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Rezension: The Prodigy – Invaders Must Die (Limited Deluxe Box Set)

The Prodigy - Invaders Must DieNachdem das eigentliche fünfte Album nach fünf Jahren am Freitag erschien, war am Mittwoch auch endlich die Deluxe Box zum Versand bereit. Als großer Prodigy-Fan war es natürlich Ehrensache, die limitierte Box zu kaufen, wo sie auch mit 29€ vergleichsweise günstig war und wirklich toll ausgestattet ist. Entsprechend wird dies das vermutlich längste Review meines Blogs, denn es gibt genug zu erzählen.

Die Box

Der Inhalt der BoxZusammengehalten wird die limitierte Box von einem schlichten schwarzen Karton. Nimmt man sie in die Hand, ist gleich zu merken, dass Luft darin nur einen kleinen Anteil ausmacht. Einmal geöffnet, findet man darin fünf hochwertige 7″-Singles mit je einem der Songs pro Seite[1], ein Poster mit dem Zeppelin vom Album-Cover, einen Bogen mit Stickern, zwei Schablonen mit dem Prodigy- und Album-Schriftzug, die EP “Lost Beats” mit vier exklusiven Songs sowie natürlich das Album auf CD inklusive einer DVD mit Musikvideos.

Das Album

Mit Bekanntgabe des Erscheinungstermins der neuen Scheibe ließ man auch verlautbaren, dass “Invaders Must Die” zurück zu den Wurzeln der Band wollte. Wieder zu dritt hatten man sich daran gemacht, ein Album zwischen “Music For The Jilted Generation” und “Fat Of The Land” aufzunehmen. Können sie damit nach dem sehr gemischt bewertetem Vorgängeralbum bei den Fans wieder punkten?

  1. Invaders Must Die – Gleich der Titelsong haut voll rein und weist die Marschrichtung. Im Zeichen von “Fat Of The Land” rotzt die Band uns ein Brett vor die Füße, auf dem es sich bestens tanzen lässt. Kritiker taten den Song zwar schnell als Pendulum-Abklatsch ab, aber umgekehrt wird ein Schuh draus. Immerhin gäbe es den Sound von Pendulum gar nicht, wenn The Prodigy ihn nicht früher mitgebracht hätten!

  2. Omen – Die erste offizielle Single macht gleich nahtlos weiter. Man darf sich von dem “niedlichen” Xylophon nicht täuschen lassen, “Omen” ist beste Elektropunk-Schule!

  3. Thunder – überraschend eingängigen Gesang hat Thunder im Gepäck und drückt den Bass gleich noch ne Etage tiefer, wo er die Füße gleich mal automatisch zum Bewegen bringt. Die Retropeitsche ist bereits allgegenwärtig, man nähert sich der Jilted Generation!

  4. Colours – Auch Track Vier namens “Colours” beruhigt gar nicht erst, sondern hält die Menge weiter in Trance und bleibt dank eingängiger Oldschool-Synths direkt im Ohr haften. Sie haben’s nicht verlernt!

  5. Take Me To The Hospital – Auf der Zeitreise in die Vergangenheit haben wir die späten 90er hier definitiv verlassen und finden uns in der Jilted Generation wieder. Wie die Drei es schaffen, trotz dieser mehr als direkten Hommage an alte Tage noch so frisch zu klingen, wissen vermutlich nur sie selbst. Der Frühdreißiger fühlt sich auf jeden Fall wie zuhause!

  6. Warrior’s Dance – dass man den Retro-Bogen auch ein wenig zu sehr überspannen kann, beweist mit “Warrior’s Dance” einer der zwei eher mittelmäßigen Tracks des Albums. In übelstem Technostil wird hier eine weibliche Gesangseinlage in den Song geschmettert, wie man sie nach den 90ern hoffte, nicht mehr hören zu müssen. Auch der Rest des Songs kommt leider etwas halbherzig rüber, Amen-Break und nölige Synthlinie inklusive.

  7. Run With The Wolves – Netterweise folgt die Wiedergutmachung auf dem Fuße. Dave Grohl spielt am Schlagzeug auf und drängt uns wieder ein wenig in die jüngere Zukunft. Dröhnende Synths sägen am Drumgerüst, dass es eine wahre Freude ist und man sich ausmalen kann, was live zu diesem Song in der Moshpit los ist!

  8. Omen Reprise – Das Omen-Thema kommt nochmal auf und bereitet den Hörer auf das Finale vor. Dient zur Entspannung und hätte auch gut als Intro funktioniert!

  9. World’s On Fire – Die Melange aus Prodigy’s beliebtesten Alben funktioniert hier am besten. “World’s On Fire” fusioniert den Stil perfekt. Unnötig zu erwähnen, wie tanzbar der Song doch ist, oder?

  10. Piranha – Hier verbirgt sich mein geheimer Favorit. “Piranha” ist dermaßen retro, dass man sofort nostalgisch wird, kann dabei aber vollends überzeugen.

  11. Stand Up – Leider flacht die Scheibe im Finale doch wieder etwas ab. “Stand Up” will mit seinem Bläser-Sample und den Fatboy-Slim-Drums so rein gar nicht in das vorher gehörte hereinpassen. Als aber die TB-303 einspringt und den dickschlanken Jungen mit dem Wunderkind vermählt, kann der Song doch noch ganz brauchbar die Kurve kratzen.

