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Foobar2000 – Musikverwaltung: Grundüberlegungen und Basics

Mit dem dritten Teil meiner Foobar-Reihe hab ich mir etwas mehr Zeit gelassen. So langsam kommen wir zu Themen, die sich nicht mal eben runterschreiben lassen. Wenn man nach dem Einführungsbeitrag geht, müsste jetzt eigentlich erstmal ein Beitrag folgen, der sich mit der Einrichtung der Benutzeroberfläche beschäftigt. Ich hab mir aber gedacht, dass die eigentliche Verwaltung der Musik doch erstmal viel interessanter ist, denn auch die Standard-Oberfläche tut ihren Dienst ganz gut. Das Wissen um die Art, wie man seine Musikmassen aber am besten bändigt, ist dabei sicher erstmal wichtiger.

Aufgrund des Umfangs, den ich diesem Thema beimesse, wird es zwei Beiträge dazu geben. Heute geht es also vorrangig um die Grundüberlegungen, wie man seine Musiksammlung strukturiert und die Basics, um diese in FB2K auch zu nutzen. Das dürfte zum großen Teil sicher auch für Nutzer anderer Player von Interesse sein. Die Fortsetzung wird sich dann um die speziellen Möglichkeiten drehen, Autoplaylisten einzurichten, bestimmte Musik zu finden und sonstige Kniffe und Tricks, die einem das Foobar-Leben leichter machen. Aber beginnen wir erstmal ganz vorn!

Wie fange ich an?

Will man seine Musiksammlung mit einem Programm wie Foobar verwalten, ergeben sich erst einmal zwei Möglichkeiten:

    interne Library-Funktion von Foobar

  • Vorteile: Da eine programminterne Datenbank genutzt wird, lassen sich viele komfortable Sortier- und Suchfunktionen sowie Auto-Playlisten nutzen.
  • Nachteile: Man ist an das Programm gebunden, kann diese Funktionen natürlich nur direkt in Foobar nutzen. Außerdem dauert es oft recht lang, neue Musik durch Aktualisieren der Library einzulesen.[1]
    durchdachte Ordnerstruktur und manuelles Auswählen der Musik

  • Vorteile: Man hat neu hinzugefügte Musik sofort verfügbar, ohne sie langwierig einlesen zu müssen und[1] man ist vollkommen vom Programm unabhängig.
  • Nachteile: alle schönen Sortier- und Suchfunktionen in Foobar sind so leider nutzlos.

Ich war bei anderen Playern an sich immer ein Fan letzterer Lösung, aber seit ich Foobar nutze und um seine Features weiß, ist erstere die weitaus bessere Variante. Zwar dauert das Einlesen neuer Musik manchmal echt lang, weil Foobar scheinbar alle Ordner neu durchscannt, aber[1] die Vorteile überwiegen stark. Allerdings kombiniere ich im Endeffekt beide Lösungen, denn eine sinnvolle Ordnerstruktur kann auch mit der Library nicht schaden und FB2K unterstützt einen auch dabei!

Ordner, Pfade und Dateien

Unschwer zu erkennen, dass ich im folgenden mit der Library-Lösung weiter arbeiten werde. Trotzdem will ich noch ein paar Worte zur Ordnerstruktur verlieren! Was man da als praktisch und sinnvoll erachtet, ist sicher von den eigenen Vorlieben abhängig. Man sollte sich nur vorweg kurz die Einschränkungen vor Augen halten, die Windows einem da auferlegt:

  • Der Pfad zu einer Darei darf inklusive Dateinamen maximal 255 Zeichen lang sein. Zwar unterstützt NTFS (Dateisystem von XP und Vista) theoretisch mehr, praktisch können die meisten Programme damit aber nicht umgehen.
  • Die Verwendung folgender Sonderzeichen in Dateinamen ist nicht erlaubt: < > ? ” : | \ / *
  • Bei dem Dateisystem FAT32/FAT16 sind maximal 65534 Dateien pro Ordner möglich, unter NTFS 4.294.967.295 – also kaum eine Einschränkung, allerdings sollte man es der Übersicht halber nicht übertreiben – außerdem wird der Zugriff auf einen Ordner mit +1000 Dateien auch sehr lahm!

