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Filmkritik: Inglourious Basterds

You probably heard we ain’t in the prisoner-takin’ business. We in the killin’ Nazi business. And cousin, business is a-boomin’.

Donny Donnowitz (Eli Roth) und Aldo Raine (Brad Pitt) markieren einen Nazi

Als ich vor Jahren das erste Mal von Tarantino’s Plänen hörte, er wolle einen Kriegsfilm drehen, schreckte mich das eher ab, konnte ich doch bisher nicht viel mit dem Genre anfangen. Der aus den Plänen mittlerweile entstandene Film ist aber alles andere als ein typischer Kriegsfilm. Er ist auch kein Historienfilm, kein Actionstreifen, keine Komödie, kein Drama. Er ist ein Tarantino – durch und durch!

Unterteilt in fünf Kapitel werden zwei Geschichten erzählt. Eine dreht sich um das jüdische Mädchen Shoshanna Dreyfus (toll gespielt von Melanie Laurent), das nur knapp der Ermordung durch die Nazis entkommt. Als sie später unter neuer Identität als Kinobesitzerin die Gelegenheit hat, die Premiere des neuen Propaganda-Streifens “Stolz der Nation” mit Anwesenheit des kompletten Nazi-Führungsstabs in ihrem Saal auszurichten, sinnt sie auf Rache. Geschichte zwei folgt hingegen der jüdisch-amerikanischen Spezialeinheit mit dem Namen “Basterds” unter der Führung von Aldo Raine (Brad Pitt), die auch von der Filmpremiere Wind bekommt und ihre eigenen Pläne zur Beseitigung Hitlers hat.

Wie der kurze Anriss des Inhalts schon andeutet, schert Tarantino sich einen Dreck um historische Fakten und nutzt den zweiten Weltkrieg nur als Kulisse für seine eigene Realität. Wird das von Historikern gar nicht gern gesehen, so ist es doch die schon lang überfällige Wende im Umgang mit dieser Vergangenheit. Tarantino lässt seine Schauspielerriege bestehend aus unterschiedlichsten Nationalitäten und Glaubensrichtungen durch einen Nazi-Western wandeln, wie es wohl kein anderer hinbekommt.

Fast 160 Minuten dauert das Spiel, und keine davon ist vergeudet. Wer einen actiongeladenen Film erwartet, wird enttäuscht, wer ein vor Zitaten und Hommagen übersprudelndes Kammerstück sucht, ist hier genau richtig. Stellenweise hat man sogar das Gefühl, der Film sei speziell an uns Deutsche gerichtet, entdeckt man doch an jeder Ecke bekannte Gesichter und kann sich über Details wie Winnetou oder “Ich wollt ich wär ein Huhn” freuen, mit denen ein Amerikaner so gar nichts anfangen kann.

Die Darsteller, die Tarantino um sich versammelt hat, passen größtenteils perfekt in ihre Rollen. Brad Pitt hat in der Rolle des Aldo Raine zwar kaum Gelegenheit zu brillieren und auch der Rest seiner Basterds wie auch Til Schweiger als schweigsamer deutscher Nazikiller kommt recht skizzenhaft daher. Dafür können vor allem Melanie Laurent und Christoph Waltz als psychopathischer, aber wohlerzogener Judenjäger Hans Landa mehr als überzeugen. Einzig wirklich negativ aufgefallen ist mir Diane Kruger als deutsche Schauspielerin Bridget von Hammersmark, die leider verdammt hölzern und künstlich rüberkam. Eine kleine Hoffnung habe ich aber noch, dass dieser Faux Pas eher der Synchro geschuldet ist, die bis auf ihre Stimmen ansonsten aber überraschend gut gelungen ist.

Ob Tarantino hier sein Meisterwerk abgeliefert hat, mag ich nach einer Sichtung noch nicht zu beurteilen. Der Film ist trotz der für ihn überraschend langsamen und ruhigen Szenen derart vollgeproppt mit Details, dass es schwer fällt, alles auf einmal in sich aufzunehmen. Ich kann auf alle Fälle sagen, dass mir “Inglourious Basterds” einen furiosen Kinoabend bescherte und ich mich nach einer zweiten Sichtung im englischen Original sehne.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Kommentare

1

Also wirklich :

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Ich komme doch gerade vom Reader hier her.

Zum Film : Ich fand, der Film war mal ganz großes Kino, nicht weil er mit deutschen Schauspielern gespickt war, sondern die Story war klasse. Klar, die Geschichte des 2. Weltkrieges wird nicht original wiedergegeben, aber das ist auch nicht der Anspruch, sondern eher wie die Geschichte auch hätte ausgehen können, vielleicht in einem Paraleluniversum.

