freeQnet-Logo
freeQnet

Rezension: Portugal. The Man – Censored Colors

all the needy still need
and all the losers still lose
and all the preachers still preach
and I know they ain’t bringing no change

Censored Colors

Der Herbst ist schon lange da und in den Supermärkten muss man schon fast bangen, nicht mehr rechtzeitig Weihnachtsutensilien abzubekommen. Da ist es doch höchste Zeit für herbstliche Musik. Also genau der richtige Zeitpunkt für Portugal. The Man, die gestern ihr drittes Album veröffentlicht haben. Und die Experimentierfreude der Jungs aus Alaska nehm ich gleich mal zum Anlass, auch mein Rezensions-Format etwas umzustellen. Diesmal gibt’s zu jedem Song einen Text plus abschließendes Fazit. Mal sehen, ob sich die Idee bewährt!

  1. Lay Me Back Down Gleich die ersten Bombast-Akkorde versetzen einen zurück in die 70s. Der Pomp legt sich aber schnell und lässt viel Raum für schön verspielten Pop mit Psychedelia-Anleihen. Wunderbare Melodien vesetzt mit Klavier und Sitar versprechen gleich den ersten epischen Ohrwurm und ein Highligt der Platte.

  2. Colors Eine akustische Gitarre und die Band im Chor leiten “Colors” ein. Leichte Geigenklänge gesellen sich dazu und bilden eine Soul-Folk-Ballade aller erster Güteklasse.

  3. And I Was in modernem Akustik-Soul beginnt, verwandelt sich nach zwei Minuten in eine melancholisch schöne Rock-Oper, deren Wellen sich gegen Ende wieder gemächlich legen.

  4. Salt Der anfangs vielleicht noch am nähesten mit den Vorgänger-Alben verwandte Song bringt Ohrwurm-Melodie Nummer 2 ins Spiel. Zur Mitte hin überraschen dann noch Reggae-Klänge, um zuletzt mit weiblicher Stimme auszuklingen.

  5. Created Hatte ich die Ohrwurmlastigkeit des Albums schon erwähnt? Ja? Dann brauch ich mich bei “Created” ja nicht zu wiederholen. Während Balladen mit Gitarre und Geigen andernorts meist in schwülstige Gebiete abdriften, weiß man in Alaska den Grenzgang mit Bravour zu meistern. Gourleys Falsett tut sein übriges, den Taschentuchdrang zu verstärken, aber der Song ist genau rechtzeitig zu Ende.

  6. Out And In And In And Out Eine etwas entrückte Hippie-Atmosphäre prägt das sechste Stück. Die auf dem allgegenwärtigen Streicher bekommen ebenso ihren Auftritt wie die treffsicheren Chorunterlagen der Band und lassen gegen Ende auch nochmal eine jammende E-Gitarre zu Wort kommen.

  7. Intermission Völlig unerwartet findet man sich im Urlaub wieder. “Intermission” weckt spanische Assoziationen, schwelgt in rauchverhangenen Gefilden und leitet die Trompete behutsam ein. Denn diese wird gleich noch gebraucht!

  8. New Orleans Den Mittelpunkt des Albums bestreitet die bisher absolut beste Nummer der Band. Ich hätte nie gedacht, dass man in Alaska einen derart fließenden jazzigen Reggae-Rock auf die Beine stellen kann. Einen Moment fühlt man sich an Sting erinnert, dann locken die schwebenden Duelle zwischen Gitarre und Trompete gleich wieder auf eine andere Fährte und entlassen uns in einen experimentellen Progressive-Rock-Abspann…

  9. Never Pleased …der nahtlos in einem ebenso experimentellen Koloss mündet, den man so auch von The Mars Volta erwarten würde. Orgel und E-Gitarre halten die Waage und balancieren den Song zielsicher zwischen 70s und Moderne aus, um gegen Ende den Streichern nochmal Luft zu geben.

  10. Sit Back And Dream Ebenso nahtlos reiht sich “Sit Back And Dream” in die furiose Reise und lässt den Songtitel laut zur Lüge werden. Zum Träumen lässt der Titel gar keine Zeit!

  11. Hard Times Ein Song, wie man ihn schonmal gehört zu haben meint, aber dennoch interessiert bei der Stange bleibt. Es sind die Details wie die Trompete, die aus “Hard Times” etwas Besonderes machen.

  12. Our Times Wie ein ruhigerer Bruder folgt Song Nummer 12 seinem Vorgänger, lässt diesen ausklingen und schließt mit einer verträumten Streicher-Landschaft ab.

  13. All Mine Eine passende Einleitung, um der Chor-Komponente nochmal in den verdienten Mittelpunkt zu rücken. Fast nur von den Stimmen der Band getragen, entfaltet sich mit “All Mine” eine verspielte Melancholie, die erneut die Wandlungsfähigkeit der Band unter Beweis stellt und ein weiteres Highlight in das Album einreiht.

  14. 1989 OK, hier braucht man dann doch ein etwas dickeres Fell, denn 1989 greift doch tief in den Folk-Rock-Balladen-Topf und wird nur mit einigen psychedelischen Elementen davon abgehalten, sich dem Schwulst hinzugeben, den “Created” noch so wunderbar links liegen ließ.

  15. Our Way Überraschenderweise schleicht sich ohne Vorwarnung eine südlichere Stimmung und damit der letzte Song des Albums ins Gesamtbild und zaubert ein andauerndes Lächeln ins Gesicht, wie es sich für einen gelungenen Abschluss gehört. Damit erscheint dann auch 1989 in einem völlig anderen Licht und lässt den Schwulst schnell vergessen. Ein geglücktes Experiment!

Ob “Censored Colors” nun seinen Vorgänger “Church Mouth” als Lieblingsscheibe der Band ablöst, muss sich noch zeigen. Die Entscheidung wird aber auch nicht grad leicht gemacht, hat sich der Sound doch von Album zu Album extrem gewandelt. Aber gerade das ist es ja, was ich so an dieser Band liebe!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Homepage: www.portugaltheman.net | Album: Censored Colors (2008 , Defiance)

Santa Claus is smokin' reefer
Santa Claus is smokin tea
Hes so high in the sky
Stays loaded all the time

Squirrel Nut Zippers

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de blogoscoop Bloggeramt.de