Führt man sich das vor Augen, ist es schlau, kurze Pfade zu verwenden, aber dennoch möglichst sinnvolle Ordner anzulegen. Ich habe meinen Ordner “Sound/MP3″ direkt im Root des Laufwerks meiner externen Festplatte liegen. Darin gibt es jeweils für die Anfangsbuchstaben der Bands in Dreiergruppen eigene Ordner (also ABC, DEF, GHI und so weiter – nur VWXYZ liegt aufgrund der recht geringen Anzahl an Bands mit diesen Anfangsbuchstaben zusammen). Darin liegen dann jeweils Ordner mit den Bandnamen, darin die Alben und darin wiederum Songs mit Tracknummer und Titel. So sollte man selten mal an die Grenzen von Windows kommen.

Zusätzlich habe ich noch Extra-Ordner für Compilations und noch unsortierte Musik angelegt. In ersterem finden sich wie zu erwarten alle Compilations, in letzterem die Musik, die ich neu gekauft, aber noch nicht meiner Ordner-Struktur angepasst habe. Dies übernimmt nämlich Foobar für mich. Dazu aber später mehr! Natürlich kann sich jeder selbst überlegen, wie er seine Musik sortiert, aber von einem würde ich euch dringend abraten: Verwendet keineOrdner für Musik-Genres und sortiert danach, es sei denn, ihr hört nur leicht zuzuordnende Musik! Ich habe das anfangs mal versucht, mich dann aber immer geärgert, wenn ich bestimmte Künstler nicht fest zuordnen kann und musste vor allem bei Umsortierungen immer wieder die Library neu einlesen. Das macht einen echt verrückt und Schubladen sind doch eh völlig veraltet, oder? 😉

Gut getaggt ist halb gefunden!

Um trotzdem zu einer Gruppierung von Genres zu kommen, verwenden wir die passenden ID3-Tags, bzw. APE oder wie sie je nach Dateiformat heißen – Foobar kann an sich mit allen gängigen Formaten umgehen! Tags sind das A und O einer ordentlichen Musiksammlung. Ohne sie ist nur anhand des Dateinamens eine Zuordnung zu Künstler, Album, Genre und wasauchimmer möglich, was logischerweise schnell mühsam wird. Über die Art, wie man in FB2K seine Tags bändigt und schnell aus der FreeDB bzw von Discogs einliest, schreibe ich im nächsten Teil. Welche allerdings – zumindest für meinen Geschmack und auch ein wenig für Foobar – wichtig sind, gibt’s schonmal hier:

  • Artist – der Künstler – hier können auch per Semikolon (;) mehrere angegeben werden, wenn dies nötig ist – diese können dann in der Album List getrennt angezeigt werden. Ich gehe dabei sortiermäßig nach Vornamen vor, stelle also den Nachnamen nicht an den Anfang. Bei Bands beginnend mit The, Der, Die oder Das lasse ich den Artikel ebenfalls vorn – das Entfernen des selbigen, um besser zu sortieren, übernehmen wir später in der Album List von Foobar. Bei Compilations sollte auch der wirkliche Interpret des Songs eingetragen sein. Um diese dann dennoch unter einem Namen gruppieren zu können, gibt es das folgende Feld:
  • Album Artist – wird ein Album von mehreren Künstlern bestritten (z.B. bei Compilations, Split-Alben oder oftmals auch Soundtracks), kommt hier der Name des “Hauptkünstlers” hinein. Semikolon ist allerdings auch möglich. Bei Compilations verwende ich immer die Bezeichnung “V/A” für “Various Artists”, um diese dann ordentlich unter einem Namen zu sortieren. Hat das Album nur einen Künstler, bleibt es dagegen leer!
  • Title – klar, der Titel des Songs!
  • Album – Name des Albums
  • Track – die Nummer des Songs auf dem Album. Dieses Feld fülle ich nur, wenn ich wirklich das komplette Album habe. Es sollte keine Informationen zu Titelanzahl oder bei mehreren CDs die CD-Nr. enthalten. Dafür gibt’s eigene Felder!
  • Total Tracks – optional die Anzahl der Songs auf dem Album
  • Disc Number – Nummer der Disc, wenn es sich um Doppel- oder noch mehr CDs handelt. Sollte nur gefüllt sein, wenn’s wirklich mehr als eine CD ist!
  • Total Discs – optional die Anzahl der Discs – sollte ebenfalls nur gefüllt sein, wenn’s wirklich mehrere sind.
  • Date – bzw. in anderen Programmen meist Year oder Jahr. Das Erscheinungsjahr des Albums. Ich verwende das Feld gern, da ich die Erscheinungsreihenfolge interessant finde und so auch schnell das erste oder neueste Album eines Künstlers finde. Es kann zwar auch das komplette Datum enthalten, das dann mit Funktionen von Foobar auseinandergenommen werden kann, das ist mir selbst aber eher unwichtig.
  • Genre – das Genre des Albums bzw. Songs. Hier kann wieder das Semikolon verwendet werden, um einen Song mehreren Genres zuzuordnen und später in den entsprechenden Album-List-Ansichten wiederzufinden.