Mir ist aber aufgefallen das ich so gut wie kaum Mitleid mit den Nazis hatte als sie so gemeuchtet wurden, wobei dies auch nur Mord war und die Charaktere nicht namenlos waren. (Hermann ?)

Aber der Charakter Hans Landa fand ich ebenfalls sehr gut ausgebaut und noch besser gespielt.

geschrieben von Sebastian
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2

@Sebastian: Huch – da muss ich mal gucken, ob ich irgendwie verhindern kann, dass der Google-Reader auch als Google angesprochen wird… – ist natürlich nicht Sinn der Sache!

Ja, das Mitleid ist so eine Sache – generell hatte ich auch keins mit den getöteten Nazis. Die Szene in der Kellerkneipe ging mir aber schon ein bisschen an die Nieren. Viele werfen Tarantino ja vor, dass er weder die Deutschen allgemein noch die Juden gut dastehen lässt, aber das sehe ich nicht so – zwar hat der Film nicht viele moralische Untertöne, ist dagegen aber auch derart überzogen dargestellt, dass er allein deshalb schon als Unterhaltung ohne Realitätsbezug gesehen werden sollte. Tarantino wollte hier keine Gruppen als die tollen Hechte darstellen sondern einfach eine abgedrehte Geschichte erzählen. Dafür ist er einfach zu sehr im Trash-Kino verwurzelt!

geschrieben von beetFreeQ
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3

Aus den Kommentarabo heraus kam ebenfalls eine Meldung das ich doch abonnieren sollte.

Es stör mich ja nicht das dein Blog es mir so sagt, wollte ich nur mal anmerken das es so ist.

Zum Film : Die Sache mit den Mitleid ist schon eine komische Sache, denn auch wenn Personen Nazis sind sind es immer noch Menschen.

Am auffallendsten ist es in der Kellerkneipe als die Charaktere der Nazis ausgebaut wurden. Dumme Fußsoldaten die einfach nur Soldaten sind und eine Party feiern weil einer den Maxi gezeugt hat und dann eskaliert die Situation einfach.

Die haben mit allem nichts zu tun und sterben trotzdem, ebenso wie die Kneipenbesitzer. Das ist schon heftig weil diese Personen unbeteidigte sind in der Sache in dem Augenblick.

Ebenso die Schlussszene in der vom Balkon runtergeballert wird ist ebenso heftig, da sollte sich schon eine Frage der Moral stellen, denn es wird einfach nur getötet.

Es kommt aber wahrscheinlich daher das der Film in diesem Nazi Thema angelegt wurde das sich dadurch überhaupt die moralischen Fragen stellen. In einem normalen Thrash Film würde sich die moralische Frage wahrscheinlich gar nicht auftuen.

Am Ende kommt als Fazit wahrscheinlich heraus das niemand wirklich auf der Seite der Guten steht, sondern nur auf der Seite der Gewinner.

Die einzigen Szenen die mich betroffen gemacht haben war die Eröffnungsszene auf den Bauernhof und das die Dame im Kino nicht überleben durfte.

Trotzdem ein Film der mir Spass gemacht hat und gut mich unterhalten hat. So hätte der Krieg enden können.

geschrieben von Sebastian
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4

@Sebastian: Ja, an sich soll die Anzeige immer kommen, wenn jemand über einen Link auf einer anderen Seite herkommt. Allerdings soll auch per Cookie gespeichert werden, ob man schon mal da war und der Kasten dann nicht wieder angezeigt werden – und das klappt nicht so wirklich, fürchte ich…

Dass man sich diese moralischen Fragen vielleicht nur stellt, weil’s ein hochkarätig besetzter Film im zweiten Weltkrieg ist, hab ich so noch gar nicht gesehen. Aber du hast an sich recht! Bei einem Trashfilm würde sich vermutlich keiner dran stören.

geschrieben von beetFreeQ
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5

Kellerszene: Absolut, da hatte man eigentlich das einzige Mitleid mit den Nazis. Beim Balkon dagegen kann man sich ja mit “Sind ja alles Offiziere, Offizielle und Co.” rechtfertigen.

Btw: War Tilly wirklich ein Jude im Film? Als Ex-Nazi? Ich dachte, der wäre nur dabei, weil er halt so gerne Offiziere schlitzt. 😉

geschrieben von Tom
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6

@Tom: Hmm, stimmt, jetzt wo du’s sagst – finde auch sonst nirgends die Aussage, er sei selbst Jude – wäre ja an sich auch komisch, wo er anfangs ja SS-Offizier war. Hab’s oben mal schnell geändert!

geschrieben von beetFreeQ
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7

Sehr geiler Film…mir hat ein wenig Tarantinostyle gefehlt…aber insgesamt, gut!

geschrieben von Schaps
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8

@beetFreeQ: Vll speichert mein Browser ToGo nicht die Cookies.

