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Klassiker-Rezension: Can – Ege Bamyasi

Candle in the room in the afternoon
How do you spoon? She will be soon
Wait me a fork, raise your knife
Speaks a joke, she soaks me alive

Can - Ege BamyasiWarum immer nur neue Alben vorstellen, wenn es doch so viel geniale alte Musik gibt, die es zu entdecken lohnt? In den Klassiker-Rezensionen werde ich alle Nase lang auch mal Alben besprechen, die schon so ein paar Jahre oder Jahrzehnte auf dem Buckel haben, aber heutzutage unbedingt noch gehört werden sollten!

Den Anfang machen Can. Die deutschen Krautrock-Heroen lieferten 1972 mit ihrem dritten Album “Ege Bamyasi” ein absolutes Meisterwerk der experimentellen Rockmusik ab. Die mal minimalistischen, mal ausufernd funky Rhythmen von Schlagzeuger Jaki Liebezeit bilden das Fundament für eine brodelnde Mischung aus Improvisation und Komposition, Rock und Jazz, der man die Spielfreude zu jeder Sekunde anmerkt. Damo Suzuki’s außergewöhnliche Stimme zwischen Flüstern, Singen und Schreien, bildet das I-Tüpfelchen.

Die sieben Songs, deren Abschluss “Spoon” sogar die deutschen Singlecharts eroberte, hört man sicher nicht mal nebenbei. Diese Musik muss man sich ein wenig erarbeiten, um sie wirklich würdigen zu können. Zu vertrackt und kryptisch kommen die Stücke im Ohr an und werden auf den ersten Blick nur durch die Drums zusammengehalten. Lässt man sich aber darauf ein, entdeckt man in jedem Hördurchgang etwas neues. Die Band weiß, wie man kleine Details und Akzente setzt, ohne die Musik damit vollzukleistern.

Ein schlechtes Stück ist auf diesem Album schlicht nicht auszumachen. Der Funk von “Vitamin C”, die Fusion-Bombe “Pinch”, das ausufernd experimentelle “Soup” – allesamt Klassiker. Nicht umsonst gilt “Ege Bamyasi”[1] als großer Einfluss für so ziemlich alles, was der Post-Punk und Post-Rock so zutage gebracht hat. Auch wenn die Band ihren Sound in den folgenden Jahren immer weiter verfeinern konnte, blieb dies ihr bestes Album.

Wertung:

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Anspieltipps: das ganze Album! Für Einsteiger vielleicht erstmal “Spoon” und “I’m So Green”

Vitamin C[2]
http://www.youtube.com/watch?v=_qzc3krlDrY

  1. die türkische Bezeichnung für Okraschoten []
  2. Das Video ist nur Mittel zum Zweck []

Kommentare

1

Betreff: “Spoon”
Daß es sich dabei um die sogenannte “Löffelstellung” beim Geschlechtsverkehr handelt, hab’ ich mittlerweile auch schon mitgekriegt.
Den Sinn des Refrains “sit down on my chair when nobody want to care” – mal abgesehen davon, daß er grammatikalisch völlig falsch ist – hab ich nie verstanden.
Na ja, Kraut-Rock halt…
Gruß MwL

geschrieben von Musikwerkstatt Landau
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2

Hmm, mit den Texten hab ich mich ehrlichgesagt nicht so sehr befasst – grad weil’s bei Krautrock ja meistens ziemlich kryptisch zugeht ;)

geschrieben von beetFreeQ
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I’m travelling the wonderful loneliness of the headphone silence

Ane Brun

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