Zusätzlich gibt es noch standardmäßig Felder wie Composer, Comment und Performer, die ich teilweise auch mal verwende, mir aber an sich nur zur Info dienen und keinen verwaltungsmäßigen Zweck haben. Allerdings nutze ich noch die Möglichkeit, eigene Tags hinzuzufügen. Hier habe ich für mich ein Tag “Mood” eingebaut, in dem ich wieder semikolon-getrennt die Stimmungen bzw. Themen von Musikstücken eintrage. Dies dient mir z.B. zum Generieren von Auto-Playlisten für gewünschte Stimmungen. Wie man das am besten bewerkstelligt, erkläre ich auch an späterer Stelle nochmal!

Zu guter letzt…

Ohne gewisse Vorausplanung geht wie so oft garnichts. Diese wird aber auch reich belohnt, wie ihr im nächsten Beitrag lesen werdet. Bis dahin will ich euch nur noch schnell auf den Weg geben, wie ihr denn eure Sammlung überhaupt erst einmal in die Library bekommt!

Alles, was ich bis hierher geschrieben habe, lässt sich im Endeffekt auch komfortabel direkt in Foobar machen. Allerdings sollte je nach Menge der Musik eine gewisse Grundstruktur bereits vorhanden sein, um überhaupt durch die Masse an Songs durchzusteigen. Ich würde also empfehlen, zumindest schonmal das grobe Sortieren nach Künstler bereits im Windows-Explorer vorzunehmen, um es dann später in Foobar leichter zu haben, die Songs zusammenzufinden und sinnvoll zu taggen/zu verschieben. Je geordneter die Musik schon ist, desto besser!

Wie ihr eure Library nun also hineinbekommt? Ganz einfach! Geht in die “Preferences” (erreichbar über STRG+P oder im Menü unter “File”) und dort auf der linken Seite auf “Media Library”. Rechts seht ihr nun oben ein Feld, in dem ihr die Ordner hinzufügen könnt, die zu eurer Library gehören sollen. Hier reicht es natürlich, das übergeordnete Verzeichnis anzugeben, die darunter werden dann automatisch mitgenommen. Nachdem ihr sie hinzugefügt habt (Button “Add”) klickt ihr noch auf “Scan All”. Das kann eine Weile dauern, da hiermit die Musik der Datenbank von Foobar hinzugefügt wird. Ist er endlich fertig, seid ihr es auch – die Musik steht nun zum Hören, Sortieren, suchen und und und bereit! Und wenn mal neue Songs hinzukommen, genügt ein Klick auf “Rescan Media Library” im Menü “Library”, um diese hinzuzufügen![1]

Puh, das war vermutlich der bisher längste Beitrag auf meinem Blog bisher. Ich hoffe, er ist es auch wert und nützt dem einen oder anderen bei seiner Musikverwaltung. Wer noch Anmerkungen, Fragen oder weitere Tipps hat, ist willkommen, sie in den Kommentaren zu nennen! Ich ruhe meine Finger derweil aus und bereite mich schon mal mental auf die nächste Folge der Foobar-Serie vor. 😉

  1. seit der Version 0.9.6 werden Ordner dynamisch überwacht und Änderungen in Sekunden registriert. Das langwierige manuelle Einlesen entfällt! [] [] [] []

Kommentare

1

Hallo

Mit grossem Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen!
Nun eine Frage zum Genre-Mehrfach-Tagging:

Wie kann ich bewerkstelligen, dass bei meiner Album-List nur das erste Genre beachtet wird? Ich habe meine Dateien mit mehreren Genres getaggt, führend von einem Hauptgenre, z.B. “_Rock”.

