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Die große Bevorweihnachtung

Meine Weihnachtsgebäckproduktion 2007 / Christmas cookies
Creative Commons License photo credit: Libär

Was ist Weihnachten überhaupt? OK, die Weihnachtsgeschichte kennt sicher jeder und in einigen Ecken Deutschlands soll ja sogar noch das Christkind – also eigentlich Jesus selbst als wonneproppiger Hosenmatz – die Geschenke bringen. Im Großen und Ganzen ist es aber für viele nur noch das “besinnliche” Fressfest mit dem dicken Bärtigen im roten Mantel. Und genau da sind wir auch schon bei der Wurzel eines Problems, das mich zunehmend ärgert.

Nimmt man die kirchliche Definition der Weihnachtszeit zur Hand, so beginnt diese mit der vorweihnachtlichen Fastenzeit mit dem ersten Advent vier Sonntage vor Weihnachten und endet am 6. Januar des Folgejahres. Die modernen Weihnachten beginnen allerdings, zumindest wenn es nach den Supermärkten geht, Mitte bis Ende August mit dem schon fast traditionellen Überfüllen der Regale mit weihnachtlichem Gebäck, Schokoweihnachtsmännern und hier und da auch Deko für zu Hause. Ihr Ende findet sie spätestens eine Woche vor Weihnachten. Bitte was?

Ich bin die vergangenen Tage in drei Geschäften gewesen und habe nirgends meine geliebten Spekulatius[1] gefunden. Gibt’s nicht mehr, futsch! Mit ihnen gegangen sind fast alle Anzeichen, dass wir uns noch in der Vorweihnachtszeit befinden, abgesehen von den letzten Restetischen vor den Kassen, auf denen man mit Glück nochmal ne Tüte Marzipankartoffeln erhaschen kann.

Auf die Frage, ob sie es denn nicht auch unsinnig finde, dass eine Woche vor Weihnachten schon alles ausverkauft sei und nichts mehr reinkommt, antwortete eine Verkäuferin etwas ausweichend, nach Weihnachten kaufe das ja keiner mehr! Auf die Anmerkung, dass es noch vier (teilweise fünf) verkaufsoffene Tage bis Weihnachten sind, kam dann gar nix mehr.

Wer jetzt letztendlich ja schon vor ewig vielen Jahren mit diesem Unsinn, der sich mit der Zeit immer weiter verschärft hat, angefangen hat, ist nicht mehr ganz so klar. Vermutlich war es die Geschäftsmann-Logik, den Umsatz von Weihnachtsartikeln durch das immer frühere Anbieten in die Höhe zu treiben, gepaart mit dem Willen der Einkaufenden, diese Logik zu bestätigen. Zwar kann niemand, den man fragt, verstehen, was das soll, aber es muss ja doch genügend Menschen geben, die es mitmachen.

Kommt das eigentliche Weihnachtsfest und damit das Ende der Fastenzeit immer näher, sind die Leute so nach und nach überfüllt und gesättigt von den typischen Weihnachtsgewürzen und -zutaten. Da ist es nur logisch, dass die Hersteller und Supermärkte ihre Produktion früher einstellen, um nicht darauf sitzen zu bleiben. Die pflichtbewusste Hausfrau hat sich indes daran gewöhnt, und kauft, so das Interesse noch vorhanden, früh genug auf Vorrat, um das eigentliche Fest mit zugehörigem Naschteller begehen zu können.

Wollen wir das eigentlich wirklich? Warum stellen wir uns dann eigentlich noch nen Weihnachtsbaum auf? Nach Heiligabend oder vielleicht noch den zwei Feiertagen ist das Thema für viele doch eh längst durch. Der Baum wird nicht selten schon am 27. vor die Tür geschmissen und die Festbeleuchtung der Häuser ist schlagartig verschwunden.

Wenn das der allgemeine Wunsch der Leute ist, soll’s mir recht sein. Warum sind wir dann nicht konsequent und verlegen das Weihnachtsfest nicht einfach drei Monate vor! Am 24. September hat man die vier Wochen Vorweihnachtszeit durch die Auslagen in den Läden ja schon hinter sich gebracht und ist vielleicht noch nicht so gesättigt, dass man auch die Woche danach noch gern mal Spekulatius oder Lebkuchenherzen isst.

Außerdem fällt es doch kaum auf, dass eigentlich noch Spätsommer ist, im Dezember ist es heutzutage nur noch marginal kälter und Schnee gibt’s eh keinen. Die Weihnachtsmänner können in kurzer Hose kommen und sich endlich mal den viel zu warmen Bart abrasieren – sieht dann auch gleich hipper und moderner aus. Der tüchtige Geschäftsmann wird da zudem noch eine Fülle an Möglichkeiten finden, Sommerartikel mit ein paar Weihnachtsgewürzen auszustatten und zu dem anderen Klimbim in die Regale zu stellen und am Ende sind alle glücklich…

  1. natürlich Gewürzspekulatius, nicht das strunzlangweilige Butterzeugs []

Kommentare

1

Was habt ihr denn für Geschäfte? Jetzt schon alles ausverkauft? Ich kaufe im Januar noch begehrte Weihnachtsleckereien, weil die Läden voll davon sind. Das MHD ist noch lange nicht erreicht, da der Absatz aber nicht mehr so gut vonstatten geht, werden die Marzipankartoffeln, Spekulatius und Co. dann immer billiger. Also hier kann man Weihnachten auch im Januar / Februar noch feiern. 😉 Dann ist auch die Schneewahrscheinlichkeit deutlich höher – ich bin für die Verlegung 😉

geschrieben von Steffi
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2

Wiedermal ein toller Beitrag und ein tolles Jahr zu Ende! Ich wollte mich bei Dir für die unterhaltsamen aber auch informativen Beiträge bedanken und wünsche dir ein Frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich fahre jetzt erstmal in Urlaub! Bis denne…

geschrieben von Sicherheitsschuhe
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3

Wo wohnst du? Da zieh ich hin 😉 – vielleicht liegt’s ja auch nur an der sowieso selten mal ausgelassenen Stimmung von uns kühlen Norddeutschen, dass hier Weihnachten schon vor dem Fest vorbei ist…

geschrieben von beetFreeQ
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4

Danke gleichfalls! Und keine Ursache!

geschrieben von beetFreeQ
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5

Tja, da zeigt sich wieder, dass in Norddeutschland die Uhren anders laufen 😉 Komm mal in Richtung Rhein, dann gehts dir besser 😉

geschrieben von Steffi
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6

Och, da gibt’s mir zuviel Karneval – das ist nix für uns Nordlichter 😉

geschrieben von beetFreeQ
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