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Total verfilmt! – Mein Beitrag

Heute ist’s noch genau eine Woche, bis meine Blogparade “Total verfilmt” am 22.02.09 beendet wird.

Mittlerweile sind auch bereits zehn Beiträge eingegangen, was aufgrund der sehr freien Fragestellung schon eine ordentliche Anzahl ist. Wer noch mitmachen will, sollte sich langsam sputen. Natürlich will ich auch selbst endlich meinen Senf zum Thema geben!

Die Kunst der Verfilmung

Im Endeffekt ist ja jeder Film eine Art Verfilmung. Sei es die Umsetzung eines Buches, eines geschichtlichen Ereignisses, eines Comics, eines Filmklassikers oder einfach der Fantasie des Drehbuchschreibers. Letzteres ist natürlich die Reinform des Films. Ein Autor schreibt eine Story als Drehbuch nieder, die genau auf das Format Film zugeschnitten ist. Hier gibt es außer dem Autoren selbst meist niemanden, der sich an der Art der Verfilmung stören könnte.

Anders sieht es da bei bekannten Werken oder Begebenheiten aus, die als Vorlage für einen Film dienen sollen. Während man bei Comics oder wahren Begebenheiten meistens eine ziemlich genaue Vorgabe hat, sind es gerade Romane, die eine Verfilmung zu einem schweren Unterfangen machen. Auf der einen Seite stehen die Fans, die das Buch möglichst originalgetreu wiedergegeben sehen wollen und zudem oft ziemlich genaue Vorstellungen von Charakteren und Schauplätzen haben. Auf der anderen Seite sitzt das Filmteam, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Vorlage in ein filmtaugliches Format zu quetschen und natürlich seine eigene Vorstellung der Geschichte hat.

Hier wird’s heikel. Hat man Glück, sind die Verantwortlichen des Films selbst große Fans des Buches und geben ihr Möglichstes, die Vorlage gebührend wiederzugeben. Hat man Pech, steht das Geld an erster Stelle und das Studio setzt wilkürlich Leute daran, aus der Lizenz möglichst viel Gewinn herauszuschlagen. So entstehen dann oft lieblose Filme, die zwar erstmal ordentlich Menschen ins Kino locken, die Fans aber vor den Kopf stoßen, weil sie der Vorlage nicht gerecht werden.

Mein Senf

Ich selbst stehe dem Thema Verfilmung eher neutral gegenüber. Natürlich werde ich hellhörig, wenn ein Filmteam an der Umsetzung einer von mir geliebten Vorlage sitzt. Je mehr Informationen durchsickern, desto euphorischer oder aber auch misstrauischer werde ich. Ein gutes Beispiel ist sicherlich “Watchmen”. Die Graphic Novel habe ich erst vor kurzem gelesen und war sofort Feuer und Flamme. Kaum ein Buch hat mich in den vergangenen Jahren so faszinieren können. Natürlich beobachte ich die Geschehnisse um die Verfilmung des Stoffes seitdem noch genauer. Und hier hat die Euphorie die Skepsis längst besiegt. Das Team um Zach Snyder liebt dieses Buch genauso und ist dabei, es so detailgetreu wie möglich umzusetzen. Was wirklich dabei herauskommt, werden wir in drei Wochen sehen.

Die leuchtenden Beispiele

Im Anschluss möchte ich noch ein paar meiner liebsten Verfilmungen mit euch teilen.

  • Adaption – ich muss zugeben, ich kenne das Original nicht. Der relativ dokumentarische Roman “Der Orchideendieb” von Susan Orlean ist aber im Endeffekt auch gar nicht die wahre Vorlage für diesen Film. Drehbuchautor Charlie Kaufman hatte bei der Umsetzung des Themas eine Schreibblockade, die ihn dazu veranließ, genau diese Blockade in das Drehbuch einzubinden. So entstand ein satirischer Film um den Drehbuchautor Charlie Kaufman, der eine Schreibblockade hat, am Ende aber sogar selbst mit den Geschehnissen des umzusetzenden Buches in Berührung kommt. Kaufman nahm sogar etwas aus dem Drehbuch mit zurück in die Realität, als er seinen für den Film erfundenen Bruder Donald Kaufman als zweiten Drehbuchschreiber mit angab.
  • Dune – Der Wüstenplanet – Der Roman von Frank Herbert ist ein episches Meisterwerk. Keine einfaches Basis, daraus einen Film zu stricken, und so scheiterte auch ein sehr psychedelisch angelegter Versuch des Regisseurs Alejandro Jodorowsky, der mit H.R. Giger und Salvador Dali hochkarätige Künstler für die Visualisierung an der Hand hatte. Letztendlich war Ridley Scott derjenige, unter dessen Regie dann wirklich begonnen wurde. Allerdings sprang er kurzfristig ab und überließ David Lynch den Regiestuhl, der die Verfilmung zu einer zwar nur noch in der Grundstory dem Buch gleichende Version machte, diese aber durch wirklich großartige Cinematographie zum Leben erweckte.

    Die ursprünglich von Lynch fertiggestellte 3,5 Stunden lange Version hätte das Buch vermutlich noch besser umsetzen können, musste aber auf zwei Stunden zusammengeschnitten werden. Zwar existiert eine TV-Fassung, in der ein Großteil der fehlenden Szenen wieder enthalten ist, diese wurde aber von Lynch nicht gutgeheißen und findet unter Fans auch weniger Anklang.

  • Blade Runner – Zwei Jahre, bevor Ridley Scott die Verfilmung von Dune aufgab, hatte er selbst einen auf einem Buch basierenden Sci-Fi-Thriller abgeliefert, der bis heute zu den absolut besten Sci-Fi-Filmen gilt. Die Vorlage “Träumen Androiden von elektrischen Schafen” von Philip K. Dick geht allerdings einen ganz anderen Weg als der Film und legt mehr Augenmerk auf ethische und philosophische Fragen. Für sich gesehen ist das Buch sicher gut, in der stark veränderten Filmfassung wurde die Geschichte aber erst zum Kult-Meilenstein.
  • Fight Club – dass man ein Buch auch sehr originalgetreu wiedergeben kann, bewies David Fincher Ende der 90ern mit seiner Verfilmung des Buches von Chuck Palahniuk. Dank der sehr bildhaften Sprache des Autoren fiel es leicht, den Film sehr nah an der Vorlage zu konstruieren. Das Ende wurde allerdings völlig umgeschrieben, kann aber in beiden Versionen sehr überzeugen.
  • Der Herr der Ringe – Als Ende der 90er bekannt wurde, dass eine Realverfilmung der Trilogie von J.R.R. Tolkien geplant war und der damals eher für billige Horrorfilme bekannte Peter Jackson Regie führen sollte, war man sehr skeptisch. Der Mut des Filmstudios, die von Millionen von Fans geliebte Buchreihe gleich als Trilogie anzusetzen, obwohl das Fantasy-Genre zu der Zeit eigentlich fast tot war, wurde aber belohnt. Peter Jackson und sein riesiges Filmteam hat es geschafft, die Buchvorlagen sehr würdig umzusetzen. Zwar mussten trotz der in den Langfassungen der Filme insgesamt mehr als elf Stunden Dauer einige Szenen und Charaktere ausgelassen werden, dennoch wurden die Filme zurecht von Fans der Vorlage gefeiert und brachen diverse Rekorde.
I’ll unlock you immediately. Then we’ll run amok. Or if you’re too tired we’ll walk amok.

Casino Royale (1967)

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