Die EP

  1. The Big Gundown – Basierend auf einem Sample aus Ennio Morricone’s gleichnamigem Titel leitet “The Big Gundown” die etwas experimentellere Seite Prodigys ein. Ein ziemlich gewöhnungsbedürftiger Rhythmus macht sich breit und lässt einem erstmal die Entscheidung schwerfallen, was man wirklich davon halten soll. Mit jedem Hördurchgang gewinnt der Song aber an Struktur und kann durchaus gefallen.

  2. Black Smoke – Unter den vier Songs der EP kommt “Black Smoke” mit seinen Bongos dem Retro-Sound des Albums noch am nächsten. Die eher schleppenden Beats wissen zwar zu Überzeugen, wären im Album-Kontext aber ein wenig untergegangen.

  3. Wild West – Mein absoluter Favorit der EP und sehr nah an den besten Songs des Albums ist “Wild West”. Gitarren gepaart mit leicht cheesigem Technobeat sind nicht leicht zu dosieren, will man nicht albern klingen. In den Händen von Liam Howlett können sie aber wirklich groß werden!

  4. Fighter Beat – Die eben gehörten Gitarren werden zum Schluss nochmal 100% synthetisch weggefegt. Man könnte meinen, die Chemical Brothers hätten kurz Hallo gesagt, um ein paar Einflüsse zu hinterlassen. Sicher kein schlechter Abschluss für eine EP, die mehr ist als nur eine Sammlung von Songs, die für’s Album zu schlecht waren.

Das Fazit

Als Fan der ersten Stunde bin ich wirklich begeistert von der geglückten Zeitreise der Band. Zwar bedienen sie sich offensichtlich bei ihren alten Großtaten, bringen aber genug Erfahrung und Form mit, um “Invaders Must Die” nicht wie einen müden Abklatsch klingen zu lassen. Ich konnte mich zwar auch mit der Entwicklung Howlett’s auf “Always Outnumbered, Never Outgunned” mehr als anfreunden und halte das Album auch für einen Tick besser, vergieße aber garantiert keine Tränen über diese radikale Rückkehr in die 90er!

Wie zu erwarten erntet “Invaders Must Die” in der Presse wie schon sein Vorgänger wieder mal gemischte Kritiken von mies bis göttlich. Mich kann es aber auf alle Fälle überzeugen!

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

  1. das kurze “Omen Reprise” gibt es nur auf CD []

Kommentare

1

Sehr gute Rezension, hab direkt mal die Deluxe Version bestellt, auch wenn ich die normale schon besitze… 😉 Das Video ist übrigens “no longer available”.

geschrieben von Chris
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2

Danke!

Hmm, komisch – scheinbar sind alle eingebetteten Videos dank des von mir verwendeten Plugins tot – auf Youtube selbst laufen sie aber noch und wenn ich den originalen Code zum Einbetten verwendet, geht’s auch. Hoffe, da gibt’s schnell ein Update!

geschrieben von beetFreeQ
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3

The Prodigy waren und sind hammmmer geil!!!
Den neuen Song “O” find ich wiedermal geil geil geil! Die anderen Songs hab ich mir noch nicht so genau angehört…

geschrieben von Schaps
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4

Solltest du tun – es lohnt sich. Was ich nur noch nicht verstanden habe: warum heißt die aktuelle Single teilweise “O” und teilweise “Omen”? Auf dem Album ist es zumindest letzteres…

geschrieben von beetFreeQ
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5

Sehr gute Rezension, die mir noch mehr den Mund wässrig macht, als er eh schon ist. Interessant ist aber auch Deine Bewertung, die von anderen sicherlich nicht geteilt wird. Im aktuellen Rolling Stone (Ausg. 168) gibt es 2 von 6 Sternen und ein “langweilig und nicht innovativ”. Fraglich wo hier die Objektivität aufhört und der persönliche Geschmack anfängt.

Da ich aber genau wie Du Fan der ersten Stunde bin, gehe ich davon aus, das mein Urteil ähnlich deinem ausfallen wird, denn ein klanglicher Ruck in die Gegenrichtung, also zurück zu den Wurzeln muss nicht immer schlecht sein, sondern auch sehr erfrischend. Erwartungshaltung und Befriedigung sind wohl beim o.g. Magazin anders orientiert.

Das “O” und “Omen” Phänomen scheint im übrigen ein länderspezifisches zu sein, denn offenbar heißt das Album nur bei uns “O”. Ob es da markenrechtliche oder ethische Bedenken gibt ist mir nicht klar. Ob es mit diesem Stück zusammenhängt ist fraglich und rein spekulativ.

geschrieben von Robert
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6

Ich finde es sowieso Unsinn, immer nach Innovativität zu suchen und zu erwarten, dass sich Bands mit jedem Album weiterentwickeln oder neu erfinden. Solang die Musik, die dabei herauskommt, einen mitreißen kann, ist es mir wirklich Wurst, wie innovativ sie nun ist!

Objektive Plattenkritiken gibt es meiner Ansicht nach auch nicht, denn Musik ist Kunst und interpretierbar. Es geht nicht nur darum, dass der Musiker sein Handwerk beherrscht, sondern auch darum, was er draus macht – und das ist eben subjektiv. Außerdem wäre Objektivität auch langweilig. Wer will schon Kritiken lesen, in denen das Können wissenschaftlich genau aufgedröselt wird 😉

geschrieben von beetFreeQ
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7

“Ich finde es sowieso Unsinn, immer nach Innovativität zu suchen und zu erwarten, dass sich Bands mit jedem Album weiterentwickeln oder neu erfinden.”

Ganz gut gesagt! Bin einverstanden mit deiner Meinung!

geschrieben von Lars
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Every mix tape tells a story. Put them together, and they add up to the story of life.

Rob Sheffield

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