Zum Film : Stellt sich eine moralische Frage bei den Rambo Filmen wenn der irgendwo Leute abmurkst ?

In der Kellerszene ist es nur ein Trottel, der gerade Vater geworden ist, da kommt die Moral durch sein Kind wahrscheinlich das ohne Vater aufwächst.

Als Daniel Brühl stirbt (sein Filmcharakter) habe ich kein Mitleid, denn er zeigte da kurz vorher sein wahres Gesicht.

Im Theater vom Balkon finde ich einfach das moralische Problem das es Menschen sind die um ihr Leben rennen und dabei abgeknallt werden.

Oder nennt man sowas “Auf der Flucht erschossen “?

Till spielt einen deutschen der Nazis mordete. In der SS war man kein Jude, ging doch nicht.

Der ist ein Überläufer.

Interessant finde ich aber das der Film mehr bewegt und erreicht als der Film von Tom Cruise.

Die Leute denken mal wieder drüber nach wie es damals so war.

geschrieben von Sebastian
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9

Wenn dieser Film ist wie “Pulp Fiction”, dann muss ich ihn unbedingt sehen! Die Nazithema gefällt mir nicht so viel, besonders wenn Amerikaner das gemacht haben, aber mal sehen wir, was sie getan haben!

geschrieben von Alexa
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10

Mal so neben bei, wenn man diesen Film in der Synchro sieht verpasst man doch das beste! Der Original-Film ist zu über 50% auf deutsch und französisch, und es sind eine herrliche Anspielungen auf unauthentische multilinguale Hollywoodfilme drin, die anders als Tarantino ja meistens einen Ami im krummen deutsch (o.ä.) daher stammeln lassen. Die multilingualität ist meiner Meinung nach mit das genialste an Inglourious Basterds!

geschrieben von adastra
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11

@Schaps: Was fehlte dir denn da? Das war Tarantino-Stil in Reinform!

@Sebastian: Rambo ist ein gutes Stichwort. Und da kommt Tarantino’s Film ja noch ne ganze Ecke überzogener daher.

Tom Cruise konnte mit seinem Streifen ja nur ein paar Aufreger verbuchen, weil sich ein Scientologe als deutscher Held aufspielt. Da der Film aber wohl doch ziemlich trocken die Geschichte darstellt, war er auch schnell wieder vergessen. Aber gerade weil Tarantino den zweiten Weltkrieg aufarbeitet wie niemand zuvor, bleibt sein Film sicher noch ne Weile im Gespräch!

@Alexa: Auf alle Fälle sind sie mit dem Nazithema anders umgegangen, als alle anderebn Filme vorher! 😉

@adastra: Ja, deshalb will ich den Film auch unbedingt noch im Original sehen. Leider gab’s hier in der Gegend keine andere Möglichkeit – zudem machen bei uns nach und nach alle kleinen Kinos, in denen man sowas ja mit Glück mal haben konnte, aus Geldmangel zu 🙁

geschrieben von beetFreeQ
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12

@adastra: Es bleibt ja vieles in der originalsprache mit untertitel, oder nicht ?

Ich musste lesen um alles zu verstehen. Somit ist nicht alles ins deutsche übersetzt.

@beetFreeQ: Aufarbeitet ? Er stellt alles in ein neues Licht, er bringt die Leute dazu wieder sich mit dem Thema zu beschäftigen und es einfach nicht zu vergessen, wohingegen der Cruise Film nur eine Aufwärmung der Tatsache ist.

Wenn man daran denkt das nun langsam die letzten echten Zeitzeugen so langsam wegsterben finde ich den Tarantinofilm genau richtig damit sich weiterhin die Menschen mit diesem Thema beschäftigten.

Ich habe schon lange keine Verwandten mehr aus dieser Zeit und so ergeht es nun langsam vielen, denke ich mal.

Ich hoffe das Thema bleibt im Gespräch und die Menschen beschäftigen sich damit, den somit bleibt es irgendwie aktuell und wird nicht vergessen und dabei hat Tarantino gut mitgeholfen.

geschrieben von Sebastian
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13

@Sebastian: Naja, Filme wir der von Tom Cruise haben auch ihre Berechtigung, denn es wäre auch falsch, der Nachwelt ohne Zeitzeugen nur noch so verzerrte und absichtlich umgeschriebene Versionen der Geschichte zu hinterlassen. Es ist genau so wichtig, die Menschen dafür zu sensibilisieren, was damals passiert ist, damit es nicht noch mal zu so etwas kommt, wie es wichtig ist, sich dem Thema aus künstlerischer und verzerrender Form zu nähern, um den Leuten zu zeigen, dass man nicht nur ängstlich darum rumreden und es totschweigen sollte.

geschrieben von beetFreeQ
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