen Personen genial dargestellte Szenen bei der Stange. Sobald Rant aber die Flucht in die Stadt antritt, welche sich als dystopische Szenerie mit einer durch Ausgehsperren getrennten Zweiklassengesellschaft entpuppt, nimmt die Geschichte spürbar an Fahrt auf.

So genial bildlich Palahniuk’s Sprache auch trotz der verschiedenen Personen ist, die er darstellt, so unmöglich verfilmbar wäre diese Geschichte[2]. Man muss sie gelesen haben. Und ich kann das Buch nur allen wärmstens empfehlen, die sich nicht so leicht ekeln, aber für durchgedrehten, anarchistisch-intelligenten Spaß zu haben sind, in dem mehr steckt, als man meint.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Ein paar Audio-Proben und weitere Infos zum Buch sind u.a. auf dieser Flash-Seite und Palahniuk’s offizieller Website zu finden! Ich habe das Buch übrigens auf englisch gelesen, ob Werner Schmitz Chuck’s genialen Umgang mit der englischen Sprache in “Das Kainsmal”[3] gut ins deutsche übertragen hat, kann ich leider nicht sagen.

  1. von David Fincher mit Brad Pitt und Edward Norton in den Hauptrollen kongenial verfilmt []
  2. Hollywood arbeitet aber dennoch daran, mich zu widerlegen – ich kann nur hoffen, dass sie es im Stil einer fiktiven Dokumentation versuchen. []
  3. deutscher Titel des Buchs []

Kommentare

1

Sehr cooles Buch, vorallem der Erzählstil gefällt mir sehr gut. Mal was anderes. Palahniuk gehört schon seit langem zu meinen lieblings Autoren. Und ich mag besonders die ersten Kapietel, wo von seiner Jugend gesprochen witd.

Zur weiteren Recherche empfehle ich dir einen Blick in “Die Kolonie”. Das beste Buch was ich bisher von Palahniuk gelesen habe. Hier das erste Kapitel davon, bei dessen Lesungen mehr als 70 Personen ohnmächtig geworden sind: http://chuckpalahniuk.net/features/shorts/guts

geschrieben von kamil
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2

Ja, von “Die Kolonie” und der berüchtigten Lesung hab ich auch schon gehört. Das werde ich mir demnächst sicher auch mal holen. Ich hab mir jetzt aber erstmal auf die Schnelle seinen aktuellen Roman “Snuff” gekauft. Da geht es um eine Pornodarstellerin, die in einer Nacht mit 600 Männern schlafen will, um einen Weltrekord zu brechen. Einer davon will sie aber wohl umbringen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der drei ziemlich unterschiedlichen Männer mit den Nummern 72, 137 und 600 sowie der Managerin Sheila, was das Ganze schon wieder ziemlich abgedreht macht. Mit 200 Seiten ist das Buch aber sicher auch schnell durch…

geschrieben von beetFreeQ
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3

kenn ich doch 😉

Habe doch fast die ganze Bibliothek von dem hier stehen.

geschrieben von kamil
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4

Da komm ich noch nicht ganz hinter her. Außer Rant hab ich bisher nur Fight Club und Survivor gelesen. Da mich aber jedes der drei begeistert hat, werd ich die anderen natürlich auch bald nachholen!

geschrieben von beetFreeQ
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