Grüsse

geschrieben von Outlaw
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2

Hi! Dafür habe ich leider auch keine direkte Lösung gefunden. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, im Genre nur noch das wirklich grobe, übergeordnete Genre zu verwenden (z.B. Rock, Electronic, Jazz), um einen schnellen Überblick zu haben und ein neues Tag namens “Stil” einzuführen. Da gebe ich dann kommagetrennt genauere Genrebezeichnungen an. So lässt sich auch ganz gut arbeiten, aber es ist vermutlich nicht ganz die passende Lösung für dein Problem.

geschrieben von beetFreeQ
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3

So, ich habs geschafft!

Nun sieht der Code so aus:
$if(%genre%,
$meta(genre,0),
%genre%)

Um alle zu gruppieren, bei denen das Genre nicht getaggt wurde (hier kommt die Verwendung des “_” vor dem Hauptgenre zum tragen), habe ich den Code noch wie folgt ausgebaut:
$if($strcmp($cut(%genre%,1),_),
$replace($meta(genre,0),_,),
!untagged)

Der Komplette Code um die Dateien nach “Hauptgenre | Artist | Albumname [Jahr] | CDNr.” zu sortieren sieht nun so aus:
$if($strcmp($cut(%genre%,1),_),
$replace($meta(genre,0),_,),
!untagged)|
$if($meta(collection),’* ‘$meta(collection),
$if($meta(album artist),$meta(album artist),
$if($strcmp($cut(%directoryname%,4),’V.A.’),
%directoryname%,
$meta(artist,0)
)))|
$if(%album%,[‘[‘%date%’]’] %album%,
!untagged)
$if(%discnumber%,|CD %discnumber%)
)

geschrieben von Outlaw
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4

@Outlaw: Oh super. Ist zwar weit komplexer, aber schon genial, was die Title-Formatting-Syntax alles ermöglicht!

geschrieben von beetFreeQ
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5

Hallo!
Ich hab ein ziemlich elementares Problem bei der Sache… Bei mir werden schlicht keine Musikdateien in meiner Library angzeigt, sie tauchen ausschließlich in meiner Playlist auf. Bei “Album List” steht bei mir nur “All Music”, womit ich recht wenig anfangen kann, da es auch nicht auf beherztes drauf-klicken reagiert. Musik hinzugefügt habe ich per “Add folder…” im Files-Menü, und ich habs auch nochmal mit deiner Methode ausprobiert, was eigentlich auf dasselbe rauskommen sollte.
Irgendwelche Ideen? Bin absoluter Einsteiger, wie man an der Frage eventuell erkennt :)
Grüsse

geschrieben von Zzyxz
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6

Eine Neuinstallation hat das Problem gelöst. Trotzdem danke :)

geschrieben von Zzyxz
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7

@Zzyxz: OK, super! Ich hätte sonst auch nicht wirklich gewusst, woran’s liegen könnte!

geschrieben von beetFreeQ
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8

Hi,
ich habemein alten Vinyl Platten digitalisiert und möchte sie mit Fpl`s versehen. Muß ich da jede einzelne Playlist (sehr viele) erstellen oder gibt es eine Möglichkeit mit einer Stapelverarbeitung?

Gruß Sigi

geschrieben von Sigi
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9

@Sigi: So wirklich eine Stapelverarbeitung zum Anlegen einzelner Playlists ist mir leider nicht bekannt. Aber ich sehe auch keinen Grund, warum man das tun sollte. Über die Library-Funktion von Foobar sind die Alben doch schnell abspielbereit, wenn man sie sinnvoll getaggt hat. Ansonsten bietet ja auch fast jeder Media-Player da draußen Funktionen an, um einfach ein ganzes Verzeichnis abzuspielen, was ja auch einer Playlist nahe kommt, wenn die Musik im Verzeichnis so benannt ist, dass die Tracks richtig sortiert sind. Playlists sind für Alben meiner Ansicht nach ziemlich unnötig und haben an sich nur wirklich für Verzeichnis/Album-übergreifende Mixe ihren Sinn.

geschrieben von beetFreeQ
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