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Filmkritik: District 9

Get your fokkin’ tentacle out of my face!

District 9

District 9 ist ein Slum in Johannesburg. Was ihn ungewöhnlich macht, sind seine Einwohner, denn dort leben mehr als eine Million Aliens, gestrandet auf der Erde, als ihr Raumschiff notlandete und seit 28 Jahren unbeweglich über dem Slum schwebt. Die Differenzen zwischen Menschen und Aliens eskalieren in den Jahren immer mehr und so wird versucht, die Aliens in einen neuen Slum außerhalb der Stadt umzusiedeln. So wird uns die Vorgeschichte im Stil einer Dokumentation präsentiert. Wikus Van De Merwe ist als Agent der Regierung dafür zuständig, die Aliens auf die Umsiedelung vorzubereiten, kommt dabei aber mit einer seltsamen außerirdischen Chemikalie in Kontakt…

Ich ging relativ unvorbereitet an diesen Film heran. Zwar wusste ich von dem Dokumentations-Stil und der groben Ausgangslage, hatte aber keine Ahnung, welchen Verlauf die Geschichte nehmen und wer überhaupt die Hauptperson sein würde. Mehr Vorwissen war auch nicht nötig, denn man wird schnell in die faszinierende Idee einer Dokumentation über eine Alienrasse im Slum von Südafrika hineingezogen. Allerdings ist nicht der gesamte Film in dem Stil gedreht, in der Mitte verläuft der Großteil der Story abseits der Kameras eines fiktiven Filmteams. Anfangs fand ich das schade, nachdem ich den Film nun aber komplett gesehen habe, denke ich, es war der beste Weg, die Kombination aus Authentizität einer Doku und Erzählfluss eines Spielfilms zu ermöglichen.

Neill Blomcamp war vor diesem epischen Sci-Fi-Streifen vor allem für die Special Effects in Serien wie Stargate SG1 oder Smallville zuständig. Nachdem Peter Jackson seinen Kurzfilm “Alive in Joburg” sah, der der direkte Vorläufer von “District 9″ ist, bekam Blomcamp ein Budget von 30 Millionen Dollar an die Hand, das zwar für einen Streifen dieser Art relativ wenig ist, von ihm dank seiner Erfahrung perfekt genutzt wurde. Zu keiner Zeit wirken die Aliens oder ihre Technologie aufgesetzt, alles wirkt glaubwürdig und durch die wackelnden Doku-Kameras bekommt der Film eine absolut fesselnde Atmosphäre.

“District 9″ ist nach “Cloverfield” bereits der zweite Sci-Fi-Film, der aus dem typischen Stil ausbricht und die Zuschauer auf ganz andere Weise fordert. Im direkten Vergleich macht Neill Blomcamp aber einiges besser als J. J. Abrams und gibt seinem Film weit mehr Tiefe, von der Wahl des Schauplatzes über die frühe Einbindung der Sci-Fi-Komponente und die vielen sozialkritischen Seitenhiebe.

Allein die Idee, den Film nicht in einer großen Stadt der USA sondern direkt in Afrika zu drehen und dabei die Aliens als ausgebeutete und unterdrückte Rasse darzustellen, sorgt für ein verstörend verzerrtes Szenario, in dem sich intelligentes Schauspiel mit absolut mitreißender Action abwechselt. “District 9″ ist das erhoffte Meisterwerk für das darbende Sci-Fi-Genre und wird hoffentlich die Initialzündung sein, die uns noch mehr solche intelligenten Storys beschert, denn die braucht das zuletzt auf stumpfe Popcorn-Action abgestumpfte Genre dringend!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

http://www.youtube.com/watch?v=VjihaK7HfGs

Kommentare

1

Ja in der Tat, ein ungewöhnlicher Film, den ich zusammen mit meiner Freundin gesehen habe. Auch ich bin mit ähnlich spärlichen Informationen in den Film gegangen und kann mich noch nicht recht entscheiden zwischen Begeisterung und Enttäuschung. Sehr angenehm finde ich das verwirrende Spiel mit dem Rassismus, bei dem sich irgendwie niemand entscheiden kann wen er nicht mag, nur alle sind sich einig die Aliens nicht zu mögen.

Interessant ist die Mischung aus Doku und Film ja, aber für mich sind das zwei Sachen, die nur bedingt zueinander passen. Immerhin ist District 9 bis jetzt der beste Versuch in diese Richtung. Die teilweise sehr guten Action-Sequenzen sind eine absolute Bereicherung die aus dem Anfangs verwirrenden Hin- und Her einen Film machen, trotzdem würde es für mich nicht zu so einer hohen Wertung führen, aber hier trennen sich die Geschmäcker. Auf jeden Fall eine tolle Kritik

geschrieben von Robert
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2

@Robert: Danke erstmal! Ja, die Mischung aus Doku und Spielfilm ist ja für viele ein Kritikpunkt, aber ich finde, dass der Film nur in dieser Mischung so gut funktioniert. Wäre es eine reine Doku, hätte man die Story nicht lückenlos und so rasant erzählen können. Der Film wäre auch zu trocken geworden. Ohne die Doku-Sequenzen hingegen wäre in meinen Augen sehr vil von der Intensität verloren gegangen, die gerade dadurch entsteht, dass man mit dem Doku-Team mitten im Geschehen ist.

geschrieben von beetFreeQ
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Trackbacks/Pingbacks

1

[…] denn die braucht das zuletzt auf stumpfe Popcorn-Action abgestumpfte Genre dringend!” (freeQnet) “Weitgehend interessantes Rassismus-Drama im SciFi-Look, dessen Story mir zwar nicht wirlich […]

gesendet von Filmkritik: District 9 « Kreativrauschen
Kein Wind bewegt die Stille,
die Luft ist regungslos,
als wenn die Welt an diesem Ort in ihrem Atmen innehält

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