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Unter der Fassade

Vor zwei Jahren half ich einer Freundin – nennen wir sie C. – beim Umzug. Sie hatte sich aus Kostengründen eine günstige Wohnung drei Monate mietfrei zum Selbstrenovieren im scheinbar etwas besseren Teil des verruchten Kieler Stadtteils Gaarden gesucht. Die Umgebung wirkte auch nett – ruhig, viel Grün auf dem Hof und ein Spielplatz direkt davor. Die Nachbarn wirkten wie zwar etwas ältere, aber angenehme Zeitgenossen.

Die Wohnung selbst war zwar nett geschnitten, hatte aber einiges hinter sich. Klar, warum sie zum Selbstrenovieren angeboten wurde. Das schreckte uns aber nicht ab. Dafür brauchte es schon den Schimmel, den wir in Küche und Bad unter den Tapeten vorfanden. Nachdem der von der Hausverwaltung entfernt wurde und wir die Wohnung in Schuss brachten, wurde sie ganz gemütlich.

So nach und nach begann die eigentlich ganz nette Fassade der Szenerie aber spürbare Risse zu bekommen…

Als erstes sollte man erfahren, was der Vormieter für ein Kerl war. So wie er mit der Wohnung umgegangen war, konnte er nicht der angenehmste Zeitgenosse gewesen sein. Der nette Herr war wohl stadtteilbekannter Drogendealer und -süchtiger, der gern mal ausflippte. Zwischendurch war er wohl auch ewig nicht da und überließ die Wohnung Prostituierten und ihrer Arbeit. Irgendwann muss er wohl über alle Berge gewesen sein und die Wohnung wurde zwangsgeräumt. Trotzdem müssen einige der eher negativ Bekannten des Kerls das wohl nicht mitbekommen haben, denn es gab hin und wieder lautes Gebrüll vorm Fenster, dass der “Ficker” doch rauskommen soll.

Auch der Rest des Hauses wurde nach und nach unheimlich. Gegenüber der abgehalfterte Alkoholiker, der nichts auf die Reihe brachte, außer C. bei der Hausverwaltung anzuschwärzen, wenn sie es mal nicht geschafft hatte, die Treppe rechtzeitig zu wischen. Über ihr wohnte wohl ein Typ, der wohl grad wegen Mordes im Knast saß und eine Freundin in seiner Wohnung hatte. Darüber der äußerlich nette ältere Herr mit seinen kleinen Hunden. Der kam allerdings auch desöfteren nicht nur sturzbesoffen, sondern auch noch mit männlichen Prostituierten nach haus und man konnte durch die wohl defekte Sprechanlage an der Haustür mitverfolgen, was die dann in der Wohnung für Sado-Spielchen trieben. Der Nachbar im Nebenhaus war dagegen fast harmlos. Er hatte nur so Angewohnheiten, im Winter nur in Unterhose bekleidet im Vorgarten zu grillen und wollte C. doch so gern zum Kaffee zu sich einladen.

Mittlerweile hat C. eine Wohnung in dem selben Haus, in dem ich wohne – keine 500m von der alten Wohnung entfernt, aber um einiges netter. Diese Gesellschaft wird man aber wohl nicht so schnell vergessen.

Kommentare

1

Aus irgendeinem unerklärlichem Grund hab ich gerade diese eine abgeleitete Szene aus “Snatch” vor meinem geistigen Auge…

Q: “Anything to declare?”
A: “Never move to Gaarden”

Ich bin was die Auswahl meiner Wohnorte belangt auch von mal zu mal vorsichtiger geworden und die Checkliste die man beachten sollte wwurde auch immer länger. 😉

geschrieben von martin
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2

Och, Gaarden ist nicht überall schlecht. Genauso wenig wie z.B. Mettenhof. Aber gegen deine Gegend und vor allem eure Wohnung kann ich hier auch sicher nicht anstinken 😉

geschrieben von beetFreeQ
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