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Musica Obscura

Wer mein freeQradio öfters mal einschaltet, wird sicher gemerkt haben, dass ich momentan ziemlich viel ausgefallene alte Sachen höre. Mir haben’s alte, teilweise obskure Songs mal wieder angetan. Und die Auswahl an Schätzen ist riesengroß, seien es Soundtracks zu verrückten alten Filmen, abgedrehte Band-Konzepte aus den experimentierfreudigen 60s oder rauchverhangener Psychedelic Rock, von dem es in den 70s nur so wimmelte. Überraschenderweise kann man sogar bei YouTube mittlerweile Videos[1] vieler dieser alten fast vergessenen Songs finden. Was liegt da also näher, als euch ein paar dieser Stücke auch mal genauer vorzustellen und gleich ein paar Infos hinterherzuschieben, die ich im Radio natürlich ohne Moderation nicht so rüberbringen kann? Vielleicht ist das auch der Anfang einer neuen Reihe, mal sehen!

http://www.youtube.com/view_play_list?p=CA499798E9BC4E9A

  • Jack Nitzsche – The Last Race
    Der 2000 verstorbene Jack Nitzsche war vor allem als Soundtrack-Komponist bekannt und gewann einen Oscar für den Song “Up Where We Belong” aus “Ein Offizier und Gentleman”. Neben so bekannten Filmen zeichnete er aber auch für den Soundtrack zur Trash-Sci-Fi-Komödie “Village of the Giants” mit dem jungen Beau Bridges verantwortlich, aus dem auch “The Last Race” stammt. Dank Quentin Tarantino’s Händchen für ausgefallene Songs, kam das Stück unlängst in seinem Film “Death Proof” zu neuen Ehren.
  • François de Roubaix – Dernier Domicile Connu
    Der namensgebende, aber ziemlich unbekannte Film (der deutsche Titel lautet “Die letzte Adresse“) ist der Ursprung dieses Stücks. Immerhin hat er es aber in die Finger einiger Musiker geschafft und so kam der Titelsong u.a. in Robbie Williams’ “Supreme” und Missy Elliot’s “All n My Grill” zu Sample-Ehren.
  • Nora Orlandi – Soho
    Nora Orlandi war eine der wenigen Komponistinnen im italienischen Kino der 70er. Eine besondere Arbeit stellt der Soundtrack zu der lasziv erotischen Edgar-Wallace-Verfilmung “Das Gesicht im Dunkeln” dar, aus dem auch “Soho” stammt. Bekannt geworden ist sie aber vor allem mal wieder durch Quentin Tarantino, der den Song “Dies Irae” in Kill Bill 2 verwendete.
  • April March – Chick Habit
    Die Sängerin dieses Songs wurde in den 60ern gerade erst geboren, fühlte sich aber dennoch schnell der französischen Popmusik hingezogen. Natürlich musste sie dabei zwangsläufig über Serge Gainsbourg stolpern und nahm einige Coverversionen vom ihm geschriebener Songs auf. Eine davon ist auch “Chick Habit”, welches im Original von France Gall gesungen wurde und eigentlich “Laisse tomber les filles” heißt. Wie so oft ist Tarantino mal wieder der Grund, diesen Song zu kennen, denn in “Death Proof” lief April’s englische und französische Version im Abspann.
  • Marlena Shaw – Woman Of The Ghetto (live)
    Als erster weiblicher Künstler auf dem renommierten Jazz-Label Blue Note nahm Marlena Shaw schon eine ganz besondere Position ein. Mit ihrer druckvollen Stimme muss sie sich aber auch nicht hinter bekannteren Jazz- und Soul-Röhren wie Shirley Bassey oder Nina Simone verstecken. Einer ihrer bekanntesten Songs ist “Woman Of The Ghetto”, welcher in der Studio-Version schon überzeugt, in dieser Live-Version vom Montreux Jazz Festival 1973 aber erst richtig zur Geltung kommt. Gleich der Skat am Anfang sollte wohl vertraut klingen, denn er diente im 97er Disco-Hit “Remember Me” von Blue Boy als Gesangslinie.
  • Yamasuki Singers – Kono Samourai
    So, kommen wir zum Eingemachten. Etwas so kurioses wie die Yamasuki Singers ist wohl nur selten zu finden. Die Pop-Komponisten Daniel Vanguarde und Jean Kluger hatten in den frühen 70ern die fixe Idee, einen franzosischen Kinderchor auf japanisch singen zu lassen. Als sei das nicht schon verrückt genug, unterlegten sie das ganze mit Funk- und Disco-Sounds und ließen echte Sumo-Ringer dazwischenrufen. Die daraus entstandene Musik ist überraschend frisch und hörbar geworden und dient heute noch DJs auf der ganzen Welt als besondere Scheibe für durchtanzte Nächte.
  • Os Mutantes – Bat Macumba
    Die Brasilianer von Os Mutantes waren in den 60ern und 70ern maßgeblich an der Entwicklung des Tropicália-Stils beteiligt, der brasilianische Rhythmen mit nordamerikanischer Psychedelia verwebte. Ihr Hit “Bat Macumba” ist dabei das beste Beispiel für den verrückt verspielten Stil der Band und geht sofort in Ohr und Beine.
  • Chambers Brothers – Time Has Come Today[2]
    Wenn auch Weiße den Soul im Blut haben, warum sollten Schwarze keinen genialen Psychedelic Rock hinlegen können? Das dachten sich auch die Chambers Brothers und brachten 14 Jahren eher souligem Bandbestehen ihren psychedelischen, bekanntesten Hit “Time Has Come Today” heraus. Leider sorgte der Erfolg für böses Blut und nach drei Jahren das schließliche Ende der Band.
  1. oft nur Standbilder mit der entsprechenden Musik unterlegt, aber es geht ja auch um die Songs []
  2. Das Video wird leider durch ein paar kurze reingeschnittene Reporterstimmen zum WTC-Anschlag verhunzt, aber ich konnte keine bessere Version der 11-Minuten-Fassung finden… []
Got to be a chocolate Jesus
Good enough for me

Tom Waits

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